OLDENBURG, 8. Juni 2011


Bei dieser Demo wird viel gelacht

Christopher Street Day Am 18. Juni feiern Lesben und Schwule in Oldenburg


Der politische Charakter der Großveranstaltung tritt deutlich hervor. Das Motto des Tages ist „Homophobie tötet“.

von Klaus Fricke

Oldenburg - Es ist laut, sehr laut. Und bunt, nicht nur wegen der allgegenwärtigen Regenbogenfahne. Gewalttätig ist es aber überhaupt nicht, was hier am Sonnabend, 18. Juni, in Oldenburg sich abspielt – obwohl der Auslöser des lauten, bunten und freundlichen Menschenauflaufs mit großer Brutalität zu tun hat. Am 18. Juni werden die Schwulen und Lesben aus Oldenburg und Umgebung zum 17. Mal ihre Christopher-Street-Day-Parade feiern und damit für Toleranz und gegen Diskriminierung ihrer sexuellen Einstellung demonstrieren.

Die Erinnerung an die Straßenschlachten von 1969 in der Christopher Street in New York zwischen Homosexuellen und Polizisten wird inzwischen an vielen Orten der Welt gefeiert – nicht immer aber sind diese CSD-Paraden so politisch wie die Oldenburger. In diesem Jahr haben die Veranstalter vom Verein Lesben- und Schwulen-Tag (LuST e.V.) dem Zug durch die Innenstadt, der um 12 Uhr im Bahnhofsviertel beginnt, sogar wieder ein Motto vorangestellt: „Homophobie tötet“ lautet der nicht unbedingt einfache Slogan.

„Wir haben ja das Glück, in Oldenburg in einer sehr toleranten Stadt zu leben“, sagte CSD-Sprecherin Annie Heger. „Dennoch gibt es auch hier immer wieder Diskriminierungen gegen sexuelle Minderheiten. Menschenfeindlichkeit, die sich auf bestimmte Gruppen bezieht, kann im Beruf ebenso vorkommen wie im Privatleben. Das ist Homophobie, und die kann in Extremfall tödlich enden.“

Annie Heger weiß natürlich, dass sich in den 17 Jahren des Oldenburger CSD viel zum Besseren verändert hat. „Schlimm wäre es, wenn das nicht so wäre“, meint Heger. „Dann wäre das ganze Engagement doch vergebens gewesen.“ Dennoch seien weitere Veränderungen nötig, Diskriminierungen im Alltag und Bürokratie müssten bekämpft werden.

Der politische Anspruch des Christopher Street Days soll allerdings das fröhliche Miteinander der Teilnehmer und Zuschauer (gerechnet wird mit rund 10 000) nicht verdrängen. „Gegen Homophobie, für Lebensfreude“, bringt es die CSD-Sprecherin auf einen Nenner. Schließlich weiß sie, dass die Parade auf vielfältige Weise wirken kann: „Beim Feiern mit vielen Leuten erhält der einzelne neuen Schwung, verliert bisweilen auch seine Angst.“

Oberbürgermeister Gerd Schwandner, der Vertreter des CSD am 17. Juni ab 17 Uhr ganz offiziell im Rathaus empfängt, weiß, dass „die Inszenierung nicht Selbstzweck“ ist. Es sei vielmehr „ein Weg um Botschaften zu transportieren“. Die Stadt wolle dazu beitragen, „die unterschwelligen Anfeindungen zu bekämpfen, ein Klima der Offenheit zu schaffen und Homophobie keine Chance zu geben“, sagt Schwandner in seinem Grußwort für den CSD.

Wer fröhlich feiern und demonstrieren will, braucht allerdings Platz, und der ist in der Fußgängerzone rar: „Wir werden bei der Route des Zuges die eigentliche Innenstadt meiden und einen ganz neuen Kurs laufen“, erklärt Annie Heger. Drangvolle Enge oder gar Unfälle passen nicht zum freundlichen Image des CSD Oldenburg.

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