Innovationen aus Meeresbewohnern
Forschung Jacobs University koordiniert EU-Projekt zu Blauer Biotechnologie
Bremen - Marine mikrobielle Biodiversität, Bioinformatik und Biotechnologie sind die Themen des neuen Forschungsprojekts Micro B3, das die EU über vier Jahre mit insgesamt neun Millionen Euro finanziert. Micro B3 hat zum Ziel, große Mengen an Umwelt- und Genominformationen von Mikroorganismen aus dem Meer für die Forschung verfügbar zu machen, die rechtlichen Rahmenbedingungen für solche Datenbanken zu entwickeln und neue biotechnologische Anwendungen zu identifizieren. 32 Partnerinstitutionen beteiligen sich an dem Projekt, das führende Experten aus acht Disziplinen zusammenbringt. Koordinator ist Frank Oliver Glöckner, Professor of Bioinformatics an der Jacobs University in Bremen.
Moderne biotechnologische Verfahren, in denen genetische Informationen unterschiedlichster Organismen genutzt oder verändert werden, um Produktionsprozesse zu optimieren oder erst zu ermöglichen, gibt es seit vielen Jahren. Wichtigste Anwendungsgebiete sind Landwirtschaft, Medizin, Pharma- und Lebensmittelindustrie. Die sogenannte „Blaue Biotechnologie“, bei der genetische Information von Meereslebewesen biotechnologisch verwertet wird, ist ein bislang noch wenig erkundetes Territorium: Nur rund ein Prozent der Biotechnologieunternehmen weltweit nutzen marine Lebensräume als Quelle für genetische Informationen.
Das Potenzial der Blauen Biotechnologie ist jedoch enorm, da die Lebensgemeinschaften im Meer, besonders die der Mikroorganismen, eine sehr hohe Artenvielfalt und damit genetische Vielfalt aufweisen, die die von Landökosystemen weit übertrifft und bislang nur zu einem Bruchteil erforscht ist. Mit modernen Verfahren zur Gensequenzierung können Meeresforscher heute in vergleichsweise kurzer Zeit sehr viele Proben analysieren und so haben die zahlreichen Meeresforschungseinrichtungen in Europa bereits enorme genetische Datenmengen aus dem Meer gewonnen, verbunden mit ökologischen Informationen zu den Umweltbedingungen, in denen die Organismen leben. Um diesen „Datenschatz“ für Wissenschaftler weltweit verfügbar zu machen und zu ergänzen, baut das EU-Projekt eine integrative Datenbank auf.
@ http://www.microb3.eu
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