Keltisches Kopfkino mit Harfenklängen
Celtic Days Festival wird mit Märchenabend eröffnet – Erzähler Dickerhoff arbeitet nur mit seiner Stimme
von Annika Richter
Hude - „Anfangs waren die Celtic Days nur ein kleines Wochenendchen“, erinnerte Martin von Maydell, Vorsitzender des veranstaltenden Vereins Pro Musica Activa, am Mittwochabend das Publikum im Kulturhof Hude. „Hätte das Wochenendchen damals gewusst, was mal aus ihm werden würde, hätte es wahrscheinlich voller Angst eingepackt und wäre gegangen.“
Gut, dass es das nicht getan hat. Denn in seiner siebten Auflage könne das keltische Festival allein für die Workshops 450 angemeldete Teilnehmer verzeichnen, so Hermann Konermann, stellvertretender Vorsitzender bei Pro Musica Activa.
Mit diesen guten Nachrichten eröffneten die beiden die erste Veranstaltung der diesjährigen Celtic Days und gaben die Bühne frei für Heinrich Dickerhoff und Nadia Birkenstock. Mit ihrem Märchenabend „Crossroads – wo sich Leben entscheidet“ begann das Festival stimmungsvoll.
Mit Inbrunst erzählte Dickerhoff keltische Märchen und Sagen – genau: erzählte. Ohne Buch, ohne Blatt stand er vor dem Mikrofon und trug die Stücke vor. Kaum einer Bewegung bedurfte er dafür. Allein mit seiner Stimme und der Betonung seiner Worte ließ er im Kopf der Zuhörer einen Film ablaufen.
Begleitet wurde Dickerhoff von Nadia Birkenstock an der keltischen Harfe. Einige Textpassagen unterlegte sie mit zarten Zupfmelodien. Zwischendurch unterbrach Dickerhoff auch seine Märchen, damit Birkenstock Lieder wie „Come sit down beside me“ oder „The snow it melts the Soonest“ spielen und singen konnte.
Teils beglückend, teils düster waren die Märchen Dickerhoffs – so wie die Sage „Dermot und Grainne“ von Martin Löpelmann und Christiane Agricola. Ganz vorsichtig zupfte Birkenstock an den Saiten ihrer Harfe, als sich das Pärchen zum Durchbrennen aufmachte und ihr Herz hüpfte und seines schwer wurde.
Dickerhoffs Stimme und Birkenstocks Harfe passten perfekt zueinander. Als Dermot und Grainne vor ihrem Freund und Ehemann flohen und sich verstecken mussten, veränderte sich auch das Tempo des Klangspiels. Eindringlich drangen die Worte und Töne zum Zuhörer und ließen ihn intensiv spüren, in welch misslicher Lage vor allem Dermot sich befand.
Dickerhoff und Birkenstock wissen, wie sie gemeinsam Stimmungen auf die Bühne zaubern. Inzwischen haben sie schon so oft miteinander gearbeitet, dass sie ein eingespieltes Team sind. Und auch bei den Celtic Days sind sie keine neuen Gesichter. Während Dickerhoff am Mittwoch seinen dritten Auftritt beim Festival hatte, ist Birkenstock bereits zum vierten Mal dabei und lässt auch andere an ihrer Kunst teilhaben: Am Sonnabend, 2. April, von 9.30 bis 16 Uhr und am Sonntag, 3. April, von 9.30 bis 13 Uhr gibt sie den Workshop „Magie der Keltischen Harfe“.
- Mit einem höchst amüsanten musikalisch-literarischen Abend „im Pub“ gingen die achten „Celtic Days“ Sonntagabend zu Ende. Dem Publikum im Forum der Peter-Ustinov-Schule waren die vergangenen fünf turbulenten und abwechslungsreichen Festivaltage anzumerken.mehr
- Bislang reüssierte der bekannte Maler Ole West bei den Huder Celtic Days als Gestalter der Festivalplakate und des Bühnenbildes. Seit Sonntag ist klar, dass der 58-Jährige auch als Musiker zu gefallen weiß.mehr
- Während normalerweise in der Peter-Ustinov-Schule Fächer wie Mathe oder Deutsch unterrichtet werden oder Schüler in die Geheimnisse der Chemie und der Physik eingeweiht werden, bevölkerten am Wochenende überwiegend erwachsene Wissbegierige die Schule, um sich irische Flötentöne beibringen zu lassen oder zu schottischer Musik Tanzschritte zu wagen.mehr
- Die zweite Veranstaltung im Rahmen der Huder Celtic Days am Donnerstagabend stand ganz im Zeichen traditioneller schottischer Musik. Im Kulturhof war zu Gast der Musiker P`druig Moireasdan, der sein Publikum mit Akkordeon-Musik von den Äußeren Hebriden begeisterte.mehr



