Anwohner und Nachbarn machten sich am Morgen danach ein Bild vom Ausmaß des Schadens. Wie viele Wohnungen zerstört sind, ist noch nicht bekannt.
Bild: Oliver BraunSchortens Der Großbrand, der am Ostermontag in Schortens die Wohnanlage „Grön Winkel“ zerstört hat, ist vermutlich durch einen Blitzeinschlag verursacht worden. Doch darauf festlegen wollen sich die Brandermittler nicht: „Vieles deutet darauf hin, aber wir ermitteln noch“, sagt der Leiter des Ersten Fachkommissariats in Wilhelmshaven, Detlef Krause. An diesem Mittwoch wisse man vermutlich schon mehr.
Den ganzen Tag über strömten Schaulustige und Bewohner zur abgesperrten Wohnanlage, um sich das Ausmaß der Zerstörung anzusehen. Wie berichtet, hatte sich am Vorabend ein heftiges Gewitter über Schortens entladen. Gegen 19.15 Uhr soll es einen ohrenbetäubenden Knall gegeben haben, bald darauf stand der komplette Dachstuhl in Flammen. Viele Bewohner saßen zu diesem Zeitpunkt vor dem Fernseher, bereiteten sich ihr Abendbrot zu oder hatten noch Osterbesuch.
Notquartiere eingerichtet
Verletzt wurde durch das Feuer niemand, alle Bewohner flüchteten rechtzeitig ins Freie oder wurden von Rettungskräften in Sicherheit gebracht. Der Schaden an Gebäude und Inventar beträgt ersten Schätzungen zufolge rund drei Millionen Euro. Polizei und Feuerwehr haben die Wohnanlage abgesperrt. Sachverständige und Gutachter nehmen den Schaden auf.
Das Oster-Feuer im Grön Winkel ist das größte Brandunglück in Schortens seit Jahrzehnten. Die hufeisenförmige Wohnanlage entstand Anfang der 1990er Jahre und hat laut Hausverwalter Christian Anders 36 altengerechte Wohnungen. 43 Bewohner, Alleinstehende und ältere Ehepaare, sind durch das Feuer obdachlos geworden und vorübergehend bei Angehörigen, Freunden oder in der AWo-Altenwohnanlage in Heidmühle untergekommen.
In der Brandnacht hatten Mitarbeiter der Stadt Schortens Notunterkünfte in einer Turnhalle organisiert und die Bewohner im Rathaus-Foyer mit Kaffee und Tee versorgt, hatten sie getröstet und Kontakt zu Verwandten und Bekannten hergestellt.
Michael und Waltraud Bücherl, Hausmeister im Rathaus, hatten vom Fenster ihrer Dachwohnung nebenan aus miterlebt, wie das Unheil seinen Lauf nahm. „Ich sah Rauch auf dem Giebel und dann knallte es – vermutlich war das die Photovoltaikanlage“, meint Bücherl. Kurz darauf war schon Sirenengeheul zu hören. Bücherls eilten nach unten, öffneten das Rathaus und nahmen die geflüchteten Nachbarn auf, versorgten sie auch mit Kleidung.
Stadtalarm ausgelöst
Die Feuerwehr hatte Stadtalarm ausgelöst und bekämpfte den Brand bis etwa 4.30 Uhr mit etwa 120 Einsatzkräften, sagte Stadtbrandmeister Egon Onken. Unterstützt wurden die drei Schortenser Wehren von Kräften aus Jever, Varel und Wilhelmshaven mit deren Drehleitern. Sie verhinderten ein Übergreifen der Flammen auf das Rathaus, auf eine nahegelegene Tankstelle, auf die Polizeistation und einen mehrstöckigen Rohbau. Auch Polizei und DRK waren mit einem Großaufgebot im Einsatz, mussten Schaulustige auf Abstand halten und Straßen sperren.
Ein Feuerwehrmann musste mit einer Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus. Ihm geht es inzwischen wieder besser. Die Oldenburger Straße und die alte B 210 waren für Stunden gesperrt.
NWZ TV zeigt einen Beitrag unter www.nwz.tv/friesland