19. Juni 2010


Mit Wille und Talent macht Anika aus schwerem Stein große Kunst

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Anika Lintermann (links) an ihrem Gesellenstück, einer Büste ihres Ausbilders Andreas Soltmann (rechts) BILD: wieting  Bild vergrößern

Jeder kann Bundeskanzler werden! Die Frage ist nur, ob derjenige in der Lage ist, die sich ihm bietenden Möglichkeiten zu erkennen und auch zu nutzen.“ Diese gewagte These vertritt Andreas Soltmann, Steinmetz- und Steinbildhauermeister aus Ganderkesee und Ausbilder von Anika Lintermann.

Für ihn ist Anika Lintermann eine der besten. Sie habe enormes Potential, was sonst nicht viele haben. „Sie ist ein Naturtalent, ohne dass sie es weiß“, schwärmt Andreas Soltmann von der jungen Steinmetz- und Steinbildhauerin. Dass Anika überhaupt diesen Beruf gewählt hat, war purer Zufall.

Anika Lintermann wurde 1990 in Aachen geboren und ist mit zehn Jahren mit ihren Eltern nach Krummhörn in Ostfriesland gezogen. Als Besucherin auf einem Mittelalter-Markt in Vechta traf sie ihren späteren Ausbilder Andreas Soltmann, der hier als Austeller vor Ort war. Zufällig kam man ins Gespräch, das immer intensiver wurde und am Ende des Tages war der Lehrvertrag unterschrieben. Ihre Lehre begann am 15. Oktober 2006 und endete mit der abgeschlossenen Gesellenprüfung im Juli 2009.

Die erste Zeit war hart, sehr hart. Die ungewohnte Arbeit, das Bewegen der schweren Steine und das Bearbeiten selbiger in zum Teil unbequemen Haltungen und nicht zu vergessen der ständige feine Staub. Das alles bei höchster Konzentration zu meistern, ist nicht immer einfach. Ein Satz des Ausbilders bleibt ihr stets unvergessen: „Wenn man den Weg verlässt, bestraft einen der Stein!“.

Erschwerend hinzu kam die tägliche Zugfahrt nach Krummhörn und zurück. Das bedeutete, dass sie um 4 Uhr in der Früh aufstehen musste, denn Arbeitsbeginn war um 8 Uhr. Am Abend war sie nicht vor 21 Uhr wieder zu Hause. Nach vier Monaten nahm sie sich schließlich eine Wohnung in der näheren Umgebung. „Anika hat meine Ratschläge angenommen und 1:1 umgesetzt. Sie hatte und hat einen unbändigen Willen; was sie wollte, das wollte sie“, erinnert sich Andreas Soltmann gerne zurück.

Gab es dennoch leichte Rückschläge, dann wurde sich Zeit genommen, und Andreas Soltmann besprach mit ihr die Probleme. Zu keiner Zeit hat Anika ihren Berufswunsch in Frage gestellt, sie hat sich durchgebissen und nie aufgegeben. „Es ist ein gutes Gefühl, ein Ziel im Leben zu haben, und dafür muss man eben viel arbeiten. Auch das hat mir mein Ausbilder immer vermittelt“, berichtet Anika Linterman.

Im Laufe der Ausbildung kam ihr außergewöhnliches Talent immer mehr zum Tragen. Bei der Auswahl des Gesellenstückes waren sich Ausbilder und Auszubildende allerdings nicht gleich einig. Ohne Wissen des Meisters fertigte sie eine Büste ihres Ausbilders aus einem 1,4 Tonnen schweren Marmorblock an. Von dem fertigen Produkt war Andreas Soltmann mehr als begeistert, als er sein Ebenbild in Stein gemeißelt sah. „Diese Büste ist so gut geworden, das hätten viele Steinbildhauer so nicht geschafft. Das ist das beste Gesellenstück, was ich jemals gesehen habe“, so ein anerkannter Experte.

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Da war es auch keine Überraschung, dass Anika Lintermann Kammersiegerin und auch Landessiegerin in ihrem Handwerk wurde. Direkt nach der Ausbildung ging es dann nach Italien. Wo andere Urlaub machen, besucht sie in Carrara eine internationale Bildhauerschule mit Schülern aus diversen Nationen. Auch hier wurde ihr außergewöhnliches Talent sehr schnell erkannt.

In Kürze wird sie nach Irland reisen, um mit dem irischen Bildhauer Ciaran O’Brien ein größeres Projekt fertigzustellen. Für diese einmalige Gelegenheit wird Anika die Marmorschule in Carraras vorerst ruhen lassen. Experten bescheinigen ihr eine große Zukunft, mag der Weg dorthin auch noch so steinig sein. Ihre Zukunft sieht Anika im Ausland, denn ihrer Meinung nach sind im Gegensatz zu Deutschland die Menschen im Ausland bereit, für gute Arbeit einen angemessenen Preis zu bezahlen.

„Das Handwerk wurde schon oft tot gesagt, auch das des Steinmetz- und Bildhauers. Wir sind das älteste Handwerk und leben immer noch. Sorgen mache ich mir nicht, denn unsere jungen Menschen in diesem Handwerk sind verdammt gut“, meint Andreas Soltmann. Anika Lintermann ist der beste Beweis dafür; wenn man etwas will, geht alles.






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