Durchblick in Sachen Klimaschutz
Semcoglas Geschäftsführer gründet Glas-Unternehmen 1977 – Schwerpunkt auf Energieeffizienz
Der wirtschaftliche Erfolg und das Energiesparen treiben ihn an: Hermann Schüller, Geschäftsführer von Semcoglas aus Westerstede BILD: Ascan Dieffenbach 
von Ascan Dieffenbach
Westerstede - Glas ist und bleibt Glas – daran ändert auch die Firma „Semcoglas“ aus Westerstede nichts. Dennoch hat sich der Einsatz und die Wirkung des zerbrechlichen Stoffes in den vergangenen Jahrzehnten von Grund auf verändert. Glas muss als Baustoff verwendet werden können, muss hohe Belastungen aushalten und auch noch den Klimawandel aufhalten. Jeder dieser Aufgaben musste sich der Firmengründer Hermann Schüller stellen.
Das Resultat ist hohe Technologie. Auf das Glas werden in seinen Werken Funktionsschichten aufgetragen, die beispielsweise den Energieaustausch regulieren. Sie bilden eine Gesamtdicke von einem zehntausendstel Millimeter. „Das ist High-Tech-Physik“, sagt Schüller.
Die Fenster können den Energiehaushalt eines Hauses positiv beeinflussen. Sie lassen nur so viel Wärme hinein, dass diese nicht von stromfressenden Klimaanlagen abgekühlt werden muss. Sie lassen aber auch nur so viel Wärme nach draußen, dass der Einsatz von Heizungen reduziert wird. „Ziel ist, bei hoher Energieeffizienz ein Wohlfühlklima herzustellen“, sagt Schüller, „das funktioniert mit relativ einfachen Mitteln.“
Wie das aussehen kann, hat er schon 1984 unter Beweis gestellt. Kurz zuvor hatte er noch aus der Politik gehört, man müsse Energie sparen, indem kleine Fenster verwendet werden, die wenig Wärme abgeben. „Da habe ich mir gedacht: Das kann doch nicht sein“, sagt Schüller. In Kombination mit seiner eigenen Faszination für Glasarchitektur mündete diese Einstellung in der Entwicklung von passiven Solarhäusern. „Das Thema wurde aber noch nicht gerne gesehen“, so Schüller, „nun kommt es aber wieder.“ Sein Unternehmen produziert derzeit umso mehr Klima-Gläser.
Es stellt aber noch weitaus mehr her: beispielsweise Isolierglas, Sonnenschutzglas, Schallschutzglas, Explosionsschutzglas, Glas für Duschen, Küchen, Möbel oder ausgefallene Innenarchitektur. Dabei kann der Kunde ganz individuelle Wünsche äußern.
Um das möglich zu machen, arbeiten insgesamt 1450 Mitarbeiter in dem Konzern mit 24 Niederlassungen und insgesamt 20 Produktionsstätten. Der Marktanteil von Semcoglas liegt nach eigenen Auskünften in Deutschland bei zwölf Prozent. Die Gruppe produziert insgesamt 2,7 Millionen Quadratmeter Isolierglas im Jahr. „Das reicht für 90 000 Einfamilienhäuser“, sagt Hermann Schüller.
Dass sein Unternehmen eines Tages so groß werden würde, war 1977 noch nicht abzusehen. Kurz nach seinem Studium in München gründete er als 25-Jähriger die Firma in Westerstede, merkte aber schnell, dass Transportkosten ab 250 Kilometer Entfernung zu teuer werden und expandierte. Heute bekommt der Kunde das Endprodukt aus einer Hand. Semcoglas ist nicht auf die Lieferungen von anderen angewiesen. Was dabei rauskommt, ist in Bremerhaven zu sehen. Schüllers Firma lieferte die Gläser für das Hotel Sail City an der Weser, aber auch für das Swiss Centre in London, das Airbus-Forschungszentrum in Stade oder für die Fahrstühle des Berliner Hauptbahnhofes.
Erst kürzlich arbeitete Semcoglas an einem energieeffizienten Wohnhaus in Oldenburg mit, dessen Südseite komplett aus Glas besteht. „Zeitgenössisches Bauen“, sagt Schüller. Das muss er allerdings noch vielen Bauherren vermitteln: „Wir müssen noch klarer machen, wie passive Energie gewonnen werden kann“, sagt er.
1450 Mitarbeiter arbeiten für Semcoglas. Künftig will das Unternehmen, das auch in den Niederlanden, Belgien, Dänemark und Schweden aktiv ist, den Fokus des Exports auf Osteuropa, Großbritannien und Frankreich richten.
123 Auszubildende lernen bei dem Westersteder Unternehmen in neun Ausbildungsberufen. Zuletzt wurden 57 neue Auszubildende eingestellt. Beim nächsten Einstellungsdurchgang wird mit 70 Stellen geplant.
Den Fachkräftemangel spürt auch Semcoglas. „Wir haben aber rechtzeitig auf Nachwuchsförderung gesetzt“, sagt der Geschäftsführer Hermann Schüller, „frisches Blut ist gut für das Unternehmen – so lange man weiterhin auf Erfahrung setzt.“
Der erste und älteste Standort des Unternehmens liegt in Westerstede. Gebaut wurde er 1977. Produziert wird im Ammerland noch heute – allerdings nur Isolierglas. Bis heute arbeitet die Holding von Semcoglas in Westerstede.
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