„Alle managen irgendwie herum“
Schaffermahl Gilde-Staatsanwalt Heinrich Boning liest Bankern die Leviten
Dankeschön für die perfekte Versorgung beim Schaffermahl: General Kian Shahidi mit (von links): Katrin Ahlers, Petra Finkenzeller, Britta Mahlstede, Silke Stolle, Judith Niester-Hübsch und Elisabeth Görke. BILD: Olaf Blume 
von Stefan Idel
Wildeshausen - Ein Bekenntnis zu Wildeshausen legte Dr. Stephan-Andreas Kaulvers, Vorstandsvorsitzender der Bremer Landesbank (BLB) und Ehrengast des 32. Schaffermahls, ab. „Dank für die Einladung in meine Wahlheimat“, schrieb der 53-jährige Bankmanager, der mit Familie in der Gemeinde Hatten lebt, ins Goldene Buch der Stadt. Da lag es nahe, dass Gilde-General Dr. Kian Shahidi seinem Ehrengast den „Gilde-Virus“ („Heilung ausgeschlossen“) an den Hals wünschte. Als äußere Symbolik steckte der Bürgermeister Kaulvers einen Papagoy ans Revers.
Shahidi verglich das Schaffermahl mit dem gallischen Dorffest ` la Asterix. Und so wurde es auch diesmal wieder spät: Bis weit nach Mitternacht wurde die unzerbrechliche Verbundenheit zwischen Stadt und Gilde gefeiert, mittendrin Kaulvers.
Der hatte ein wahres Schlitzohr als Vorredner serviert bekommen: Gilde-Staatsanwalt Heinrich Boning (73). „Wir beide entstammen dem zweitältesten Gewerbe der Welt, das einen noch schlechteren Ruf genießt als das älteste“, erklärte er. Auch Boning war jahrzehntelang bei der BLB beschäftigt. Damals zeichnete er auch für die Hauspostille der Bank verantwortlich. Heute sei dort von „Kick-off-Meetings“ die Rede, es gehe um „Bonds“ oder „Basispunkte“. Die Manager versteckten sich hinter englischen Begriffen. Boning: „Alles und nichts ist Management und alle managen irgendwie herum.“
Ohnehin sei der Ruf der Banker nicht erst seit der letzten Finanzkrise schlecht, so Boning: „Matthäus Schwarz, der letzte Hauptbuchhalter Jacob Fuggers, schrieb bereits im 16. Jahrhundert: Zins ist höflich gewuchert, Finanz ist höflich gestohlen.“ Und Kaulvers gab er noch mit auf den Weg: „Banker benehmen sich letztendlich wie Kängurus: Man kann schließlich das Liebste, das man hat, nicht dauernd im Beutel behalten.“ Der BLB-Chef nahm die rhetorische Vorlage auf: Es gebe viele gute Banker, aber 50 gierige Versager hätten den Ruf der ganzen Branche ruiniert, urteilte Kaulvers über „Landesbank-Gangster“.
Traditionell zu Gast beim Schaffermahl sind Vertreter der Vereine. Diesmal kamen unter anderem Martina Zahl, Vorsitzende der Tafel, Brigitte O. Kaiser vom Frauenverein, Verkehrsvereinsvorsitzender Gerold Ratz und HGV-Chef Bernhard Block. Zu den Stammgästen zählt Gerhard Meyer vom Gogericht.
Für das Schafferpaar Katrin und Jörn Ahlers war das Schaffermahl zugleich ein kleines Familientreffen, Jörns Vater, Major Friedrich Ahlers, saß ebenso an der Tafel wie Onkel Dr. Gerhard Ahlers, Tante Karin (von Elbwart) mit Ehemann Stefan von Elbwart, zugleich Oberstleutnant der Gilde, und Schwager Rudi Finke und Cousin Torsten Helmbrecht. Der Tradition verpflichtet, schmauchten sie selbstverständlich die Tabakspfeife – allerdings vor der Tür des historischen Rathauses.
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