19.06.2012

Geburtstag
Kampf um Rollen und Gewicht

Christine Neubauer wird 50 – Meistbeschäftigte deutsche Fernsehschauspielerin

Sie gilt als „Powerfrau“, zumal sie auch Bücher schreibt. Am 24. Juni feiert sie ihren Geburtstag – und hat das Gefühl, endlich angekommen zu sein.
Christiane Gläser

MüNCHEN Seit fast 30 Jahren steht Christine Neubauer vor der Kamera. Als Landärztin, Geierwally oder Vollweib – die Münchnerin hat sich in die Herzen der Fernsehzuschauer gespielt. Sie ist seit Jahren ein Quotengarant. Von Kritikern wird sie dafür seit Jahren belächelt. Nun will sie ihren Job ruhiger angehen und neue Rollen ausprobieren.

„Mein Geburtstagswunsch ist, dass ich weiterhin die Schubladen verlassen kann und sie nicht ganz über mir zugeklappt werden. Ich bin ja Gott sei Dank jetzt dünner und kann deshalb auch aus einem kleineren Spalt besser herausspringen“, sagte sie vor wenigen Tagen. Am 24. Juni wird Neubauer 50 Jahre alt.

In den vergangenen Jahrzehnten hat die dunkelhaarige Schöne die ausgetretenen Pfade selten verlassen. Meist war sie in romantischen Komödien und Heimatfilmen zu sehen. Dabei gönnte sie sich kaum Pausen. Es gab Zeiten, da drehte sie mehr als ein Dutzend Filme pro Jahr. Neubauer gilt als eine der meistbeschäftigten Schauspielerinnen im deutschen Fernsehen – für die Fans ein Segen, für die Kritiker ein Fluch. Sie werfen ihr seichte Unterhaltung nach dem immer gleichen Schema vor.

Allein 2009 wurden im deutschen Fernsehen 115 Filme mit ihr gezeigt, 2010 kaum weniger. Meist verkörperte sie die immer gleiche Rolle – eine Frau, die sich durchs Leben kämpft. Diese Omnipräsenz brachte ihr viel Häme ein. Regisseurin Doris Dörrie drohte gar mit dem Maschinengewehr, wenn sie noch einmal eine Frau sehe, die eigentlich 50 ist, aber sagt, sie ist 35, und eine Farm in Afrika aufmacht. Neid müsse man sich in der Branche offensichtlich hart erarbeiten, konterte die kurvige Münchnerin damals.

Nach drei Jahrzehnten im Geschäft will Neubauer anspruchsvoller werden, sagt sie. Sie will gern weniger und dafür stärkere Rollen spielen. So wie zuletzt im Nachkriegsdrama „Hannas Entscheidung“ oder als Mutter eines Kindes mit Asperger-Syndrom in „Der kalte Himmel“. Auch internationalen Produktionen will sie sich nicht verschließen.

Ihre Ausbildung bekam sie an der Schauspielschule in München und am Lee Strasberg Institute in New York. Der Durchbruch gelang ihr in den 80er Jahren mit der TV-Serie „Die Löwengrube“. Für ihre Rolle der Traudl Grandauer erhielt sie den ersten ihrer zwei Grimme-Preise.

Vor Monaten gönnte sie sich zum ersten Mal in ihrer Karriere eine achtmonatige Auszeit. In dieser Zeit reichte sie auch die Scheidung von ihrer Jugendliebe Lambert Dinzinger ein. Rund 3000 Kilometer reiste sie mit dem Auto durch Chile. Es sei eine neue und sehr gute Erfahrung gewesen, für längere Zeit weit weg von zu Hause zu sein.

Das Alter mache ihr keine Sorgen. Im Gegenteil: Sie sei dankbar für die Lebenserfahrung. „Ich bin bei mir angekommen. Ich fühle mich in meiner Haut so wohl wie nie“, sagt sie.

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