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Besondere Reise zu sich selbst

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Meeresstern:
Besondere Reise zu sich selbst

Wangerooge Wer einmal zur Ruhe kommen will, dem hilft eine Insel dabei: Wangerooge. Und wer nicht Gast 125 im Hotel sein will, den lädt Wangerooge zur Reise zu sich selbst ein: in das ‚Haus Meeresstern‘. Das Haus stand kurz vor der Schließung, jetzt steht fest: Es wird auf alle Fälle bis Ende 2018 weitergehen.

Darüber freuen sich die Hausleiterinnen Sandra Weller und Christine Vincent. Und auch für danach werde intensiv an einer Fortführung gearbeitet. Warum? Weil Haus Meeresstern etwas Mystisches hat, sagen sie. Weil viele der Gäste, die zum Teil schon 30 Jahre zu ihnen kämen, regelrecht verzweifelt wären, würde der Schlüssel irgendwann das letzte Mal rumgedreht.

Das Geheimnis des Hauses am Nordufer der Insel: Ein mystisches Dreieck aus dem ‚Haus Meeresstern‘, dem Strand und der Kirche, vermuten Weller und Vincent. Und meinen die katholische Kirche St. Willehad, in die man quasi mit den Hausschuhen gehen kann, weil sie gerade mal auf der anderen Straßenseite liegt.

Nicht nur für Religiöse

Bei Kirche denken die beiden auch an den Pfarrer und ausgebildeten ‚Geistlichen Begleiter‘ Egbert Schlotmann. Man müsse nicht religiös sein, um zu einem Gespräch zu ihm zu kommen, beschreibt der großgewachsene 52-Jährige das Angebot seiner offenen Tür.

Der Strand als zweites Bein des anziehenden Ortes liegt gerade mal 100 Meter vom 1908 gegründeten ‚Meeresstern‘ entfernt. Und wer Glück hat, kann eines der 81 Zimmer erheischen, die einen Blick auf die Nordsee bieten.

„Das Meer gibt Kraft, aber es zieht auch Kraft“, weiß die 70-Jährige Edelgard Wegner. Insulanerin sei sie nicht, rückt sie zurecht, denn sie lebe erst seit 50 Jahren auf dem Eiland mit seinen rund 1300 Einwohnern. „Echter Insulaner ist schließlich nur jemand, der auch hier geboren ist“, beschreibt Edelgard Wegner. Sie entschuldigt sich fast dafür, nicht katholisch zu sein – dennoch betreibt sie fünfmal pro Woche das Lädchen im Exerzitien- und Begegnungshaus. Unentgeltlich.

Weil es für sie, selbst Vermieterin auf der Insel, das „einzig schöne Haus“ der Insel sei. Ein Ende, gar ein Abriss des ‚Meeressterns‘, wie die Einrichtung des Vechtaer St. Willehad-Vereins am nördlichsten Punkt des Bistums Münster auch genannt wird, „wäre der Todesstoß für die Insel“, ist sie überzeugt.

Ihre Sorge: Dass auf dem 7000 Quadratmeter großen Gelände Eigentumswohnungen entstehen könnten und das Missverhältnis von Einheimischen und Urlaubsgästen weiter ins Ungleichgewicht geraten würde. Die Rentnerin, die sehr wohl schätzt, dass Gäste eine Bereicherung für die Insel sind, deren Bevölkerung im Krieg zu einem Drittel umgekommen sei. Die Künstlerin, für die das Meer die große Kapelle ist – neben dem im Haus vorhandenen 20 Quadratmeter großen Andachtsraum mit Allerheiligstem.

Das alles bildet einen spirituellen Grundwasserspiegel, den die 5000 Gäste bei ihren 20 000 Übernachtungen pro Jahr sehr wohl schätzen. Der religiöse Künstler aus dem Rheinland etwa, der im Meeresstern zwei Wochen ausspannt, weil er im Alltag immer auf seine an fortgeschrittenem Parkinson erkrankte Frau achten muss. Der jede Minute horcht, ob sie nicht doch gestürzt ist. Der sie jetzt gut betreut in einer Kurzzeitpflege weiß und es genießt, auf Wangerooge einfach mal spazieren gehen und schlafen zu können. Für 65 Euro am Tag inklusive Vollverpflegung auch bei schmalerem Geldbeutel machbar.

Abstand vom Alltag

Der niedrige Preis alleine kann es aber nicht sein, der überwiegend Frauen zum großen Teil aus Nordrhein-Westfalen, aber auch aus Mainz und Würzburg hierher lockt. Warum tauschen dann trotzdem viele Wangerooge gegen Santiago? Trotz des 70er-Jahre-Scharms. Trotz knarzender Treppen. Trotz nicht vorhandenen Fernsehers.

„Schon auf der Fähre bekommt man Abstand vom Alltag“, meint der Münsteraner Matthäus Niesmann, als Priester mit Gruppen knapp 20 Jahre Gast im Hause. Und die offene Bürotür im Haus Meeresstern muss es sein, die die Leiterinnen Weller und Vincent den ganzen Tag haben. Die wie Herbergseltern den Föhn ausleihen, wissen, wann die Fähre geht und die die Lebensgeschichten ihrer Gäste kennen.

Es muss das sein, dass sie sich sehr wohl überlegen, wer zu wem am Tisch passt. Die ihnen ein Namensschild schreiben. Die Tatsache, dass es hier keine angetrunkenen Kegelclubs gibt. Etwas von dem, was die ‚Schwestern Unserer Lieben Frau‘, die früheren Träger des Anwesens, über viele Jahrzehnte geleistet haben, „ist in diesem Haus noch anwesend“, glaubt Edelgard Wegner.

Eine Überzeugung, die auch die Insulaner hatten: „Dieses Haus hat was Heiles“, habe ihre Oma immer gesagt, erinnert sich Leiterin Sandra Weller. Bis in die 80er Jahre habe es eine Krankenstation gegeben, in der viele Insulaner zur Welt gekommen seien. „Da kannst Du hingehen, die helfen Dir“, sei der Ruf des Hauses gewesen. Wangerooge statt Santiago. Bis Ende 2018 auf alle Fälle.

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