Wenn das Labor zur Bahnhofshalle wird
Technik Jade Hochschule kombiniert 3D-Technik mit virtueller Akustik
Egal an welcher Stelle im Raum die Studierenden stehen, der Klang ist überall perfekt. BILD: Patrick Buck 
Oldenburg - Durchsage in der Bahnhofshalle, Orgelkonzert in der Lambertikirche, und dann einfach nur der Hall beim Gespräch in einem leeren Zimmer: Für diese verschiedenen Eindrücke muss man in der Jade Hochschule Oldenburg noch nicht einmal den Raum verlassen. Im 3D-Labor für virtuelle Welten können Orte visuell und akustisch dargestellt werden.
„Das ist ein System, das man nur an wenigen Orten auf der Welt findet“, sagt Professor Martin Hansen vom Institut für Hörtechnik und Audiologie. Beamer lassen auf einer Leinwand bewegte Bilder entstehen, die mittels 3D-Brille dreidimensional erscheinen. Doch das ist nicht das Besondere, das findet man heute in jedem Kino. Nicht aber kombiniert mit einem System für virtuelle Akustik.
420 Lautsprecher sind rund um den Zuhörer angeordnet. Sie können individuell angesteuert werden und erzeugen so virtuelle Schallquellen, die wahlweise scheinbar mitten im Raum schweben, oder aber weit außerhalb liegen, oder sich sogar bewegen.
„Man muss sich das etwa wie eine Dolby-Surround-Anlage vorstellen“, so Student Stefan Raufer. „Allerdings gibt es dort nur einen Sweet Spot“, also bloß einen Punkt, an dem man sitzen muss, um den optimalen Klang zu hören. Bei dem System der Jade Hochschule ist es egal, wo man sich innerhalb des Lautsprecherbereichs aufhält.
Die potenziellen Anwendungsbereiche sind vielfältig. „Man kann zum Beispiel den Klang von noch nicht existierenden Räumen erzeugen“, so Hansen. Dank der 3D-Leinwand soll man sich dann sogar virtuell durch diesen Raum bewegen können. Wie hört man am besten in Klassenräumen oder in Wohnungen für Senioren, wie gut sind Hörgeräte oder wie greifen Lärmschutzmaßnahmen? Wegen der vielfältigen Möglichkeiten sind mehrere Fachbereiche an dem System beteiligt: Neben Hörtechnik und Audiologie noch Geoinformatik und Architektur.
Doch viele Anwendungsoptionen sind noch Zukunftsmusik, stellt Hansen klar. Zunächst geht es darum, das komplizierte System in den Griff zu bekommen und dessen Grenzen auszutesten. Die ersten Schritte in diese Richtung übernahm ein Gruppe von sieben Studenten der Hörtechnik und Audiologie bei einem Semesterprojekt.
„Wir haben zum Beispiel gar keine Software gefunden, mit der Audio und Video kombiniert werden können“, erzählt Alec Prinz. Und auch die Handhabung an sich ist nicht ganz einfach. „Man braucht schon ein paar Stunden, um die Anlage überhaupt in Betrieb zu nehmen“, berichtet Raufer. Schon die Abschlusspräsentation der Gruppe zeigt diesen Aufwand: Während zwei Studenten referieren, muss sich der Rest der Gruppen im Hintergrund im die Technik kümmern.
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