Integration:
Worte entschlüsseln neue Heimat

Ehrenamtliche in Hooksiel geben Deutsch- und Integrationskurse

46 Flüchtlinge leben derzeit in Hooksiel, Pakens, St. Joost, Wüppels. Der Großteil kommt regelmäßig zu den Angeboten der Flüchtlingshilfe.

Hooksiel Noch sind nicht alle da. Die ersten, die den Raum im Walter-Spitta-Haus in Hooksiel betreten, nicken kurz zur Begrüßung, manche sagen leise „Hallo“. Dann suchen sie sich einen Platz, nehmen Schreibblöcke und dicke Ordner, gefüllt mit Hausaufgaben und Arbeitsblättern, aus den Taschen. Nach wenigen Minuten erfüllt Stimmengewirr den Raum – Arabisch, Serbisch, Englisch, Deutsch.

Nebenan werden die Kinder der Schülerinnen und Schüler betreut, die hier gemeinsam mit Hilfe von Ralf und Marianne Scheele sowie Heinz Martin Deutsch lernen wollen. Die Menschen in den Deutsch- und Integrationskursen in Hooksiel kommen überwiegend aus Syrien, einige aus dem Irak und Serbien, einer aus Albanien. 46 Flüchtlinge leben derzeit in Hooksiel und Pakens, St.Joost und Wüppels, bis auf eine Ausnahme nehmen alle an den Kursen teil.

Mehr als Sprache lernen

„Lateinische Buchstaben haben wir schon gemeinsam gelernt“, erklärt Marianne Scheele. Sie zeigt auf einen Satz auf der Leinwand. „Farouk, wir lesen jetzt zusammen, was da steht“, sagt sie. Farouk liest. Langsam und konzentriert spricht er jedes der Wörter aus. Wenn es sich nicht ganz richtig anhört, dann hakt Marianne Scheele ein. Sie spricht das Wort vor, er spricht es nach. „Ganz toll“, lobt sie. So geht es der Reihe nach weiter, die Flüchtlinge erschließen sich die neue ungewohnte Sprache mit den sonderbaren Lauten Wort für Wort, Zeile für Zeile, Satz für Satz.

Hier lernen sie aber nicht nur die Sprache, sondern auch die deutschen Umgangsformen, Feiertage, Gepflogenheiten. „Das ist ganz wichtig“, sagt Heide Grünefeld, die die Flüchtlingshilfe in Hooksiel koordiniert. Neben drei Deutsch- und Integrationskursen – ein vierter ist in Planung – gibt es ein Internationales Café am Freitag sowie unregelmäßige Treffen zum gemeinsamen Essen.

Fahrdienste von und zur Tafel, zum Arzt und wenn es wirklich nötig ist, auch zum Einkaufen oder zu einer Behörde haben die Ehrenamtlichen inzwischen organisiert. 15 Helfer gehören zum „harten Kern“, viele weitere bieten zusätzlich ihre Hilfe an. „Weitere Helfer können wir aber natürlich immer brauchen“, sagt Heide Grünefeld. Zum Beispiel Menschen, die etwas Zeit übrig haben, um den Flüchtlingen zusätzliche Deutsch-Nachhilfe zu geben. „Da müssen jetzt nicht Vokabeln oder Grammatik gepaukt werden, auch ein Gespräch bei einem Spaziergang oder bei einer Tasse Kaffee kann sehr hilfreich sein“, meint sie.

Gerne können sich auch Helfer melden, die vielleicht an einer Patenschaft für eine Familie interessiert sind. „Da muss aber natürlich die Chemie stimmen“, sagt sie.

Verschiedene Menschen

Jeder könne sich einbringen, auch Menschen, die vielleicht gut mit Zahlen oder Formularen umgehen können, oder die es nicht stört, wenn sie bei einer Behörde ewig in der Warteschleife hängen. „Wir haben bereits ganz unterschiedliche Helfer, die Menschen, die zu uns kommen, sind aber genauso unterschiedlich“, sagt Heide Grünefeld.

Benötigt wird derzeit nur Babyausstattung, etwa Kinderwagen und Kleidung. Interessierte und Spender können sich bei der ev. Gemeinde, Tel. 04425/81 117, melden.


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