OLDENBURG, 4. Oktober 2011


Mit Pedelecs in der richtigen Spur

Zweiradbau Oldenburger Cycle Union profitiert vom Elektrorad-Trend – Viele Marken vereint


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In den Produktionsräumen der Oldenburger Cycle Union: Geschäftsführerin Severine Lönne, die das Unternehmen in Tweelbäke leitet. BILD: Ascan Dieffenbach  Bild vergrößern

Lob gab es kürzlich von der Stiftung Warentest. Seit 2007 wird unter dem aktuellen Namen produziert.

von Ascan Dieffenbach

Oldenburg - Die Cycle Union ist ein vergleichsweise junges Unternehmen – und vereint dennoch richtige Zweirad-Tradition unter einem Dach. Vier namhafte Räder werden im Oldenburger Industriegebiet Tweelbäke produziert: Rabeneick, Kreidler, Epple und VSF Fahrradmanufaktur.

Allesamt Unternehmen, die kurz vor dem Aus standen, in der Cycle Union aber zu neuem Leben erweckt wurden. Kreidler stellte im August den Testsieger der Elektrofahrräder bei der Stiftung Warentest. Für das Unternehmen eine wichtige Auszeichnung. Die so genannten Pedelecs sind der große Trend in der Zweiradszene.

Sie laufen mit einem batteriebetriebenen Motor, der aber nur unterstützend anspringt, wenn auch in die Pedalen getreten wird. Er ersetzt also nicht die Muskelkraft, ergänzt sie aber – bis zu einer Geschwindigkeit von 25 km/h. Danach muss der Fahrer oder die Fahrerin alleine weitertreten. „Es ist ein Trendprodukt“, sagt Geschäftsführerin Severine Lönne. Problematisch für den Verbraucher sei nur, dass es derzeit unzählige verschiedene Systeme auf dem Markt gibt.


Sicherheit wichtig
Die Cycle Union hat selber schon vor rund sieben Jahren ein Pedelec entwickelt. Seit Anfang 2011 arbeitet sie außerdem mit der Firma Bosch zusammen, die den Antrieb liefert. „Wir sind stolz, beim Test so gut abgeschnitten zu haben“, sagt Severine Lönne. Ihr sei es wichtig, Elektroräder weiter als Fahrräder zu begreifen, nicht zu futuristische Gefährte zu bauen. „Es müssen Bremsen, Rahmen und andere Komponenten auf die Kräfte eingestellt werden.“

Die neueste Entwicklung der Cycle Union sind „urbane Kompakträder“, wie die Geschäftsführerin sie nennt. Sie sehen aus wie Klappräder, sollen aber auch für größere Menschen bequem sein. „Ein ganz neues Rahmenkonzept“, sagt Lönne. Dass man die Räder nicht klappen kann, macht gar nichts, weiß Lönne. „Achtzig Prozent der Klappräder werden von den Besitzern gar nicht geklappt“, sagt sie.

So versucht sich die Cycle Union, immer wieder neue Standbeine zu schaffen. Erst die Räder, dann Pedelecs. Hinzu kommen motorisierte Fahrzeuge wie beispielsweise Elektro-Roller, die 45 km/h fahren dürfen. „Dieser Markt ist noch eingeschränkt“, sagt Severine Lönne, „aber in drei bis fünf Jahren geht es sicherlich los“. In asiatischen Großstädten gehörten Elektroroller bereits zum normalen Straßenbild. Als in Oldenburg an den ersten Pedelecs gebastelt wurde, waren sie schließlich auch noch nicht im Trend.

Die ersten Schritte auf Oldenburger Boden machte die Cycle Union noch unter anderem Namen. Severine Lönne kam als Tochter eines der Geschäftsführer der Zweirad-Firma Prophete aus Nordrhein-Westfalen in den Norden. Rabeneick steckte damals in wirtschaftlichen Schwierigkeiten und wurde von Prophete übernommen.

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Regionale Akzeptanz
„Wir hatten bis dahin Kreidler im Sortiment. Damit war es aber schwierig, im Norden Akzeptanz zu finden“, sagt Severine Lönne. Mit Fahrradmarken sei es schließlich wie mit Biersorten, erklärt sie. Jede Region hat ihre eigenen Vorlieben. „Rabeneick ist eine tolle Marke, ich wollte schon als Kind immer ein Rabeneick haben“, so Lönne. Die Übernahme sei auch aus nostalgischen Gründen durchgezogen worden. Der Standort in Oldenburg war zu der Zeit auf 100 000 Räder ausgelegt, aber von den Produktionszahlen weit entfernt. Also wurden Kreidler und Rabeneick gemeinsam produziert.

Hinzu kam später die VSF Fahrradmanufaktur aus Bremen und die Firma Epple aus Süddeutschland. Bei so vielen Namen entstand allerdings ein Identifikationsproblem – auch für die Mitarbeiter. Deshalb wurden die Marken 2007 unter dem Namen Cycle-Union zusammengeführt.

„Es ist ein bunter Strauß, aber die Marken kannibalisieren sich nicht“, sagt Lönne. „Wir haben für jede Marke den Kern herausgearbeitet. Wo kommt sie her, wo geht sie hin?“ Zum Beispiel stehe die VSF Fahrradmanufaktur für ein „sehr politisches Rad“. „Wir sprechen bewusste Fahrer an. Da steckt viel grünes Gedankengut mit drin.“ Schließlich hat der ursprüngliche Verbund von selbstverwalteten Fahrradbetrieben viel Wert auf langlebige und ökologische Produkte gelegt. „Bis heute unsere Premium-Marke“, sagt die Geschäftsführerin.






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