DüSSELDORF, 8. Februar 2012


Enkel von Holocaust-Opfer debütiert in Nationalteam

Eishockey Düsseldorfs Evan Kaufmann kam 2008 aus den USA – Liebe zu Deutschland entdeckt


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Spielt für Düsseldorf und nun auch für Deutschland: Evan Kaufmann BILD: Imago  Bild vergrößern

von Carsten Lappe

Düsseldorf - „Das ist eine große Ehre für mich.“ Diesen Satz sagen Sportler oft, wenn sie zum ersten Mal in ein deutsches Nationalteam berufen werden. Aus dem Mund von Evan Kaufmann gewinnt er eine besondere Bedeutung. Ungewöhnlich ist das Debüt in der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft nicht nur, weil Kaufmann 1984 in den USA geboren wurde. Bemerkenswert ist es – wegen seiner Familiengeschichte.

Kaufmann (27) wird am Freitag in Minsk gegen Weißrussland zum ersten Mal für das Land spielen, das unter dem Nazi-Regime für die Ermordung vieler Mitglieder seiner jüdischen Familie verantwortlich war. „Mein Großvater hat seine Eltern nie wieder gesehen und konnte auch etwa eine Handvoll seiner Cousins und Cousinen nicht mehr finden“, erzählt Kaufmann. Und dennoch musste der Enkel „nicht groß darüber nachdenken“, als ihn Bundestrainer Jakob Kölliker ins Aufgebot für das Vier-Nationen-Turnier berief.

„Das wird ein sehr emotionaler Moment für mich. Ich werde sehr nervös sein“, bekennt Kaufmann. Zum ersten Mal schildert er die Geschichte seines Großvaters Kurt, der an der Mosel aufwuchs, den Nazi-Terror in Köln und später im KZ überlebte und traumatisiert mit seiner Schwester in die USA floh. Kaufmann, nach nun fast vier Jahren in Düsseldorf durchaus des Deutschen mächtig, spricht dabei lieber in Englisch. In den USA wurde bei den Kaufmanns nie wieder Deutsch geredet. „Es war sehr hart für ihn, er hat nie groß darüber sprechen wollen“, berichtet Kaufmann über seinen Großvater.

Mittlerweile gibt es dazu auch keine Chance mehr, Kurt Kaufmann kann seinen Enkel im deutschen Trikot nicht mehr sehen. Er ist in den 1990er Jahren gestorben. Gewissensbisse hat Evan nicht. Der Eishockey-Profi ist sich sicher: „Mein Großvater wäre stolz“. Vielleicht hätte auch Kurt Kaufmann am Freitag seinen Frieden mit Deutschland machen können.

Bei Evan waren es „gemischte Gefühle“, als er 2008 vom Interesse aus Deutschland erfuhr. „Ich habe nie daran gedacht, nach Deutschland zu kommen.“ Niemand aus seiner Familie war nach dem Krieg jemals wieder in Europa, geschweige denn in Deutschland. Kaufmann wagte den Schritt – und bereute ihn nicht. „Es war alles sehr positiv. Ich bin super aufgenommen worden und fühlte mich auf Anhieb in Düsseldorf sehr wohl.“ Seine Eltern kommen regelmäßig zu Besuch. „Sie haben auch gesehen, wie gut es uns hier geht. Das war beruhigend für sie.“ Gemeinsam besuchten sie die Heimat von Evans Opa an der Mosel. „Die älteren konnten sich sogar noch an ihn erinnern. Das war ein sehr emotionaler Moment.“

Sportlich läuft es gut bei Evan Kaufmann, der früh die deutsche Staatsbürgerschaft annahm, um das Kontingent an ausländischen Spielern nicht zu belasten. Beständig gehört er zu den besten Scorern in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), stand mit der DEG einmal im Finale und einmal im Halbfinale um die deutsche Meisterschaft. Irgendwann wollte Bundestrainer Kölliker, dass Kaufmann für Deutschland spielt. „Er ist mir direkt aufgefallen. Er schießt konstant Tore“, so Kölliker am Rande des Deutschland Cups im vergangenen November – jetzt endlich ist es soweit, das Debüt steht unmittelbar bevor.

Seine Teamkollegen bei der DEG wüssten, dass er Jude sei. „Sie waren immer sehr interessiert“, berichtet Kaufmann, der ansonsten die Vergangenheit am liebsten ruhen lässt.

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Er fühlt sich wohl in Deutschland. So wohl, dass er hier gerne bleiben möchte – am liebsten in Düsseldorf.






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