11.08.2012

Mariengymnasium
Ein Leben für historische Bücher

Bibliothekarin Heide Ilchmann denkt nicht ans Aufhören

Seit dem vergangenen Sommer ist die 66-Jährige eigentlich im Ruhestand. Dennoch treibt es sie täglich in die Katakomben des Mariengymnasiums.
Rahel Arnold

JEVER Bibliothekarin Heide Ilchmann und die alten Bücher in den Katakomben des Mariengymnasiums in Jever – das ist offenbar eine Liebe, die nie zu Ende gehen wird.

Auch wenn die 66-Jährige eigentlich seit dem vergangenen Sommer im wohlverdienten Ruhestand ist, verbringt sie dennoch die meiste Zeit bei ihren geliebten Büchern.

Während andere Menschen nach ihrem letzten Arbeitstag vielleicht ein wenig wehmütig die Tür hinter sich zuziehen, sich dann aber schnell anderen Dingen zuwenden, sitzt Heide Ilchmann wie in den vergangenen zwölf Jahren auch heute noch fast täglich an ihrem Werktisch im Keller des Mariengymnasiums.

Bewaffnet mit Pinseln und anderen Werkzeugen befreit sie die Bücher vorsichtig von Staub und Unrat. Sie glättet liebevoll Seiten und denkt darüber nach, was für Geschichten ihr die Bücher wohl aus dem Leben ihrer Besitzer erzählen könnten.

Die Bibliothekarin wacht über weit mehr als 11 000 historische Bücher aus den der Bibliothek überlassenen Beständen von Fürsten, Pfarrern, Bürgermeistern und Lehrern. Darunter sind Bücher von Johann Ludwig Fürst von Anhalt Zerbst, Remmer von Seediek und von Jevers ehemaligem Bürgermeister Georg Heinrich Bernhard Jürgens.

Viele davon hat Ilchmann schon bearbeitet, katalogisiert und vor dem Zerfall bewahrt, alle schon einmal in der Hand gehabt. „Aber es gibt immer noch sehr viel zu tun, ich müsste mindestens hundert Jahre alt werden, um ans Ziel zu kommen“, meint sie.

Dass sie immer noch an den Büchern arbeiten kann, hat sie unter anderem dem Zweckverband Schlossmuseum Jever und vor allem dem Förderverein der Bibliothek des Mariengymnasiums zu verdanken. „Wir fördern Heide Ilchmanns Arbeit und kommen für Restaurierungskosten bei einem Restaurator in Münster auf“, erklärt Schatzmeister Hartmut Kroll.

Ziel der Arbeit, für die der Verein fleißig Spenden einwirbt, sei, die Bücher wieder in einen Zustand zu versetzten, in dem sie gelesen und für wissenschaftliche Zwecke genutzt werden können. „Als ich hier anfing, waren viele Bücher in einem desolaten Zustand“, erinnert sich Heide Ilchmann. Viele seien von Schimmelpilz befallen gewesen und hätten schwere Wasserschäden gehabt.

Auch heute noch gibt es zahlreiche Bücher, die sich in einem solchen Zustand befinden: zerstörte Einbände, zerfledderte und verklebte Seiten, große Wasserflecken.

Zudem müsse bei einigen Büchern, die vor zehn Jahren restauriert wurden, auch die Pflege beachtet werden. „Sie müssen von Raumstaub befreit werden, Lederbände müssen eingefettet werden“, erklärt Ilchmann.

Auch deswegen ist Aufhören undenkbar: „Ich werde mich so lange um die Bestände kümmern, bis ich eines Tages nicht mehr weitermachen kann“, sagt sie entschlossen.

NWZTV zeigt einen Beitrag unter http://www.NWZonline.de/nwztv

Leserkommentare

Kommentieren Sie diesen Artikel

Das könnte Sie auch interessieren

Über den Autor

Rahel Arnold

Agentur Hanz
Redaktion Jever
Tel.: 04461 965315
Fax: 04461 965318

Artikel

Mehr zu ...

Ort des Geschehens

Weitere Artikel aus jever

Mehr zum Thema

Mehr aus diesem Ressort

Meist gelesen

Newsfeed