Vortrag:
Erinnerung erhalten und pflegen

Dr. Rolf Keller berichtet über Gedenkorte der NS-Regionalgeschichte

Die Zeitzeugen werden immer älter und sterben weg. Umso wichtiger sei, Erinnerungsorte zu schaffen und zu pflegen, betonte Dr. Rolf Keller.

Jever Niemand kann so authentisch der jungen Generation die Schreckenszeit des Nationalsozialismus in Deutschland nahebringen wie die Menschen, die die Zeit insbesondere als Opfer überlebt haben. Diese Generation wird es bald nicht mehr geben. Schon jetzt leben nur noch wenige Zeitzeugen, die darüber berichten können.

Eine umso größere Bedeutung werden in Zukunft deshalb Erinnerungsorte haben, die die Erinnerung an diese Zeit wach halten. Über deren Erhaltung und Pflege berichtete Dr. Rolf Keller von der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten im Schlossmuseum Jever.

Geschätzt 200 000 Menschen wurden Opfer der nationalsozialistischen Diktatur. Und das waren nicht nur Juden, die verschleppt und ermordet wurden. Die größte Gruppe waren mit etwa 100 000 Personen sowjetische Kriegsgefangene. 60 000 Menschen kamen in den niedersächsischen Konzentrationslagern Esterwegen und Bergen-Belsen um.

Und die Opfer waren neben den Juden Sinti und Roma, Homosexuelle, Deserteure, Menschen, die wegen Kriegsvergehen angeschuldigt wurden wie Schwarzschlachten, Hören von Feindsendern und Kontakt zu Kriegsgefangenen.

Eine ganze Reihe von Gedenkstätten betreut die Stiftung in Niedersachsen. Unter anderem stellte Keller die Gedenkstätte in Wehnen vor, wo die psychisch und seelisch kranken sowie behinderten Patienten in skandalöser Weise behandelt und zum Tode gehungert wurden. In Lüneburg gibt es eine Stätte, die über Kindereuthanasie informiert, in Bremen Farge einen Bunker, in dem Zwangsarbeiter U-Boote bauten, in Bremervörde ein noch fast im Original erhaltenes Kriegsgefangenenlager. Und natürlich die Konzentrationslager in Bergen – Belsen, Esterwegen und Moringen.

Aber es gab auch in fast jedem Ort Spuren dieser unmenschlichen Handlungen während des Nationalsozialismus’. „Diese sollten nicht unter den berühmten Teppich gekehrt werden, sondern als Orte der Erinnerung gepflegt und erhalten werden, gerade im Hinblick darauf, dass Zeitzeugen bald nicht mehr über diese Zeit informieren können“, betonte Keller.

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Die Zeitzeugen werden immer älter und sterben weg. Umso wichtiger sei, Erinnerungsorte zu schaffen und zu pflegen, betonte Dr. Rolf Keller.
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