Deponie:
„Kein radioaktiver Müll nach Varel“

Kreis reagiert auf Befürchtung der Bürger – Schutt vom Kernkraftwerk Unterweser Sonderabfall

Beim Rückbau fällt auch unbelastetes Material an. Die Bürgerinitiative ist gegen eine Kooperation mit der Wesermarsch.

Varel Wird auf der geplanten Bauschuttdeponie in Hohenberge auch Material abgelagert, das beim Abriss des Kernkraftwerkes Unterweser (KKU) in Nordenham anfällt? Diesen Befürchtungen der Bürger hat der Landkreis Friesland jetzt widersprochen – zumindest wenn es um die Entsorgung von radioaktiven Sonderabfällen geht.

„Die geplante Bauschutt-Deponie in Varel-Hohenberge war zu keinem Zeitpunkt für eine Ablagerung von radioaktiv belastetem Material geplant“, teilte Kreissprecherin Nicola Karmires mit und reagierte auf die Aussagen der neu gegründeten Bürgerinitiative (BI) „Lebensqualität statt Mülltourismus Varel“.

Bei der Gründungsversammlung stellten die Mitglieder fest, dass „auf jeden Fall eine Kooperation des Landkreises Friesland mit dem Landkreis Wesermarsch im Hinblick auf den Rückbau des KKU und mögliche Mülldeponierung verhindert werden muss“. („Gemeinsam gegen Bauschuttdeponie“, NWZ  vom 29. Januar) „Es ist eine Deponie der Klasse 1 (Ablagerung von nicht verwertbarem mineralischen Bauschutt) geplant“, schrieb Karmires weiter.

Eine Ablagerung von radioaktiv belastetem Material sei zudem grundsätzlich nicht möglich, da dies als Sondermüll auf einer entsprechenden Sonderdeponie gelagert werden muss, betonte die Kreissprecherin: „Solch eine Deponie ist und wird in Varel-Hohenberge nicht geplant.“

Ein Großteil des anfallenden Abrissmaterials des Kernkraftwerkes Unterweser ist indes nicht radioaktiv. Die Gesamtanlage umfasst nach Schätzungen 675  000 Tonnen. Davon 482  000 Tonnen sind Beton, Kabel oder Stahl aus dem konventionellen Bereich.

Bevor der Schutt abtransportiert wird, untersucht eine Spezialfirma diesen auf mögliche Strahlung. Werde keine festgestellt, dürfe das „freigemessene“ Material auf einer Bauschuttdeponie gelagert werden, wie sie in Hohenberge geplant ist. „Dafür ist der Kreis Wesermarsch zuständig“, sagte Stephan Heidemann vom Landkreis, schob aber hinterher: „Solange wir keine Kooperation eingehen.“

Mit dem KKU-Rückbau soll 2017 begonnen werden. Erst werden nur die Gebäude abgerissen, die nicht nuklear belastet sind. Wohin der Schutt gebracht wird, sei laut Betreiber Eon noch nicht entschieden. Dass eine Deponie in Hagen im Bremischen vorgesehen ist, wurde dementiert.

Die Deutsche Bahn will im Zuge des Ausbaus der Strecke Oldenburg – Wilhelmshaven den dabei anfallenden mit Beton versetzten Erdaushub auf der bereits rekultivierten Mülldeponie in Hohenberge ablagern. „Eine andere Deponieklasse war zu keinem Zeitpunkt Inhalt der Überlegungen und wird es auch zukünftig nie sein.“

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Olaf Ulbrich

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„Kein radioaktiver Müll nach Varel“
Beim Rückbau fällt auch unbelastetes Material an. Die Bürgerinitiative ist gegen eine Kooperation mit der Wesermarsch.
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02.02.2016
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