19.02.2011

Jubiläum
Ambitionen gegen Nazis verteidigt

125. Geburtstag von Heinrich Ottenjann – Vater des Museumsdorfs

Ihm wurde der Spitzname „Klamottenjann“ wegen seiner Sammelleidenschaft verliehen. 1959 erhielt er das Große Bundes-Verdienstkreuz.
Prof. Dr. Uwe Meiners, Museumsdorf-Direktor

CLOPPENBURG Ohne das Museumsdorf ist Cloppenburg nicht vorstellbar. „Wir haben ein Dorf mitten in der Stadt“, betont Bürgermeister Dr. Wolfgang Wiese immer wieder. Und er meint dies nicht ironisch, sondern durchaus selbstbewusst. Er sieht die große kulturtouristische Bedeutung, die das Niedersächsische Freilichtmuseum für die Soestestadt hat. Zu verdanken hat sie sie dem promovierten Studienrat Dr. Heinrich Ottenjann. Dr. Ottenjann wäre an diesem Sonnabend, 19. Februar, 125 Jahre alt geworden.

1914 kam er als „wissenschaftlicher Hilfslehrer“ ans örtliche Realgymnasium. Neben Latein und Geschichte hatte der gebürtige Westfale aus Greven Sport studiert. Entsprechend dynamisch trat der junge Pädagoge in Cloppenburg auf, denn neben den alten Dingen, die er aus den südoldenburgischen Bauernhäusern für das 1921 gegründete Heimatmuseum herausholte, interessierten ihn die sogenannten „Leibesübungen“. Ottenjann, dem man später wegen seiner unbändigen musealen Sammelleidenschaft den Spitznamen „Klamottenjann“ verlieh, wurde „sein Museumsdorf“ Lebensinhalt, dem er Form und Funktion, aber eben auch den Namen gab – eine ureigene Wortschöpfung Ottenjanns!

Als es 1934 nach einer ersten Planungsphase zur Umsetzung des seinerzeit innovativen Museumskonzepts auf dem rund fünf Hektar großen Wiesenareal an der Soeste kam, konnte der wissenschaftlich ambitionierte Lehrer auch mit der Zustimmung und Förderung der an die Regierung gekommenen nationalsozialistischen Machthaber in Oldenburg und Berlin rechnen. Aber entgegen deren Intention, die darauf ausgelegt war, die Präsentation der historisch-bäuerlichen Kultur mit nachgebauten germanischen Siedlungs- oder Thingstätten zu verknüpfen und damit den Ideen einer ahistorisch operierenden Blut-und-Boden-Ideologie dienstbar zu machen, beharrte Ottenjann auf dem Grundsatz wissenschaftsgetreuer Dokumentation und Präsentation. Dadurch konnte langfristig die Basis für die weitere gedeihliche Entwicklung des „Museumsdorfes“ gelegt werden.

Trotz mancher Widerstände und Rückschläge – am 13. April 1945 wurde das mühsam errichtete Gehöft des „Quatmannshofes“ ein Opfer des Zweiten Weltkrieges – trieb Ottenjann den Aufbau des Museums unaufhörlich voran. Schon ab 1955 zählte es über 100 000 Besucher jährlich. Er erkannte zudem die Notwendigkeit der Einbindung des Museums in überregionale Strukturen und überführte das Museumsdorf Cloppenburg am 21. März 1961 endgültig in eine vom Land Niedersachsen und den regionalen Kommunen (Landkreis und Stadt Cloppenburg, Kreis Vechta) getragene Stiftung.

Fünf Jahre zuvor war Ottenjann der Ehrenbürgerbrief der Stadt Cloppenburg verliehen worden, die damit die außerordentlichen Verdienste des gebürtigen Westfalens für die Stadt und das Oldenburger Münsterland zum Ausdruck brachte. Am Tag des Richtfestes des wiedererstellten Quatmannshofes (22. September 1959) wurde Ottenjann das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland durch den Niedersächsischen Ministerpräsidenten Hinrich Wilhelm Kopf überreicht.

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