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Ehrenamtliche trösten Patienten im Krankenhaus

Krankenhäuser sind oft traurige Orte. Doch auch hier gibt es ab und zu Gelächter. Ehrenamtliche Besucher kommen an die Betten und reden oder schweigen mit den Kranken. Der Trost bedeutet vielen Patienten eine Menge - nur kommt er leider viel zu selten.

In seinem marineblauen Jogginganzug sitzt Bruno auf dem Krankenhausbett und erzählt und erzählt. Von seinen Hunden, einem Husky und einem kleinen Dackel, und von seinem Haus mit großem Garten. Der 79-Jährige ist schon zum sechsten Mal zur Chemotherapie im Klinikum Barnim im brandenburgischen Eberswalde. Heute sind wieder zwei ehrenamtliche Besucherinnen zu ihm gekommen. «Die Besuche sind immer ein Lichtblick», sagt er und lächelt. «Wir kennen uns inzwischen und können uns immer unterhalten.»

Gabriele Schall und Regina Eggert sind zwei von mehreren tausend ehrenamtlichen Krankenhaus-Besuchern in Deutschland. «Wir sind wichtig für die Menschen, weil wir ihnen unsere Zeit schenken», sagt die 65 Jahre alte Eggert mit den grau-braunen Haaren. «Wenn da ein Plüschtier auf dem Nachttisch steht, kann das der Anfang eines Gesprächs sein und dann reden wir über alles - vom Marmeladekochen bis zum Heiratsschwindler.»

Einige der Patienten, zu denen die zwei Frauen gehen, liegen sehr lange im Krankenhaus und freuen sich über die Abwechslung. Bei manchen von ihnen ist der Kontakt zu den Angehörigen abgebrochen oder Freunde und Verwandte wohnen weit weg. Denn gerade aus Brandenburg ziehen viele Menschen in andere Bundesländer, um zu arbeiten. Oder die Liebsten der Patienten sind beruflich eingespannt und finden wenig Zeit für die Fahrt ins Krankenhaus. «Und selbst wenn Besuch kommt: Über manche Dinge wollen und können sie nicht mit ihnen reden», erzählt Schall.

Einmal in der Woche gehen die zwei Frauen in die Onkologie-Station des Werner Forßmann Krankenhauses. Dann laufen sie von Zimmer zu Zimmer, setzen sich an die Betten, lesen etwas vor, reden oder schweigen.

«Einer Krebspatientin habe ich einfach nur meine Hände auf den Rücken gelegt und war einfach ruhig», erzählt Schall. «Danach hat sie mich angesehen und gesagt: "Das war aber schön."» Die 64-Jährige mit Brille und Perlenohrringen ist Rentnerin und seit vier Jahren Ehrenamtliche. Ihr machen die vielen Krankenhaus-Besuche nichts aus. «Im Gegenteil: Ich habe beim Zahnarzt gearbeitet und mir haben die Patienten gefehlt.»

In Deutschland gibt es etwa 11 000 sogenannte ehrenamtliche Grüne Damen und Herren. Sie gehören zur evangelischen Krankenhaushilfe, die auch ökumenisch tätig ist, und besuchen Kinder und Erwachsene in Kliniken und Altenheimen. Ihr Erkennungszeichen sind die grünen Westen. «In der Uniklinik Bonn schieben zum Beispiel Ehrenamtliche einen Teewagen durch die Onkologie-Station», sagt Projektleiterin Franziska Krings. So beginne oft ein intensiver Kontakt. Hinzu kommen zahlreiche ehrenamtliche Besucher organisiert durch die Krankenhäuser selbst wie in Eberswalde.

«Es ist ein Phänomen unserer Zeit, dass Menschen alt werden ohne Angehörige in der Nähe», meint der Vorsitzende der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch. Familienverbände lösten sich auf, die Zahl der Singlehaushalte und die Vereinsamung wachse. «Pfleger, Schwestern und Ärzte haben kaum Zeit für die Hoffnungen und Ängste der Patienten.» In diese Lücke stoßen die ehrenamtlichen Besuchsdienste. «Sie sind Zeitschenker und hören sich unvoreingenommen die größten seelischen Probleme an.»

Brysch fordert, dass die Besuchsdienste im Krankenhaus ähnlich wie die Hospizdienste finanziell unterstützt werden. «Sterbebegleitungen bekommen Geld für ihre hauptamtliche Koordinationskraft, für Weiterbildungen und Fahrtkosten der Ehrenamtlichen.» Das sei bei den Grünen Damen und Herren und anderen Besuchsdiensten anders. Meist müssten die Krankenhäuser selbst für die Kosten aufkommen, sagt Brysch. «Und darunter leiden natürlich die Dienste.»

Sorgen machen sich die Organisatoren auch um ihren Nachwuchs. «Viele Menschen trauen es sich nicht zu», sagt Andrea Busse, die die Besuchsdienste an der Eberswalder Klinik koordiniert. Sie haben wenig Zeit und wollten sich nicht regelmäßig binden. Dabei suchten viele Krankenhäuser in deutschen Städten händeringend nach Unterstützung.

«Bei uns sind vor allem Frauen dabei, die in Rente sind und viel mit Menschen zu tun hatten - Verkäuferinnen zum Beispiel.» Aber auch eine junge Frau vor dem Medizinstudium habe sich kürzlich für den Dienst interessiert. «Die Ehrenamtlichen sehen schon viel Elend, aber es kommt auch viel zurück.»

Das sehen auch die Ehrenamtlerinnen Schall und Eggert so. «Ich habe schon mitgeweint, als mir eine junge Frau mit zwei Kindern erzählt hat, dass sie Krebs hat», erinnert sich Schall. Doch jeder Patient sei unendlich dankbar für die Anteilnahme - egal welcher Art.

«Es gab auch schon Tage, da haben wir im Krankenzimmer nur gelacht», ergänzt ihre Kollegin Eggert. So ähnlich ist es an diesem Tag auch an Brunos Bett. Der 79-Jährige hofft, dass er aus dem Krankenhaus bald wieder nach Hause zu seinen Hunden kann. Bis dahin werden die Frauen mit den grünen Westen ihm weiter ihre Zeit schenken.

Grüne Damen und Herren

Die Grünen Damen und Herren sind Ehrenamtliche, die Kinder und Erwachsene in Krankenhäusern und Altenheimen besuchen. Mehr als 10 000 Frauen und 760 Männer engagieren sich auf diese Weise in mehr als 700 Einrichtungen in ganz Deutschland. Getragen wird der Dienst von der Evangelischen Krankenhaus-Hilfe, die ökumenisch tätig ist. Gründerin war im Jahr 1969 Brigitte Schröder, die Frau des früheren CDU-Bundesministers Gerhard Schröder. Sie ließ sich von einer ähnlichen Bewegung in den USA namens Pink Ladies inspirieren.

Der Name der Grünen Damen und Herren komme daher, dass die Frauen von Beginn an eine lindgrüne Schutzkleidung vor Infektionen trugen, erklärt die Bundesvorsitzende Gabriele Trull. «Frau Schröder meinte aber, dass Pink für Deutschland nicht so passend wäre, auch nicht knallrot. Sie entschied sich für Grün, weil diese Farbe so gut zu dem Teint der bürgerlichen Damen passte, die damals alle um die Mitte 50 waren.»

Neben den Grünen Damen und Herren gibt es noch zahlreiche andere ehrenamtliche Besuchsdienste. Sie organisieren die Krankenhäuser zum Teil selbst.

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