Qual bei der Wahl des Studienfaches
Entscheidung Einige Hochschulen bieten vorbereitendes „Studium Generale“ für Abiturienten an
Von Studenten wird heute verlangt, interdisziplinär zu denken. Ein Studium Generale kommt dem entgegen BILD: gms 
von Sabine Damaschke
Tübingen - Das Vorstellungsgespräch am Leibniz-Kolleg in Tübingen hatte Angela Osthoff gut hinter sich gebracht. Dann kam die Hausführung – zunächst ein Schock. Eine Küche für 53 angehende Studenten und spartanisch eingerichtete Doppelzimmer, jeweils nur zwölf Quadratmeter groß. „Mir war sofort klar, dass ich hier nur auf der Toilette alleine bin“, erzählt die 21-jährige Studentin. Doch es war Sommer, und im Garten spielten einige junge Leute Karten. „Die Atmosphäre ist nett und entspannt gewesen“, erinnert sich Angela Osthoff. „Da habe ich mich so wohlgefühlt, dass ich bleiben wollte.“
Damals hatte sie gerade das Abitur in der Tasche und wollte unbedingt studieren. Nur was, das wusste sie nicht so genau. „In der Schule haben mir alle Fächer Spaß gemacht“, sagt die junge Frau, die heute in Freiburg Griechisch und Geschichte studiert. Ihr Großvater hatte sie auf die Idee gebracht, nach dem Abitur zunächst ein Orientierungsjahr einzuschieben. Angela Osthoff entschied sich für ein sogenanntes „Foundation Year“, ein Vorbereitungsjahr.
Was in vielen anderen Ländern längst üblich ist, gibt es in Deutschland nur vereinzelt. An der Universität Tübingen wurde die Studentin schließlich fündig. Schon seit 1948 bereitet das Kolleg 53 Abiturienten jeweils ein Jahr lang auf das Studium vor. Die angehenden Studierenden lernen hier, wie sie wissenschaftlich zitieren, Hausarbeiten schreiben, Referate halten, Protokolle schreiben und die Unibibliothek benutzen. Kunstgeschichte, Medizin, Physik, Philosophie oder verschiedene Fremdsprachen gehören unter anderem zu den Studienfächern, die die Absolventen des Kollegs ausprobieren können.
„Die meisten unserer Bewerber sagen, dass sie sich noch zu jung und nicht gut genug vorbereitet fühlen, um sich für ein bestimmtes Studienfach zu entscheiden“, sagt Direktor Michael Behal, der das Kolleg leitet. „Unser ,Studium Generale’ hilft ihnen nicht nur, sich zu entscheiden, sondern erleichtert auch den Einstieg ins Studium.“
Kein Wunder, dass in Zeiten von Bachelor und Master immer mehr Universitäten über die Einführung eines Vorbereitungsjahres nachdenken. Die fachlichen Anforderungen an die Studenten sind mit den stark spezialisierten und durchstrukturierten Studiengängen gestiegen. Außerdem drängen immer mehr junge Leute an die Unis, so dass es wichtiger wird, sich schnell und gut organisieren zu können. Das aber fällt gerade jüngeren Studierenden schwer, die aufgrund der verkürzten Schulzeit zum Teil sogar noch minderjährig sind.
An amerikanischen Hochschulen ist das Prinzip der „Foundation Years“ weit verbreitet. Unter diesem Begriff bietet nun auch die private Jacobs University in Bremen ein Vorbereitungsjahr an. An der Technischen Universität München können Abiturienten seit 2010 ein „Studium Naturale“ absolvieren, in dem ihnen Grundlagen fürs Studium in Physik, Biologie, Chemie und Mathematik vermittelt werden. Kostenfrei sind die Programme allerdings nicht. Rund 23 000 Euro pro Jahr verlangt die Jacobs University. In München kostet das Vorbereitungsjahr insgesamt nur 1000 Euro, denn das Projekt wird von einer Stiftung mitfinanziert.
Angela Osthoff hat rund 450 Euro monatlich für ihr Jahr im Leibniz-Kolleg bezahlt. Für sie war es gut investiertes Geld. Und zwar nicht nur, weil ihr dort ein breites Wissen und das wissenschaftliche Arbeiten vermittelt wurde. „Das soziale Miteinander im Kolleg hat mich viel selbstständiger und selbstbewusster gemacht“, so Osthoff .
@ http://www.uni-tuebingen.de//uni/yui03 @ @ http://www.jacobs-university.de/foundation-academics
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