„Landkreis Wardenburg“ erhält Zuschlag
BILDUNG Kreistag bringt mit großer Mehrheit Antrag für erste Integrierte Gesamtschule auf den Weg
Schüler verlassen am Dienstag die Everkampschule. Hier soll die erste IGS im Landkreis entstehen. BILD: BJÖRN LANGE 
IGS für Schüler aus Wardenburg, Hatten und Großenkneten
Der Antrag an die Landesschulbehörde in Osnabrück soll nach Angaben von Landrat Eger noch in dieser Woche auf den Weg gehen. Grundlage ist unter anderem die Elternbefragung sowie die Prognose der Schülerzahlen bis zum Jahr 2023.
Am Standort Wardenburg soll die Haupt- und Realschule ab dem 1. August 2010 aus der Everkampschule herauswachsen. Ab dem Schuljahr 2015/16 soll die Everkampschule als reine Gesamtschule geführt werden. Für die IGS in Wardenburg wird als Einzugsbereich Hatten, Wardenburg und Großenkneten vorgesehen.
Hatten und Wardenburg müssen eine Vereinbarung über eine Beschulung Wardenburger Schüler an der Haupt- und Realschule in Sandkrug treffen.
Auch drei CDU-Abgeordnete stimmten dafür. Beklagt wurde, dass Hude oder Ganderkesee leer ausgingen.
Von Stefan Idel
Landkreis Historische Abstimmung im Wildeshauser Kreishaus: Mit 32 Ja-Stimmen, bei sechs Gegenstimmen und zwei Enthaltungen, entschied der Kreistag am Dienstag, einen Antrag bei der Landesschulbehörde auf Einrichtung einer Integrierten Gesamtschule (IGS) in Wardenburg zu stellen. Nicht nur die SPD/FDP-Mehrheitsgruppe, auch UWG, Grüne und die CDU-Kreistagsabgeordneten Linda Vietor, Carsten Grallert und Hartmut Post stimmten dafür. Vertreter aller Fraktionen lobten die intensive Vorarbeit der Kreisverwaltung, insbesondere von Maik Ehlers vom Amt für Struktur und Schule.
Die IGS sei ein zusätzliches Angebot zum bestehenden dreigliedrigen Schulsystem, so Franz Duin (SPD) in der knapp 90-minütigen Debatte. Seine Partei trete ein für mehr Chancengleichheit durch gemeinsames Lernen. Ausdrücklich lobte Duin alle, die sich in die mehr als einjährige Debatte eingebracht haben. Respekt gebühre auch dem Gruppenpartner FDP, der trotz politischer Vorbehalte gegen die Gesamtschule den Weg mitgegangen sei.
Nach Ansicht von CDU-Fraktionschef Hans-H. Hubmann sind dagegen nicht alle Kriterien, die das Land an die Einrichtung einer Gesamtschule stellt, erfüllt. Er rechne damit, dass die Landesregierung – mit Blick auf das „wackelige Zahlenmaterial“ – den Antrag ablehnt.
Otto Sackmann (UWG) kritisierte, dass zu viel aus parteipolitischer Sicht diskutiert werde. Mit der Einführung des „Turbo-Abiturs“ auch an Gesamtschulen habe die Landesregierung die Messlatte sehr hoch gelegt. Als „Sündenfall“ von Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) bezeichnete FDP-Fraktionschef Ernst-August Bode die Möglichkeit, wieder Gesamtschulen in Niedersachsen einrichten zu können. Der genaue Blick auf die Zahlen zeige, dass sich letztlich nur 26 Prozent der Teilnehmer an der Befragung für die IGS in Wardenburg ausgesprochen hätten. Die FDP stimme mit Ja, weil es zu einer Entlastung der Graf-Anton-Günther-Schule komme. Einer weiteren Gesamtschule im Landkreis werde seine Fraktion aber auf keinen Fall zustimmen, betonte Bode.
Grünen-Sprecher Manfred Rebensburg wies auf die große Integrationsleistung der Gesamtschule hin. Es käme auch niemand auf die Idee, bereits im Kindergarten oder in der Grundschule die Kinder zu selektieren. Armin Köpke (CDU) befürchtete mit der IGS gravierende Auswirkungen: „Bei uns in Wardenburg laufen Haupt- und Realschule aus.“ Dagegen lobte Heinz Brigant (SPD) die gute Infrastruktur der Everkampschule. Es liege „ein hervorragendes Ei im Nest“. Klaus Budzin (SPD) beklagte: „Es geht immer nur um Wardenburg. Es heißt aber nicht ,Landkreis Wardenburg’.“
Die CDU-Politiker Thomas Schulze (Hatten) und Herwig Wöbse (Prinzhöfte) wiesen darauf hin, dass die IGS nur für den Nordwesten des Kreises von Interesse sei. Hude, Ganderkesee und Harpstedt gingen leer aus. Wöbse meinte, die Kooperative Gesamtschule sei unterbewertet worden. In der CDU blieb das Bild uneinheitlich: Ihre Abgeordneten Hans-H. Hubmann, Astrid Grotelüschen, Eckhard Heinje, Armin Köpke, Heiderose Runge und Günter Westermann stimmten gegen den Beschlussvorschlag.
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