GANDERKESEE, 4. Februar 2012


Heiße Nacht bei acht Grad minus

Fasching Narren-Gemeinde kommt mit Verzögerung richtig in Fahrt – Saal singt mit


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Bekannt für fernsehreife Auftritte (und legendäre Spiegeleieressen): die gelenkige Rot-Blaue Prinzengarde, vorn Thurid Jüchter.  Bild vergrößern

Mit den Büttenabenden beginnt die heiße Faschingszeit. Der Landrat kam im Büßergewand.

von Karsten Kolloge

Ganderkesee - Freitagabend, 23 Uhr, Steinacker. Minus acht Grad zeigt das Thermometer, nur wenige Raucher eilen frierend durchs Dunkel. Ein paar Meter weiter, in der Festhalle, eine andere Klimazone: Längst ist die gefühlte Temperatur in Siedepunktnähe, Tanz- und Showgruppen, Ulknudeln und Musiker hatten kräftig eingeheizt, jetzt singt der Saal.

Aber von Anfang an. Punkt 20.03 Uhr war es, als der GGV-Fanfarenzug den Alltag wegblies: Die Büttenabend-Session 2012 konnte beginnen. Die Faschings-Gemeinde zeigte diesmal „Diesel-Qualitäten“ – verhalten ging’s los, aber dann kamen die Narren so richtig in Fahrt.

Reimend stellten sich die neuen Majestäten vor. „Mit diesem Prinzen hab ich einen Volltreffer gelandet, mit ihm bin ich auf mancher Party gestrandet“, schwärmte Jana I. (Westermann) über Volker I. (Kreye). Einer, der sich da ein Grinsen nicht verkneifen konnte: Landrat Frank Eger, in eine Mönchskutte gehüllt. „Das Büßergewand“, frotzelte Delmenhorsts OB Patrick de La Lanne am Nebentisch.

Auch manch ein Politiker war an diesem Abend gut beraten, sich warm anzuziehen. Genüsslich zog Torge Kublank alias Baron von Ganterteich überregionale Volksvertreter durch den Kakao, „Schreiberling“ Hergen Schelling übernahm die lokalen. Zum Beispiel die UWG-Speerspitze Otto Sackmann: „Kommt dem wer dumm in seiner Truppe, sucht er sich halt ’ne neue Gruppe. Fraktion egal, so scheint sein Motto – Hauptsache der Chef heißt Otto“, erklärte der Schreiberling dem laut lachenden Saal.

Als dann nach der Pause fünf Lederhosen- und Filzhutträger aufdrehten, gab’s kein Halten mehr. Laut sang die Gemeinde mit, als Querbeat sich mit Spider-Murphy-Ohrwürmern outete: „Mir san a bayrische Band“. Und international ging’s auch weiter – mit grazilen Gruppentänzen aus dem schottischen Hochland, nach Landessitte dargeboten mit zwei Schimpansen. Unerhört nur der Kommentar aus dem Publikum, dass sich die Affen ja genauso wild aufführten wie die Männergarde.

Apropos wild: Die Rocker von den Bookhorn Allstars mit ihrer aufgebügelten Ganzarm-Tätowierung setzten da noch eins drauf. Mit Steppenwolf-, Stones- oder Deep-Purple-Einheizern brachten sie die Stimmung zum Kochen. Da war schnell klar: Das war vielleicht das Ende des turbulenten Programms – aber keineswegs das Ende einer langen Nacht.

Übrigens: Auch ein bisschen Wehmut schimmerte an diesem Abend durch. Denn Bernhard Jürgens, Faschings-Import aus Twistringen, nimmt mit dieser Session Abschied von der Bühne. Seit dem Jahr 2000 galt der rustikale Landmann, der auch mal als seine eigene Frau oder als Jäger durch die Halle streifte, als Garant für intensives Zwerchfell-Zirkeltraining. Zum Abschied kommt er als Bauer, in der Montur von 2000. Nur die Holzpantinen hat der Fußball-Fan mittlerweile umgespritzt. Auf Grün-Weiß.

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