NORDENHAM, 4. Oktober 2011


Motoren halten dem Druck stand

Atb Motorentechnik Nordenhamer Unternehmen setzt auf hohe Sicherheit


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Jedes Detail zählt: Monteur René Grunau arbeitet an Motoren der Baugröße 71. BILD: schult  Bild vergrößern

Die selbst produzierte und vertriebene Technik ist explosionsgeschützt. Aus einer Krise hat sich der Betrieb zurückgekämpft.

von Sebastian Schult

Nordenham - Weite Wege sind Werner Hölscher fremd – zumindest auf dem Firmengelände der ATB Motorentechnik GmbH. „Um Fragen von Kunden zu klären, müssen wir nicht erst E-Mails schreiben, dann gehen wir einfach über den Flur in den nächsten Raum“, sagt der kaufmännische Prokurist. Ein Vorteil sei das gegenüber großen Konzernen – „wir können viel flexibler und kurzfristiger reagieren“.


Zuverlässige Lieferung
Das Unternehmen produziert und vertreibt auf seinem Werksgelände in Nordenham druckfeste, explosionsgeschützte Motoren (Ex-Motoren) – „eine Nische auf dem Markt“, wie Hölscher betont. Nur wenige Mitbewerber gebe es in Deutschland, was daran liege, dass es hierzulande einen so genannten „IIC-Markt“ gebe, der eine erhöhte Sicherheit der Motoren verlange. Sicherheit sei auch das Hauptargument von ATB – „und die zuverlässige Lieferung. Die hat uns einen guten Namen im In- und Ausland erbracht“, sagt der Prokurist.

In Deutschland liege der Marktanteil bei rund 50 Prozent, die Exportquote bei etwa einem Drittel. 18 000 Motoren baut das Unternehmen jährlich – bei einer preislichen Spannbreite von 320 Euro bis 60 000 Euro. Jedes einzelne Produkt ist eine Kundenbestellung. Die Konstruktion wird individuell an die Wünsche der Kunden – überwiegend Vertreter der deutschen Großchemie und dem deutschen Maschinenbau – angepasst. Nach der Fertigstellung kommen die Motoren vor allem in Chemiefabriken, aber auch auf Erdölplattformen, Tankern oder in Raffinerien zum Einsatz.

Zu den 197 Mitarbeitern von ATB gehören auch 20 Auszubildende, die den Umgang mit explosionsgeschützten Motoren erlernen. „Wir brauchen ja Leute, die Erfahrung mit der Herstellung dieser Motoren haben, aber es ist schwer sie auf dem Arbeitsmarkt zu finden“, erklärt Hölscher, weshalb ATB großen Wert auf die eigene Ausbildung lege. Besonders in den kommenden Jahren sei der betriebsinterne Nachwuchs gefragt: Hölscher: „Bei uns findet derzeit ein Generationswechsel statt, viele sehr gute Mitarbeiter gehen bald in den Ruhestand.“

Hinter dem im Jahr 1952 unter dem Namen Felten & Guilleaume gegründeten Unternehmen liegen schwere Zeiten. 2010 sank der Jahresumsatz auf 22 Millionen Euro – etwa acht Millionen unter dem betriebsinternen Durchschnitt. „Aufgrund der Rezession mussten wir damals auch auf Kurzarbeit zurückgreifen“, sagt Hölscher, und betont: „Diese Zeit liegt zum Glück hinter uns.“ Aus der schweren Krise sei das Unternehmen wieder „aufgewacht“. Weltweit habe ATB Rahmenverträge mit den wichtigsten Unternehmen der Großchemie, zudem sei das Unternehmen an „neu definierten“ Projekten beteiligt. Die Zukunft beschreibt der Prokurist deshalb als positiv.


Bester Auftragseingang
Im August habe ATB einen Auftragseingang von fast vier Millionen Euro erwirtschaftet – „der bislang beste in der Geschichte unseres Unternehmens“, so Hölscher. Einer der Erfolgsgründe sei die aktive Vertriebsarbeit der vergangenen Monate gewesen – unter anderem durch die „Expertentage“, für die das Unternehmen seine Kunden eingeladen hatte.

Zudem bietet ATB eine energiesparende Reihe von Motoren an – der Anstoß kam vor einigen Jahren aus dem fernen Australien, wo es bereits seit längerer Zeit strengere Vorschriften für energiesparende Motoren gibt. Stolz erklärt Hölscher: „Die Bestellung eines Großkunden in Australien hat uns damals in die Situation versetzt, uns mit diesen Motoren zu beschäftigen. Dadurch haben wir in diesem Segment jetzt eine Vorreiterrolle auf dem europäischen Markt.“

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