Stelldichein der schönen Töne
Classic Meets Pop Impressionen nach der Show – Künstler loben Zusammenhalt
Pommesgabel: Egal ob Shy-Guys-Nachwuchsrocker oder altgedienter Countrystar – bei „Classic meets Pop“ probten (von links) Tammo, Jannes, Joost, Hermann Lammers-Meyer, Adrian und Marius das Hardrock-Handzeichen. BILD: Lukas Lehmann 
von Klaus Fricke
Oldenburg - Wenn die Show vorbei ist, der Vorhang gefallen, wenn die Musiker ihre Instrumente husch husch einpacken und das Publikum dem Ausgang zustrebt – dann ist Zeit für „nach der Show“. Der Adrenalinspiegel bei den Künstlern der Großproduktion von „Classic meets Pop“ sinkt nur langsam, man spricht über die Auftritte, tauscht Erfahrungen aus. „Diese Show mit so vielen musikalischen Stilen wirkt befruchtend auf alle Beteiligten“, findet Holger Zindler.
Der Erste Konzertmeister des Oldenburgischen Staatsorchesters ist fast schon ein Veteran der Veranstaltungsreihe: Seit dem Start vor vier Jahren ist der Geiger als rechte Hand des Dirigenten Jason Weaver dabei und hat in der EWE Arena dem Konzept „klassische Musik trifft auf Pop“ ein Gesicht gegeben. „Es macht immer wieder großen Spaß, an der Verbindung der beiden scheinbar unvereinbaren Stile mitzuwirken“, lacht er nach dem erfolgreichen zweiten Konzert. Zindler meint damit auch die Emotionen, mit denen Popmusiker und ihre Zuschauer regelmäßig spielen, die aber in Klassik durch geregelte Strenge oft gezähmt werden. „Musikalisch hat sich ohnehin viel geändert“, findet Holger Zindler. „Während ein Orchester in Pop-Produktionen früher nur für den Klangteppich zuständig war, spielt es jetzt eine viel bestimmendere Rolle – siehe Classic meets Pop.“
Die Worte des Konzertmeisters werden bei dieser After-Show-Party von allen bestätigt. Die „lockere Stimmung“ unter allen Leuten vor, auf und hinter der Bühne rühmt zum Beispiel Hero Boomgaarden, Posaunist der Funk- und Soulband Tuesbrassers, die mit ihrer Interpretation des Amy-Whinehouse-Songs „Valerie“ in der EWE Arena punkten konnten.
Ähnlich sieht es Tobias Götting. Der Leiter des Lambertichors, dessen wunderbare Stimmen Bachs „Tönet, ihr Pauken! Erschallet, Trompeten“ erklingen ließen, wusste schon Minuten nach dem großen Finale, „dass dieser Auftritt für jeden im Chor wochenlang nachwirken wird“. Die höchst unterschiedlichen Künstler würden dank des Konzepts der Show zu einer Einheit zusammenfinden.
Eine, die seit Jahren mit dem Orchestralen im Pop arbeitet, ist Su Kramer. Die Sängerin, die an der ersten deutschen Produktion von „Hair“ als Hauptdarstellerin beteiligt war (und nun in Oldenburg ein Medley der schönsten Lieder dieses Musicals sang), ist von „Classic meets Pop“ begeistert. „Die Zusammenarbeit war hervorragend. Vom Gefühl her war ich sehr nah dran am Staatsorchester.“ Ihr Wunsch: „Einmal mit dem Lambertichor ein Gospel- und Spiritual-Konzert in der Lambertikirche geben – dort, wo meine Eltern geheiratet haben.“
Im Musicalbereich fühlt sich auch Ines Plettenberg sehr wohl. Ihr erster Auftritt nach achtmonatiger krankheitsbedingter Pause geriet zur großen Show; Elton Johns in großer Besetzung vorgetragenes „Circle of Life“ (aus „Der Herr der Löwen“) meisterte die Ammerländerin souverän. „Aber ich werde noch besser“, kündigt Ines Plettenberg hinterher an: Die Ammerländerin, die zwei Jahre lang der Progressive-Rock-Band „Virtual Moon“ angehörte, verlegt sich diesmal auf echten Pop, wenn im Frühjahr ihre erste Solosingle „Bleib bei mir“ erscheint.
Und während die 13- bis 15-jährigen Nachwuchsrocker der Shy Guys noch Komplimente von ihren (etwas älteren) Hardrock-Kollegen der Gruppe Ratpack, Detlef Borchardt und Carsten Meyer, einheimsen, ist für Veranstalter Reinke Haar die Zeit zum Bilanzieren gekommen: „Große Show, sehr zufrieden, alles hat prima funktioniert.“ Am 16. Februar 2013 wird es erneut heißen: „Willkommen zu Classic meets Pop!“ .
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