Seeltersk:
Schüler werden bilingual unterrichtet

In Strücklingen und Scharrel haben Erstklässler nach den Ferien Stunden auf Saterfriesisch

Für die Marienschule ist der Sprachunterricht neu. Die Grundschule in Scharrel verfügt dagegen bereits über Erfahrung mit Saterfriesisch.

STRüCKLINGEN Es gab Zeiten, da wollten Eltern nicht, dass ihre Kinder mit Saterfriesisch aufwachsen. Wie bei Plattdeutsch befürchteten sie Nachteile im späteren Schul- oder Berufsleben. Also kommunizierte man Zuhause auf Hochdeutsch, und „Seeltersk“ als Sprache und Teil der eigenen Identität verkümmerte immer mehr.

Doch Zeiten und Einstellungen ändern sich. Heute weiß man, wie viele Vorteile es mit sich bringt, wenn Kinder von Klein auf eine zweite Sprache erlernen. Mehrsprachigkeit fördere die allgemeine Intelligenz des Kindes, das Kind lernt leichter weitere Sprachen und insbesondere über das Saterfriesische heißt es, es schlage eine Brücke zur englischen Sprache.

Mathe auf Seeltersk

An der Litje Skoule Skäddel und der Marienschule Strücklingen verfügen sie über viel Erfahrung, was das Saterfriesische anbelangt. Die Lage im Saterland wollten sie nämlich nicht ungenutzt lassen, außerdem unterrichten dort mit Ingeborg Remmers (Scharrel) und Monika Olling (Strücklingen) zwei Lehrerinnen, die selber mit Seeltersk groß geworden sind. Bereits vor Jahren wurden an den beiden Grundschulen Arbeitsgemeinschaften gegründet, in denen die Schüler auf freiwilliger Basis stundenweise am Nachmittag Saterfriesisch erlernen können. Vorbildlich könnte man sagen. Und es geht noch weiter: Sowohl in Scharrel als auch in Strücklingen werden ab dem kommenden Schuljahr zwei erste Klassen bilingual unterrichtet. Kunst oder Mathe auf Saterfriesisch? „Ja, denkbar wären auch Musik und Sport. Die genauen Fächer stehen allerdings noch nicht fest“, sagt Monika Olling. Es sei schließlich alles noch ganz frisch. Erst vor wenigen Wochen votierten die Eltern auf einer Informationsveranstaltung für das von Oldenburgischer Landschaft und Niedersächsischem Kultusministerium geförderte sowie auf fünf Jahre angelegte Modellprojekt.

„Sie hören nur zu“

Das Problem dabei: Olling ist gemeinsam mit einer pädagogischen Mitarbeiterin an der Schule derzeit die einzige, die der fremden Sprache mächtig ist. Weil die Resonanz von den Eltern so positiv ausfiel und daher im übernächsten Schuljahr möglicherweise ebenfalls bilingualer Unterricht erwünscht sei, lässt sich eine zweite Kollegin aktuell in einem dreijährigen Sprachkursus ausbilden.

Und wie soll der Matheunterricht auf Seeltersk aussehen? „Im ersten und zweiten Schuljahr hören die Kinder zu“, erklärt Monika Olling. „Ich spreche und sie nehmen auf. In der dritten und vierten versuchen sie auch selber auf Saterfriesisch zu antworten.“ Ob das tatsächlich funktioniert, weiß die Lehrerin nicht. „Erfahrungswerte habe ich keine. Auch für mich ist das etwas völlig Neues“, sagt sie.

Hilfe kann sie sich aber zu jeder Zeit von der Saterfriesisch-Fachberaterin Ingeborg Remmers holen. In Scharrel werden die jetzigen Zweitklässler bereits bilingual unterrichtet. „Die Kinder sind schon soweit, dass sie mich verstehen und selbstständig antworten.“ Um der „Flut“ der künftigen Saterfriesen in Zukunft gerecht zu werden, nimmt, wie in Strücklingen, eine zweite Lehrkraft am Sprachkursus teil.

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Mirja Zipfel

Friesoythe
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