Karl-Heinz Funke will in Stadtrat zurück: „Ein Politiker hat vornehme Pflichten“
Wahl Eine Geschichte über einen, der weitermacht
Zu Hause in Dangast hat Karl-Heinz Funke (65) die Rückkehr in die Kommunalpolitik vorbereitet. Der frühere Bundeslandwirtschaftsminister sagt, dass die Politik heute zu weit von den Menschen entfernt sei. BILD: Torsten von Reeken 
von Frank Jungbluth
Dangast - Die Pfeife aus dunklem Holz glimmt. Karl-Heinz Funke zieht bedächtig daran. „Wissen Sie“, sagt er. „Wenn man helfen kann, dann sollte man das tun. Das ist die vornehmste der Pflichten, die ein Politiker hat. Gerade in der Kommunalpolitik.“ Er zieht wieder an der Pfeife und nickt. Karl-Heinz Funke ist überzeugt von dem, was er sagt.
Funke ist einer, der sich jetzt zurückziehen könnte. Er hat als Politiker mehr erreicht, als so viele. Ratsmitglied, Bürgermeister, Mehrheitsbeschaffer, Landtagsabgeordneter, Landes- und Bundesminister. Die Bilanz seiner Karriere seit dem ersten Mandat im Vareler Stadtrat 1972 ist beeindruckend – aber jetzt will er dahin zurück, wo alles angefangen hat für den damals 26-jährigen Lehramtsanwärter aus Friesland.
Als am vergangenen Sonntag bekannt geworden war, dass Karl-Heinz Funke in die Politik zurückkehrt, dann war das nach den eineinhalb Jahren, in denen es still geworden war um ihn eine Nachricht, die in seinem Umfeld sowohl mit Entsetzen als auch mit Begeisterung aufgenommen wurde. Bei der SPD war es Entsetzen, denn Karl-Heinz Funke wird ein Widersacher seiner alten Partei werden. Johanne Modder, Bezirksvorsitzende der SPD Weser-Ems, ließ ihm postwendend einen Brief schicken, in dem man ihn aufforderte, innerhalb einer Woche seine Kandidatur zurückzuziehen. Andernfalls komme das einem Austritt gleich. „Das ist ein Ultimatum“, sagt Karl-Heinz Funke. Und er sagt das so, dass deutlich wird, dass man Karl-Heinz Funke kein Ultimatum stellt.
Er wird den Brief der Genossen nicht beantworten. So sang- und klanglos kann eine Ära enden. „Enttäuscht war ich lange. Es ist der letzte Akt in einem enttäuschenden Schauspiel, das ich mit meiner Partei erleben musste.“
Die Jahreswende 2009/ 2010 war eine Zäsur im Leben des robusten Friesen. Da verlor er seinen gut dotierten Posten als Vorsteher des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbandes, weil er sich seine Silberhochzeit vom Unternehmen bezahlen ließ.
Da verlor er wenige Wochen später auch das Vertrauen großer Teile seiner Partei, vor allem ihrer Führung und musste seine verbliebenen politischen Ämter als Ratsherr in Varel und Kreistagsmitglied in Friesland abgeben. „Das war schlimm, das Schlimmste aber war, dass ich im Zuge der OOWV-Affäre die Kripo im Haus hatte, dass meine Familie mit reingezogen worden ist, dass meine Kinder von der Kripo vernommen wurden.“ Familie, sagt Funke, ist seine Bastion. Wer diese Bastion einnehmen wolle, müsse schwere Geschütze auffahren. Die Bastion hielt. Karl-Heinz Funke richtete sich wieder auf, und nun will er kämpfen.
Aber wofür? „Für eine menschliche Kommunalpolitik. Mich haben viele Menschen angesprochen in den vergangenen Monaten. Und in meiner Weihnachtspost fanden sich Briefe und Karten, in denen Bürger mich gebeten haben, nicht aufzugeben.“ Seine Frau hätte ihn lieber zu Hause gesehen. Aber der alte Streiter greift wieder an.
Er will ausgemacht haben, dass die Menschen sich nicht mehr interessieren für das, was in Varel, Hannover oder Berlin beschlossen wird. „So lange die Menschen meckern, nehmen sie Anteil. Wenn die Menschen abwinken, dann wird es ihnen egal; und dann wird es gefährlich. Ich glaube, wir sind kurz davor.“ Hat er selbst dazu beigetragen, als er sich seine Silberhochzeit von einem Verband des öffentlichen Rechts bezahlen ließ? „Ich habe einen Fehler gemacht. Das habe ich früh gesagt. Ich vertraue in die Justiz, dass das gerecht aufgearbeitet wird. Aber das hat mit meiner Arbeit als Kommunalpolitiker doch nichts zu tun.“
Was er in Varel bewegen will? „Zukunft Varel“, heißt seine neue politische Heimat. Seine Mitstreiter sind eher ältere Semester. Sie alle eint mit Funke, dass sie nicht zusehen wollen, wie die Dinge in die „falsche Richtung laufen“, wie der Rastlose sagt.
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