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Berlinale-Film über Flüchtlinge:
Die Tragödie, die sich vor unser aller Augen abspielt

Berlin Mit einem erschütternden Film über das Flüchtlingssterben im Mittelmeer hat der Italiener Gianfranco Rosi am Samstag das Berlinale-Publikum aufgerüttelt. Rosi zeigte im Wettbewerb um den Goldenen Bären seine Dokumentation „Fuocoammare“ (übersetzt: „Feuer auf See“). Der Regisseur erzählt vom Alltag auf der italienischen Insel Lampedusa, die seit Jahren Ziel Hunderttausender Bootsflüchtlinge ist.

„Mir geht es darum, eine Tragödie zu zeigen, die sich vor unser aller Augen abspielt. Wir tragen alle die Verantwortung dafür“, sagte Rosi. „Ich denke, was dort passiert, ist nach dem Holocaust eine der größten Tragödien der Menschheit.“ Der Film kontrastiert idyllische Szenen vom Alltag der italienischen Inselbewohner mit Momenten, die das Grauen der Flucht auf kleinen, völlig überfüllten Booten zeigen.

Dabei blickt die Kamera sogar auf Sterbende. „Ich zeige, was passiert. Ich zeige nichts als die Wirklichkeit“, sagte Rosi, der 2013 für „Sacro Gra - Das andere Rom“ den ersten Goldenen Löwen der Filmfestspiele Venedig für einen Dokumentarfilm gewann. Rosi lebte mehrere Jahre auf Lampedusa um „Fuocoammare“ zu drehen.

Wie am Samstag bekannt wurde, traf sich Hollywoodstar George Clooney am Rande seines Berlinale-Besuchs in Berlin auch mit Flüchtlingen. Das Treffen mit syrischen Familien sei eine Ehre gewesen, zitierte die Hilfsorganisation International Rescue Committee (IRC) den Schauspieler. Am Freitag hatte Clooney mit Kanzlerin Angela Merkel über Flüchtlinge gesprochen.

Neben „Fuocoammare“ zeigt die Berlinale (bis 21. Februar) zahlreiche weitere Regiearbeiten über das Schicksal von Geflüchteten. In „Havarie“ (Forum-Reihe) erzählt der deutsche Filmemacher Philip Scheffner von einem realen Vorfall, der sich im September 2012 vor der spanischen Küste im Mittelmeer ereignete. Dort blicken Touristen von einem Kreuzfahrtschiff plötzlich auf ein kleines Schlauchboot voller Menschen - und umgekehrt. Grundlage von Scheffners Film ist eine kurze Videosequenz, die ein irischer Kreuzfahrt-Tourist damals tatsächlich aufnahm.

In „Meteorstraße“ (Generation-Reihe) von Aline Fischer geht es um den 18-jährigen Mohammed, der aus dem Libanon nach Deutschland geflüchtet ist - und hier zwischen Kriegserinnerungen und schwierigem Alltag nach Orientierung sucht. Den Ursachen der Flucht so vieler Syrer und der Radikalisierung junger Europäer folgt der französische Filmemacher Rachid Bouchareb in „La Route d“Istanbul“. Eine belgische Mutter macht sich darin auf die Suche nach ihrer 20-jährigen Tochter, die sich in Syrien der Terrormiliz Islamischer Staat anschließen will.

Um die sogenannten Green-Card-Soldiers geht es in „Soy Nero“, dem Wettbewerbsfilm des aus dem Iran stammenden Filmemachers Rafi Pitts („Zeit des Zorns“). Der mit deutscher Beteiligung entstandene Film erzählt von einem jungen Mexikaner, der in den USA ein neues Leben beginnen will und dafür einen hohen Preis zahlt. Er meldet sich bei den Amerikanern freiwillig zum Militärdienst, um schnell eine Green Card zu bekommen - und kämpft am Ende mit dem Maschinengewehr in der Hand für seine neue Staatsbürgerschaft.

Doch nicht nur auf der Kinoleinwand geht es um geflüchtete Menschen. Mit der Aktion „Patenschaften für Kinobesuche“ werden Berlinale-Besuche für Flüchtlinge organisiert. Einige junge Flüchtlinge und Migranten haben nach Festivalangaben außerdem die Möglichkeit, in verschiedenen Arbeitsbereichen der Berlinale zu hospitieren. Und erstmals in der Berlinale-Geschichte bittet das Festival seine Besucher um Spenden - unterstützt werden soll damit das Behandlungszentrum für Folteropfer in Berlin, das sich um traumatisierte Menschen aus Kriegsgebieten kümmert.

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