BERLIN, 2. November 2011


Mehr Einsätze mit weniger Soldaten

Bundeswehr-Reform Wegfall der Wehrpflicht schafft künftig zusätzliche Kapazitäten


von Gunars Reichenbachs, Büro Berlin

Berlin - Mehr internationale Einsätze mit weniger Soldaten? Für Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) ist diese Forderung Kern der „Neuausrichtung der Bundeswehr“.

„Das Ziel ist, die Bundeswehr so aufzustellen, zu finanzieren und auszustatten, dass Deutschland nachhaltig befähigt wird, gemeinsam mit seinen Partnern einen wichtigen militärischen Beitrag zur Sicherheit des Landes und des Bündnisses sowie zur Sicherung von Frieden und Stabilität in der Welt zu leisten“, heißt es in den Reform-Plänen. „Konkrete nationale Zielvorgabe“, so de Maizière, „ist die Befähigung zum gleichzeitigen durchhaltefähigen Einsatz von bis zu 10 000 Soldaten in bis zu zwei Gebieten und zusätzlich in einem maritimen Einsatz“.

Bisher konnte die Bundeswehr bei rund 220 000 Soldaten nur 7500 gleichzeitig in einen internationalen Einsatz schicken. Künftig wird diese Grenze bei nur noch maximal 185 000 Soldaten auf die genannten 10 000 Soldaten aufgestockt. Der Wegfall der Wehrpflicht spielt dabei eine entscheidende Rolle, weil Rekruten bislang erhebliche Ausbildungskapazitäten beanspruchten. Für internationale Einsätze wurde in Eingreif- und Stabilisierungskräfte unterschieden.

Die künftige „Professionalisierung“ der Armee bietet neue Möglichkeiten. Die Bundeswehr stützt sich fast ausschließlich auf Zeitsoldaten und länger Dienende. Dadurch entsteht ein geringerer Ausbildungsbedarf und es gibt auch andere Stehzeiten. Ein einmal ausgebildeter Soldat steht immer wieder bereit für internationale Einsätze. So ergibt sich die interessante Entwicklung beim Heer, dass trotz reduzierten Umfangs künftig mehr Kompanien zur Verfügung stehen. Die Führung wird schlanker und zugleich sind mehr „Boots on the ground“ („Füße am Boden“), wie es der Verteidigungsminister ausdrückt. Deutschland stehe „verstärkt Gewehr bei Fuß“, lautet die Devise. Und dieses mit der ganzen Bandbreite der Fähigkeiten, selbst wenn beispielsweise die Zahl der Kampfpanzer von derzeit 350 noch einmal auf etwa 225 abgesenkt wird. Geplant ist, dass die Auslandseinsätze „normal“ vier Monate in zwei Jahren betragen. Beim Ausbildungsschutzbataillon sind es derzeit in Afghanistan allerdings sechs Monate.

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