Gildefest in Wildeshausen: Kaufmann Köhler klettert auf Königsthron
Gildefest 38-jähriger Wildeshauser hält erstmals auf Papagoy an – Sechste Majestät aus dem AFK
Grüßt sein künftiges „Volk“: Björn Köhler, der neue König der Gilde auf der Westerstraße BILD: Olaf Blume 
von Stefan Idel
Wildeshausen - Der Papagoy wollte einfach nicht fallen. „Soll ich schon einmal Kerzen holen?“, spottete ein Offizier. Und Walter Dellwisch, seines Zeichens Regimentsbarbier, holte zwei Patronen aus dem schwarzen Rock: „Damit hätte ich den Vogel gekippt“, meinte er. „Björn, jetzt gib ’mal Gas“, rief Hermann Petermann, König der Gilde im Jahr 1997. Das war offenbar der entscheidende Motivationsschub. Wenige Minuten nach 20 Uhr fiel der eiserne Vogel: Björn Köhler machte einen Luftsprung. Er ist neue Majestät der Schützengilde.
Schießhaus bewährt sich
Bei guten äußeren Bedingungen war am Dienstag eines der größten Regimenter aller Zeiten in den Krandel ausmarschiert – sage und schreibe 2866 Personen. Knapp 450 mehr als im Vorjahr. Im Krandel herrschte beste Volksfeststimmung. Erneut wurde das Königsschießen für die zahllosen Zuschauer per Monitor übertragen. Der Papagoy im Kugelfang wurde erstmals angestrahlt. Seine „Feuertaufe“ bestand auch das neue Schießhaus. „Es läuft so, wie wir uns das vorgestellt haben“, betonte der Vorsitzende des Schießausschusses der Gilde, Artur Gabriel.
Insgesamt 23 Anwärter auf den Königstitel traten Punkt 18 Uhr in den Schießstand. Im Vorjahr waren es zwei mehr. Unter den Anwärtern waren viele bekannte Gesichter, darunter Timo und Jörn Poppe, Frank Hogeback, Helmut Rang, Andreas Tonn oder Stefan Bothe. Lautstark angefeuert wurde Rudi Finke. Sie alle hatten schon mehrfach um die Königswürde gekämpft. Geschossen wurde in insgesamt vier Gruppen.
Im Vorkampf setzten sich – neben dem späteren König Köhler – Ralf Eilers (40 Jahre), Holger Gärtner (38) und Malte Hoffrogge (41) durch. Besonders spannend war es bei Gruppe 3: Der Papagoy wollte einfach nicht fallen. Der Wind trieb Holzsplitter durch die Luft, weil die meisten Kugeln im Kugelfang landeten. Im Stechen setzte sich Gärtner – wie der spätere König Mitglied des Pfingstclubs „Klosterbrüder – gegen Ralf Klein durch.
„Eine tolle Kiste“
Das Finale war mindestens ebenso spannend: Malte Hoffrogge und Björn Köhler holten mit einem „Doppelschuss“ den Vogel herunter. Es folgte ein Blitzduell, bei dem Köhler gewann. Zu den ersten Gratulanten gehörten die Freunde des Clubs der „Amtsbrüder“. Spontane Ausrufe wie „eine tolle Kiste!“ oder „hundertprozentig!“ waren zu hören. Auch Nachbar Norbert Fellner, selbst bei den „Rotfliegen“, überbrachte Glückwünsche.
Köhler, von Beruf Kaufmann, ist erst seit fünf Jahren Mitglied der Gilde. Wie Kontrahent Ralf Eilers (Sohn von Major Gerd Eilers) schoss er zum ersten Mal auf den Papagoy. Köhlers Ehefrau Inka, erfuhr per Handy vom Erfolg ihres Partners. Das Paar hat keine Kinder. „Dafür aber einen Kater, Gerry“, erzählte der neue König. Sein Amtsvorgänger Lutz Ertelt überreichte die „Insignien der Macht“, darunter weiße Fliege und weiße Handschuhe.
Übrigens: Der neue König gehört wie Ertelt und Hermann Petermann jun. der Anwärter-Förderkompanie zur Königskompanie der Wildeshauser Schützengilde“ (AFK) an. Köhler ist mittlerweile die sechste Majestät aus den Reihen der AFK.
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