Fluchtschicksal:
Integration zwischen Reagenzgläsern

                                               16-jähriger Somalier Mahamed Abdulahi macht Praktikum im Labor

Das Praktikum sollte dem jungen Mann beim Deutschlernen helfen. Allerdings war es gar nicht so leicht, einen Platz für ihn zu finden.

Delmenhorst Seit Juli 2015 ist Mahamed Abdulahi in Delmenhorst. In den vergangenen Wochen konnte der junge Somalier einen weiteren Schritt tun, um hier Fuß zu fassen: Vier Wochen lang war er als Praktikant im Labor für chemische und mikrobiologische Analytik (Lafu) von Gary Zörner beschäftigt.

„Ich bin sehr glücklich, dass ich hier ein Praktikum machen durfte“, sagt der 16-jährige Flüchtling. „Ich habe viel gelernt.“ Nährböden vorbereiten, Proben sortieren und die gründliche Reinigung der gebrauchten Laborgeräte gehörten zu seinem Alltag.

Einen „sehr positiven Eindruck“ hatte Mahamed’s Chef Zörner. „Er hat sich immer viel Mühe gegeben.“ Bedenken, es könnte schwierig werden, einen Praktikanten anzunehmen, der noch Probleme mit der deutschen Sprache und einen anderen kulturellen Hintergrund hat, hatte er nicht. Für den Lebensmitteltechnologen ist das alles bloß eine Frage der Empathie: „Man muss Mitgefühl haben und alles tun, um diese Leute zu unterstützen.“ Zumal die westlichen Länder zumeist für die Ursachen der Flucht verantwortlich seien.

Das Praktikum sollte Mahamed helfen, sich zu integrieren. Schließlich musste er mit seinen Kollegen deutsch sprechen. „Es gibt nichts Schlimmeres als Isolation“, sagt auch Mechthild Wellerdiek von der Delmenhorster Jugendhilfe-Stiftung. Es sei wichtig, dass die Flüchtlinge schnell Kontakte mit Deutschen aufbauen.

Allerdings ist es gar nicht so einfach, einen Praktikumsplatz für einen Flüchtling zu ergattern, wie Gudrun S. (vollständiger Name der Redaktion bekannt), Mahameds Betreuerin, feststellen musste. „Ich habe da nicht nur positive Dinge erlebt. Zum Teil wurde ich direkt wieder rausgeschickt. ,Sowas holen wir uns nicht ins Haus‘, hieß es dann“, erzählt sie.

Nach dem Praktikum geht es wieder zurück in die Sprachlernklasse. Insgesamt ein Jahr lang können die jungen Migranten dort Deutsch lernen. „Dann schauen wir, ob er in einen normalen Klassenverband wechseln kann, um einen Abschluss zu machen“, sagt S. Dann soll es mit einer Lehre weitergehen, auch, um die Deutschkenntnisse noch weiter zu vertiefen.

„Aber Mahameds Ziel ist das Abitur und ein Studium“, erklärt Wellerdiek. Besonders die Naturwissenschaften, Mathematik und Informatik hätten es dem jungen Somalier angetan. Da war das Praktikum im Labor von Gary Zörner womöglich genau das Richtige.

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Christopher Hanraets

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Das Praktikum sollte dem jungen Mann beim Deutschlernen helfen. Allerdings war es gar nicht so leicht, einen Platz für ihn zu finden.
http://www.nwzonline.de/delmenhorst/integration-zwischen-reagenzglaesern_a_6,1,171206644.html
19.02.2016
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