von Tim Gelewski
Oldenburg - Die mit rund 200 Quadratmetern Größe eigentlich riesige Bühne wirkt beinahe winzig. Dicht an dicht drängeln sich die mehr als 70 Mitglieder des Oldenburgischen Staatsorchesters. Im Laufe des Abends werden hier mehr als 200 Musiker aus der Region auftreten. Tausende von Augenpaaren warten im weiten Rund der EWE-Arena, wo die Show „Classic meets Pop“ am Freitag und Sonnabend insgesamt mehr als 6000 Zuschauer verzauberte, auf den Auftakt.
Der Einstieg erfolgt wuchtig und ohne Umschweife. Die Bühne erstrahlt in einem Lichtermeer, das an einen Sternenhimmel in wechselnden Farben und Akzentuierungen erinnert. Das Orchester eröffnet das Spektakel mit der „Ouvertüre zu Candide“ von Leonard Bernstein. Durch den Abend führen Honne Dohrmann, Direktor der „nordwest“/Tanzcompagnie Oldenburg, und die 15-jährige Sängerin Emily Fröhling.
Radikale Stilbrüche
Das Konzept, gegensätzliche Musikstile auf einer Bühne zu vereinen, geht voll auf. Die Darbietungen gewinnen besonders dort an Schwung, wo die Stilbrüche am radikalsten sind. Wenn etwa Sänger Daniel Ohlmann mit dem Orchester Drama und Theatralik der Oper „Tosca“ auf die Bühne zaubert. Und anschließend das Oldenburger Duo Father & Son mit Gesang und Beatboxing – dem Imitieren von Schlagzeug-Rhythmen mit dem Mund – für Party-Stimmung sorgt. Oder wenn Sopranistin Ingela Onstad zunächst eine Arie anstimmt. Und anschließend in gänzlich anderer Stimmlage mit dem Orchester einen Popsong von Lady Gaga intoniert.
In Augenblicken wo zusammengeht, was scheinbar nicht zusammengehört, hat die Veranstaltung ihre stärksten Momente. Wenn etwa der große Gestus und die Anmut von Oper und Klassik auf die augenzwinkernde Spontanität des Rock treffen. Kein Moment versinnbildlicht dies besser, als der, in dem der langmähnige Ratpack-Sänger Gerrit Schulte, gehüllt in eine knallenge Jeans-Montur, bei dem donnernden AC/DC-Stück „Highway to Hell“ den seriös gewandeten Dirigenten Jason Weaver ansingt. Und der sich angesichts der spürbaren Spielfreude von Ratpack ein breites Grinsen nicht verkneifen kann.
Der Abend ist gespickt mit solchen magischen Momenten. Funknetz verwandelt das Beatles-Stück „Eleanor Rigby“ in einen pumpenden Funk-Pop-Song. Sänger wie Steff Heinken oder Sven Hansing grooven sich mit der Classic-meets-Pop-Band und der Unterstützung des Orchesters durch lässige Soul-Nummern.
Für Gänsehaut sorgt Gitarrist Uwe Bruns mit einem hypnotisierenden Stück, das er allein vorträgt. Zuvor präsentierte er einen Überraschungsgast: „den bekanntesten Musiker in Oldenburg“, wie Moderator Dohrmann glaubt. Der aus der Fußgängerzone bekannte Straßenmusiker Waldemar wird mit Sonderapplaus bedacht.
Furioses Finale
Zum Ende der Show versammeln sich die über 200 Künstler für das furiose Finale auf der Bühne. „Thank You For The Music“ von Abba bildet den würdigen Abschluss. Mit dem Schlussakkord wird mit einem lauten Knall Lametta in das begeisterte Publikum gefeuert. Obwohl die Veranstaltung erst zum dritten Mal in Oldenburg stattfand, hat sie sich bereits zu einer Institution entwickelt. Laut Veranstalter sind für das nächste Jahr schon einige hundert Karten verkauft.
- Man könnte einen Werbegag vermuten. Doch nein, es ist eine Tatsache, dass eine Woche nach Ende der vierten Ausgabe von „Classic meets Pop“ die fünfte bereits ausverkauft ist. „Diese Nachfrage nach Karten für den 16.mehr
- Jason Weaver blickt irritiert ins weite Rund der Oldenburger EWE-Arena. Vor dem Dirigenten des Oldenburgischen Staatsorchesters stehen drei Gestalten in weißen Overalls mit grellen Neonstreifen. Moderatorin Annie Heger, die gemeinsam mit Axel Goldbeck durch den Abend führt, interviewt die jungen Elektro-Hip-Hopper von „De fofftig Pens“ nach ihrem Auftritt – auf platt.mehr
- Wenn die Show vorbei ist, der Vorhang gefallen, wenn die Musiker ihre Instrumente husch husch einpacken und das Publikum dem Ausgang zustrebt – dann ist Zeit für „nach der Show“. Der Adrenalinspiegel bei den Künstlern der Großproduktion von „Classic meets Pop“ sinkt nur langsam, man spricht über die Auftritte, tauscht Erfahrungen aus.mehr
- An einem Abend wie diesem mit Lob geizen? Mitnichten! „Das ist mit Abstand das beste Konzert seit langer Zeit“, freuen sich Hilde und Johann Mönnich, zwei der insgesamt 6000 „Classic meets Pop“-Besucher, „eine Bereicherung für Oldenburg!“
Überhaupt fand in der EWE-Arena Freitag- und Sonnabendabend mehr als nur ein Konzert statt.mehr





