Fußball
Balljungen-Spaß verursacht Ärger
Regisseur spielt aufgezeichnete Szene mit Löw in Live-Übertragung ein
Regisseur spielt aufgezeichnete Szene mit Löw in Live-Übertragung ein
CHARKOW Kaugummi kauend schlendert Joachim Löw von hinten auf einen Balljungen zu. Der deutsche Fußball-Bundestrainer stupst in bester Lausbubenmanier dem Burschen in Charkow den Ball aus dem Arm. Diese harmlose Aktion sorgt nun für Ärger aber nicht für Löw, sondern für die Europäische Fußball-Union (Uefa). Sie schnitt die Szene in der 22. Minute in die Live-Übertragung des EM-Duells gegen die Niederlande (2:1), obwohl sie sich bereits vor der Partie abgespielt hatte.
Wie konnte es dazu kommen? Die Uefa hat eine Produktionsfirma mit der Erstellung des Fernseh-Weltbildes beauftragt. Nun sieht sie sich mit Vorwürfen der Manipulation konfrontiert. Es ist nicht unüblich, dass solche Szenen in die Live-Übertragung eingespielt werden, sagte ein Sprecher der Uefa, der auf die alleinige Verantwortlichkeit des für das Spiel zuständigen Regisseurs des Weltbildes verwies. Die Methode werde eingesetzt, wenn es redaktionell sinnvoll erscheint.
Auch das übertragende ZDF wies den Vorwurf der Bilder-Manipulation zurück. Die Verantwortung liegt ausschließlich beim Regisseur des Weltbildes, sagte ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz: Wir haben keinerlei Einfluss auf das Weltbild. Alle seien von der Einblendung überrascht worden und hätten nichts davon gewusst.
ZDF-Chefredakteur Peter Frey zufolge hat der Sender bereits interveniert. Wir haben bei der Uefa moniert, dass tatsächlich der Anschein erweckt wurde, es handele sich um Live-Bilder, sagte er.
Jörg Schönenborn, ARD-Teamchef, nahm den Verband hingegen in Schutz. Die Kritik an der Uefa ist überzogen, wir arbeiten mit ihr sehr gut zusammen. Natürlich wäre für uns jede Form von Zensur oder Manipulation nicht tragbar, erklärte er.
Die Uefa bestätigte jedoch, Szenen abseits des Spielgeschehens mitunter bewusst zu ignorieren. Flitzer im Stadion oder provokative Plakate passen nicht in das Bild des Verbandes und werden daher nicht gezeigt. Zum Beispiel wird vermieden, Zuschauer zu zeigen, die unerlaubt das Spielfeld betreten, um damit nicht andere zur Nachahmung zu animieren, heißt es seitens des Verbandes.
Eine offensichtliche Zensur war am deutlichsten bei der Partie Irland gegen Kroatien zu sehen: Ein Flitzer war gerade noch zu erahnen, dann kam der Schnitt. Erst später war auf Fotos zu sehen, dass Kroaten-Trainer Slaven Bilic von einem Landsmann Besuch und einen Kuss bekam.
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