RAMSLOH, 4. Oktober 2011


Kabelhersteller steckt voller Energie

Waskönig + Walter Ramsloher erschließen sich Markt für Hochspannungsleitungen


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Stolz auf die Produkte: Jörg Waskönig (vorn) mit (von links): Rudolf Müller, Jörg Riesenbeck und Robert Bruns BILD: Torsten von Reeken  Bild vergrößern

Das Familienunternehmen baute ein neues Werk. Man setzt auf den Wandel zur dezentralen Energie-Erzeugung.

von Rüdiger Zu Klampen

Ramsloh - Das höchste Gebäude in Ramsloh (Kreis Cloppenburg) ist, ganz klar, die Kirche. An zweiter Stelle kommt aber bereits das schmucke Logistikzentrum des Kabelherstellers Waskönig + Walter. Und fährt man vom Ortskern Richtung Elisabethfehn, erstreckt sich rechter Hand schier endlos eine Produktionshalle: beeindruckende fast 500 Meter lang. Doch der jüngste Superlativ am Ort wurde vor kurzem, gut verborgen, im inneren Bereich des Firmengeländes errichtet: ein neues Werk für den Einstieg in Hochspannungskabel. Die Waskönig + Walter Kabel-Werk GmbH u. Co. KG macht damit ihren nächsten mutigen Entwicklungsschritt: „Er erschließt uns Märkte, die zum Beispiel vom Ausbau der Erneuerbaren Energien und der damit ständig zunehmenden Dezentralisierung der Stromproduktion eröffnet werden“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter Jörg Waskönig (53).

Nicht nur wegen des laufenden Hochfahrens des neuen Werkes ist 2011 ein besonderes Jahr für das Unternehmen. Es ist auch genau 20 Jahre her, seit die Brüder Jörg und Michael Waskönig das Unternehmen von ihrem Vater, dem früheren IHK-Präsidenten Peter Waskönig, übernahmen.

Wie gut es auch in fünfter Familiengeneration weiter lief, zeigt allein schon der Blick auf den mengenmäßigen Durchsatz, einschließlich Kupfer, Aluminium und Kunststoffen: Er stieg seit 1991 von 35 000 Tonnen auf 135 000 Tonnen im vergangenen Jahr. „Wir sind eben immer gewachsen“, sagt Waskönig. Aus 250 Mitarbeitern wurden 550. Und wäre nicht der Euro eingeführt worden, würde das Unternehmen in diesem Jahr Umsatz-Milliardär. So aber sind es etwa 500 Millionen Euro, und damit gehört der Kabel-Hersteller zu den großen Unternehmen der Region. Es hat zwei Haupt-Standbeine: Stromkabel für Bau- und Renovierungsprojekte sowie Industrie und Energieversorgung.


Mittelständler geblieben
„Wir sind aber von unseren Strukturen her ganz klar ein Mittelständler geblieben“, betont Jörg Waskönig. Die Unternehmer sähen sich persönlich in der Verantwortung, und der Gewinn bleibe im Unternehmen. Als entscheidenden Vorteil, gerade im Vergleich zur großindustriellen Konkurrenz, sieht Waskönig die „Flexibilität, die Fähigkeit zum schnellen Agieren“, der persönliche Auftritt der Eigentümer. „Es gibt Kunden, die möchten einem gern ins Gesicht sehen“. Dass dies gehe, sei für Waskönig + Walter geradezu ein Alleinstellungsmerkmal am Markt.

Die beiden Brüder, die mit Stefan Nestler die Geschäftsführung bilden, haben das Kabel-Werk mit strategischen Entscheidungen weit nach vorn gebracht. Dazu zählte in den 90er Jahren die Rückverlagerung der Produktion aus Berlin (wo sie aus politischen Gründen massiv gefördert wurde) und ihre Integration in die riesige 500-Meter-Halle in Ramsloh. 2001 sei man wieder an einer Wachstumsschwelle angelangt. Die Frage sei gewesen: „Mehr vom Selben oder was Neues?“ Waskönig + Walter expandierte aus dem Niederspannungsbereich (1 Kilovolt/KV) in die Mittelspannung (30 KV). Die Firma sei dadurch wesentlich breiter aufgestellt worden, und habe mehr Kompetenz aufgebaut.

Vor kurzem folgte ein weiterer großer strategischer Schritt: der Einstieg in den Hochspannungsbereich (110 KV). Das Netz der Stromproduktion und -verteilung werde mit der Abkehr von Großkraftwerken künftig viel verzweigter sein, blickt Jörg Waskönig in die Zukunft. Produkte aus Ramsloh sollen z.B. Windkraftanlagen an das Netz oder einen Industriebetrieb an ein Kraftwerk in der Nähe anbinden. Solche 110 KV-Kabel seien eine völlig neue Dimension – in jeder Hinsicht, sagt der Geschäftsführer. Diese Leiter wögen leicht 30 Kilogramm je Meter oder bis zu 50 Tonnen pro Trommel. Auch technologisch seien sie extrem anspruchsvoll.


Mutig in schwieriger Zeit
Die Entscheidung, für Hochspannungskabel eine völlig neue, 260 Meter lange Halle zu bauen, fiel mitten in der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009. Waskönig + Walter fand aber in der regionalen Bankenlandschaft auch in schwierigen globalwirtschaftlichen Zeiten verlässliche Geldgeber. Ein zweistelliger Millionenbetrag wurde investiert. In den vergangenen Monaten waren Fachkräfte um den Ingenieur Robert Bruns (Ostrhauderfehn) damit befasst, bei der neu gegründeten „Waskönig + Walter Hochspannungskabel GmbH“ den Anlauf der Fertigung zu koordinieren. „Für dieses Jahr ist sie ausgebucht“, freut sich Jörg Waskönig. Und in dem neuen Werk, flexibel für verschiedene Kabel nutzbar, ist noch viel Platz für künftige Entwicklungen.

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Auf das Erreichte, auch die tiefe Integration über die verschiedenen Stufen der Produktion, ist man stolz. Auch das viele technische Wissen, das in den Jahrzehnten nach und nach Einzug hielt, wurde selbst erarbeitet – bis hin zu den Kunststoffmischungen und Vernetzungstechniken für die Isolierungen, die die Leitungsdrähte umgeben.

Ob es eines Tages zu den bewährten Produkten auch noch Höchstspannungsleitungen für den Ferntransport aus Ramsloh geben wird? Bei Waskönig und Walter winkt man ab – zurzeit zumindest.






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