13.07.2012

Porträt
„Graf Yoster“ macht ihn berühmt

Lukas Ammann liebt gepflegten Auftritt – Schauspieler wird bald 100

„Graf Yoster gibt sich die Ehre“ lief von 1967 bis 1976. Gedreht wurden 76 Folgen, die ersten 24 Episoden noch schwarz-weiß, dann in Farbe.
Jürgen Ruf

BADEN-BADEN Lukas Ammann hat dem TV-Adeligen viel zu verdanken. Vor 45 Jahren startete im deutschem Fernsehen die Serie „Graf Yoster gibt sich die Ehre“ mit Ammann in der Titelrolle. Sie wurde Kult, Ammann zum Star der 1960er und 70er Jahre. Ein Comeback hatte er später in der Serie „Die Fallers“ als Familienoberhaupt einer Schwarzwälder Bauernfamilie. Am 29. September wird Ammann, der in Basel geboren wurde und in München lebt, 100 Jahre alt. Den „Graf Yoster“ trägt er immer noch in sich.

„Ich habe nie so gelebt, dass ich 100 werden könnte“, sagt Ammann in einem Interview in Baden-Baden. „Arbeit bestimmte mein Leben.“ Erstmals seit zehn Jahren steht Ammann wieder vor der Kamera. Mit einem Fernsehteam ist er in den TV-Studios des Südwestrundfunks (SWR) unterwegs und berichtet aus seinem Leben, das ein ganzes Jahrhundert umfasst: „100 Jahre in 30 Minuten.“ Der Film wird am 27. September, also kurz vor dem Geburtstag, im SWR Fernsehen ausgestrahlt.

Dunkler Anzug, edle Krawatte, Einstecktuch, ein weißer Sonnenhut und ein vornehmer Spazierstock: Amann liebt den gepflegten Auftritt: Sein hohes Alter ist ihm nicht anzumerken. Gut gekleidet, vornehm und mit guten Manieren präsentierte er sich auch als „Graf Yoster“. Er bildete mit Wolfgang Völz (heute 82) ein einzigartiges Duo, spielte einen aristokratischen Amateurdetektiv und Krimiautor. Völz war der Chauffeur mit krimineller Vergangenheit.

Die Serie in der ARD verschaffte Ammann große Popularität. „Graf Yoster gibt sich die Ehre“ lief von 1967 bis 1976. Gedreht wurden 76 Folgen, die ersten 24 Episoden noch schwarz-weiß, dann in Farbe.

„Graf Yoster begleitet mich bis heute“, sagt Ammann. „Ich werde häufig als Graf angesprochen. Sogar an der Bushaltestelle und im Supermarkt, wo Aristokraten ja eher selten anzutreffen sind.“ Noch immer werde er mit der Rolle seines Lebens in Verbindung gebracht. Auf einen Chauffeur kann Ammann gut verzichten: Auch mit knapp 100 Jahren fährt er noch leidenschaftlich gerne Auto.

Noch einmal in einer Serie war Ammann von 1994 bis 2000 bei den „Fallers“, einer Dauerserie im SWR Fernsehen. Ammann war der erste Schauspieler der Serie, er war von Beginn an dabei. In 249 Episoden spielte er den Landwirt Wilhelm Faller. Zuletzt vor der Kamera stand er in der Hauptrolle für den beim Filmfestival von Locarno ausgezeichneten Schweizer Kurzfilm „Herr Goldstein“.

Seinen Geburtstag feiert Ammann im Kreise von Freunden. Nach dem Tod seiner dritten Ehefrau vor drei Jahren wohnt Ammann allein. Seine Familie (zwei Söhne, vier Enkel und drei Urenkel) lebt in Uruguay.

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