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NWZonline.de Ratgeber Gesundheit

Engpässe bei Baby-Milchpulver: Milupa weitet Produktion aus

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Engpässe bei Baby-Milchpulver: Milupa weitet Produktion aus

Seit Monaten stehen Eltern vor leeren Regalen, wenn sie die Lieblings-Trockenmilch für ihre Babys kaufen wollen. Der Handel hat mit Rationierungen reagiert, nun weitet der Hersteller die Produktion aus. Schuld am Engpass: Großeinkäufe für den China-Export.

Der Babynahrungshersteller Milupa will die gravierenden Engpässe bei seinen Trockenmilch-Produkten sehr bald entschärfen. Eine neue Produktionslinie sei angelaufen, sagte Unternehmenssprecher Stefan Stohl am Donnerstag (18. April) in Friedrichsdorf bei Frankfurt. «Wir hoffen auf eine spürbare Entspannung in den kommenden Wochen.» Das sei auch dringend notwendig. Seit Monaten häuften sich Anrufe besorgter Eltern, weil die Baby-Produkte Milumil und Aptamil oft nicht greifbar seien.

Die zum Danone-Konzern gehörende Milupa GmbH vermutet, dass Privatleute und Kleinunternehmer die Regale leerkaufen, um die nur für den deutschen Markt bestimmten Produkte nach China zu exportieren. Dort gelte Trockenmilch aus Deutschland als besonders vertrauenswürdig, sagte Stohl. Das Unternehmen habe aber auch in England und den Niederlanden ähnliche Probleme wie in Deutschland.

Hintergrund ist der Skandal um mit der Industriechemikalie Melamin verseuchte Milch in China 2008, bei dem mindestens sechs Säuglinge starben und rund 300 000 erkrankten. Mit anderen Worten: Die Sorge chinesischer Eltern um die Gesundheit ihre Kinder führt in Deutschland zu Engpässen.

Die Zahl der monatlich verkauften Säuglingsmilch-Packungen von Milupa war 2012 innerhalb weniger Monate um ein Drittel angestiegen, der Marktanteil sprunghaft auf etwa 45 Prozent geklettert. Seit Monaten stehen Eltern immer wieder vor leeren Regalen, deren Babys die Säuglingsnahrung des Marktführers bevorzugten. Die «Bild»-Zeitung zitierte eine besorgte Mutter: «Ich kann nicht einfach die Marke wechseln, sonst bekommt mein Baby Bauchweh.»

In der Rossmann-Zentrale in Burgwedel bei Hannover wird diese Darstellung nicht wirklich geteilt: «Kein Kind muss hier darben, kein Kind muss hungern», sagte Rossmann-Pressesprecher Stephan-Thomas Klose. Denn die vorrübergehenden Engpässe gebe es nur bei Milumil und Aptamil - Alternativen wie Hipp, Humana, Bebivita oder auch die Rossmann-Eigenmarke Babydream ließen jedoch genügend Ausweichmöglichkeiten.

Deshalb warnt Klose vor Panikmache. Er habe zwar Verständnis für starkes Markenbewusstsein gerade bei Babynahrung. Doch es stehe keinesfalls fest, dass ein Produktwechsel problematisch verlaufen müsse, da das Kind ihn womöglich nicht verträgt oder mag.

Nicht nur der Hersteller hat mit der Aufstockung der Produktion reagiert. Auch der Handel sprang ein und begrenzte den Verkauf pro Kunde. «Um die Bedürfnisse all unserer Kunden befriedigen zu können, haben wir uns kurzfristig dazu entschieden, die mengenmäßige Abgabe von Aptamil-Produkten vorübergehend zu beschränken», sagte dm-Marketing-Geschäftsführer Christoph Werner.

Denn dm habe eine extrem hohe Nachfrage nach Säuglingsnahrung der Marke Aptamil verzeichnet, die der Hersteller nicht ausreichend bedienen könne. Das verunsichere die Kunden, die Vorräte anlegten und die Nachfrage damit abermals anheizten: «Das Resultat ist eine noch schnellere Erschöpfung des Warenbestandes.»

Milupa räumt ein, dass das Problem der Asienexporte damit natürlich nicht aus der Welt geschafft werden könne. «Aber die Großeinkäufe von 100 Packungen und mehr werden gebremst», betonte Stohl.

Anders als dm musste Rossmann auf die Engpässe nicht erst mit Rationierungen reagieren. Die Kunden seien auch schon zuvor angehalten gewesen, die Produkte nur in «haushaltsüblichen Mengen» zu kaufen. Bei der Baby-Trockenmilch seien dies in der Regel drei Packungen. Ähnliche Vorgaben gelten bei Rossmann schon seit langem und beziehen sich auch auf viele andere Warengruppen wie etwa Kaffee oder Sonnencreme, sagte Klose: «Es gibt keine neue Limitierung.»

Der enorme Nachfragesprung sorgt in der deutschen Milupa-Zentrale keineswegs für Freude, betonte Stohl: «Wir haben eine Reputation zu verteidigen. Und wenn Mütter ihr Wunschprodukt im Drogeriemarkt nicht finden, sind sie unzufrieden.» Das sei für Milupa ein «Riesenproblem».

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