Flüchtlinge In Wilhelmshaven:
Polizei dementiert Gerüchte über Übergriffe auf Kinder

Stimmungsmache nach dem Prinzip „Stille Post“: Im Internet kursiert ein angeblicher Mitschnitt eines Chats zwischen Achtklässlern der Nogatschule in Wilhelmshaven. Die Polizei warnt mit klaren Worten vor der Verbreitung.

Wilhelmshaven/Friesland „Mein Papa hat mir erzählt. . .“ Die Mädchenstimme stockt, offenbar muss das Kind erst nachdenken, was es nun sagen soll. In sozialen Netzwerken im Internet grassiert zurzeit ein angeblicher Mitschnitt eines Chats zwischen Achtklässlern der Nogatschule Wilhelmshaven.

Mehrere Mädchen und Jungen erzählen in den Sprachaufzeichnungen davon, dass Kinder rund um die Schule von Flüchtlingen begrapscht und angegangen worden seien. „Schule vertuscht Vorfälle“, heißt es im Link und „meine Eltern wollen das nicht melden“, sagt ein Kind.

Polizei vor Ort

Laut Polizei in Wilhelmshaven kursieren die Gerüchte, dass es im Umfeld der Nogatschule zu sexuellen Übergriffen – in einem Fall spricht ein Kind gar von Vergewaltigungen – bereits seit einigen Tagen im Internet. Die Polizei habe deshalb bereits Gespräche mit der Schulleitung geführt, sagte Andrea Papenroth, Sprecherin der Polizeiinspektion Wilhelmshaven-Friesland auf Nachfrage der NWZ . „Fakt ist, dass es nicht einen bei der Polizei gemeldeten oder angezeigten Vorfall gibt, ebenso sind der Schulleitung keine derartigen Sachverhalte bekannt.“

Die Polizei warnt eindringlich vor dem Verbreiten von solchen Gerüchten, die augenscheinlich auf das perfide Schüren von Ängsten abzielen, so Papenroth: „Selbst in der Absicht, vor einer ,Gefahr‘ warnen zu wollen, ist jeder für sein Handeln auch im Internet verantwortlich“, erklärt Papenroth. Sie betont, dass die Nutzung neuer Medien nicht vom Nachdenken entbindet. „Bevor man in Sekundenbruchteilen einen Mausklick ausführt, sollte man sich der möglichen Auswirkungen im Klaren sein.“

Gefährliche Hetze

Das „Stille-Post-Prinzip“, wie es in diesem Fall angewandt wird, könne unter Umständen gefährlich werden, besonders wenn man das Ergebnis am Ende der Informationskette in sozialen Netzwerken öffentlich mache und angebliche Vorfälle als Tatsache darstellt. Die Polizei rät daher, einen kühlen Kopf zu bewahren und nicht auf Stimmungsmache hereinzufallen.

Erst vor wenigen Tagen hatte übers Internet das Gerücht die Runde gemacht, wonach Flüchtlinge in einem Geschäft in Wilhelmshavens Innenstadt große Mengen Waren kaufen wollten. Dieses Gerücht sollte offenbar den Eindruck erwecken, dass Asylbewerber großzügig mit Geld ausgestattet werden.

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