Verkehr:
„Wäre großer Fortschritt für die Schiene“

Bürgermeister äußern sich zu Reaktivierungs-Vorstoß für Bahnstrecke Friesoythe-Cloppenburg

Die Schiene sei eine sinnvolle Ergänzung, so Johann Wimberg. Hermann Block sieht noch viele Fragezeichen.

Nordkreis Die Landesregierung will stillgelegte Bahntrassen reaktivieren: Über diese Strecken sollen künftig nach dem Willen von Landesverkehrsminister Olaf Lies (SPD) wieder Personen befördert werden. Auf der Liste von aktuell 58 Strecken ist auch die von Friesoythe nach Cloppenburg zu finden.

Als „großen Fortschritt für den Schienenverkehr im ganzen Landkreis“ wertet Friesoythes Bürgermeister Johann Wimberg, sollte der Schienenpersonennahverkehr reaktiviert werden, mehrere Kommunen würden profitieren. Mit einer kurzfristigen Umsetzung rechnet er aber nicht. Wimberg weist auf die Voraussicht der Stadt hin, als sie vor fast zehn Jahren die Gleisanlage übernommen hatte. Sonst wäre die Option heute vertan. „Wir wären abgehängt gewesen.“ Die Schiene sei ökologisch eine sinnvolle Ergänzung zur Straße – für den Güter- wie für den Personenverkehr, so Wimberg, der auch einen Haltestelle am Wallfahrtsort Bethen anregte.

Kommentar: Genau rechnen

Der Güterverkehr rollt bereits seit einigen Jahren auf der Strecke Friesoythe-Cloppenburg, Pläne für eine Anbindung an den C-Port gibt es bereits. Grundsätzlich nichts einzuwenden gibt es auch gegen die Reaktivierung der Trasse für den Personenverkehr auf der Schiene. Dass nötige Geld für einige Strecken in die Hand zu nehmen, dazu ist die Landesregierung offenbar bereit.

Es ergeben sich daraus Chancen, zugleich aber Risiken: Würden auf der Strecke so viele Fahrgäste zusteigen, dass sich dieses Vorhaben rechnet? Dahinter steht ein dickes Fragezeichen – nicht zuletzt aufgrund der bestehenden Busverbindungen. Wie ist es um den Lärmschutz bestellt, wenn häufig Züge durch mittlerweile eng bebaute Gebiete donnern, wie um Verkehrssicherheit?

Es sollte zunächst genau geprüft und gerechnet werden, bevor tatsächlich Geld in die Hand genommen wird.

Dirk Vorlauf, Geschäftsführer der Friesoyther Eisenbahn-Gesellschaft (F.E.G), wies darauf hin, dass sich die Strecke in einem verkehrssicheren Ausbauzustand befindet. Das habe der F.E.G erst vor Kurzem die Landeseisenbahnaufsicht bescheinigt. Der Güterumschlag auf der Bahnstrecke betrage heute rund 15 000 Tonnen Holz und 40 000 Tonnen Mineralgemisch. Auch Vorlauf freut sich über den Vorstoß von Lies.

Foto

Strecke seit 2004 Im Besitz der F.E.G.

Die Bahnstrecke Friesoythe – Cloppenburg ist Eigentum der Friesoyther Eisenbahngesellschaft mbH (F.E.G.). Mehrheitsgesellschafter darin ist die Stadt Friesoythe, Mitgesellschafter sind der Museumseisenbahn Friesoythe - Cloppenburg e.V. und private Streckennutzer. Die F.E.G., die auf Initiative des Friesoyther Stadtrats gegründet wurde, hat die 26 Kilometer lange Bahnstrecke Anfang 2004 von der DB-Netz AG übernommen. Seit 2010 ist die F.E.G. anerkanntes Eisenbahn-Verkehrsunternehmen.

In der Liste der zu untersuchenden Strecken steht auch die Trasse von Ocholt – Sedelsberg, die durch den Kreis führt. Im Kreis Vechta sind die Strecken Vechta- Schneiderkrug, Holdorf-Damme und Lohne-Dinklage gemeldet worden und sollen überprüft werden. Eine Entscheidung über die Strecken, die tatsächlich reaktiviert werden sollen, fällt im Spätherbst.


     www.friesoy-ther-eisenbahngesellschaft.de 

In der Liste des Verkehrsminister ist auch die Trasse Ocholt-Sedelsberg aufgeführt. Eine Anbindung von Friesoythe in den Norden sei aber zu kostspielig, verwies Wimberg auf Untersuchungen bezüglich des Güterverkehrs. In diesem Falle müsste eine Brücke über Küstenkanal und B 401 gebaut werden. Aber: „Wenn die Strecke auf Dauer wirklich attraktiv sein soll, wäre der Lückenschluss und damit die Anbindung an das weitere Netz im zweiten oder dritten Schritt sicherlich sinnvoll.“

„Grundsätzlich positiv“ sei, so Bösels Bürgermeister Hermann Block, dass die Strecke geprüft werde – gerade vor dem Hintergrund des demografischen Wandels. Wichtig seien aber hohe Fahrt-Frequenzen, der Fahrplan müsse eingehalten werden. Er war von dem Vorstoß der Landesregierung am Mittwoch völlig überrascht worden: „Mir fehlen die Rahmendaten.“

Skeptisch, ob die Pläne tatsächlich umgesetzt werden, zeigte sich Garrels Bürgermeister Andreas Bartels. „Wir haben eine gute Verbindung der Gemeinden entlang der Bahntrasse durch Weser-Ems-Bus“, so der Garreler Verwaltungschef. Dem Busverkehr dürften keine Fahrgäste streitig gemacht werden. Bartels: „Das funktioniert nur, wenn neue Käuferschichten erschlossen werden.“ Eine neue Haltestelle für Fahrgäste der Museumseisenbahn soll in Garrel am Bahnhof in Richtung Falkenberger Straße jedenfalls schon einmal bis Ende 2014 gebaut werden.

Die Landesregierung will in einem Verfahren aus der aktuell 58 Strecken umfassenden Liste eine Priorisierung erarbeiten. 20 Strecken kommen in die nächste Prüfphase, an deren Ende sechs bis acht Bahnstrecken durch einen externen Gutachter überprüft werden sollen.

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08.08.2013
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