Von „Tieffliegern“ an der Braunbier-Bar
Gildefest I Launiger Schlagabtausch zwischen Gilde-General und Landrat vor dem Wildeshauser Rathaus
Wortreiches Duell um „Gutachteritis“ und Humpen voller Braunbier: Gilde-General Dr. Kian Shahidi und Landrat Frank Eger (von rechts) auf der Bühne. Auch die Gildeclubs von König und Schaffer waren vertreten. BILD: Olaf Blume 
von Stefan Idel
Wildeshausen - Bei Pop-Konzerten sind Plätze in der ersten Reihe begehrt. Beim launigen Schlagabtausch zwischen Landrat und Gilde-General am Mittwoch nach Pfingsten auf der Wildeshauser Westerstraße wohl auch. Die kleine Anneke, sechs Jahre alt und Tochter des neuen Schafferpaars Kirsten und Thomas Seyffart, jedenfalls wagte sich zwischen die Offiziere Karl-August Kolhoff und Harald Hengemühle, um besser sehen zu können. Und wie die anderen Zuschauer bekam sie auch einiges zu hören.
General Dr. Kian Shahidi riet dem Landrat, mehr für die öffentlichen Einnahmen zu tun. Frank Eger solle an jedem seiner Arbeitsplätze eine „Braunbierbar“ einrichten. „Bei insgesamt 33 beherrschenden Aufsichtsratsmandaten kämen rund 3,8 Millionen Euro zusammen“, rechnete Shahidi dem Landrat Frank Eger in Anspielung auf seine diversen Posten – unter anderem beim OOWV und beim Studieninstitut – vor. Und wenn Eger noch 30 Jahre lebe, käme leicht ein Millionenbetrag zusammen.
Der Landrat zeigte sich nicht weniger zimperlich. Er warf seinem Kontrahenten „kalkulatorische Tieffliegerei“ und einen Hang zur „schweren Gutachteritis“ vor. Das sei wohl kaum der Stil der Gilde. Bei dem wortreichen Schlagabtausch vorm historischen Rathaus zweifelte Eger die Kalkulation Shahidis an: „Ich weiß tatsächlich nicht, unter welchem Einfluss Sie die Rechnung aufgestellt haben.“ Dabei gelte die Regel „Sei nüchtern im Dienst“. Hier gleiche das Ergebnis dem des Tabakqualms beim Schaffermahl, mutmaßte Eger.
Damit die Gilde ihre Kasse aufbessern könne, solle vielmehr ein See fürs Gildevolk gebaut werden. Der Oberst könne den Bademeister spielen und der Schatzmeister an der Kasse sitzen. 39 Prozent der Einnahmen des „Gildebads“ müssten aber als Kreisumlage an den Landkreis fließen – allein der Idee wegen.
Nicht überhört wurden aber die Zwischentöne. Als Eger Major Andreas Tangemann und Oberstleutnant Heiner Ahlers dankte, die den abwesenden Oberst Ernst Frost würdevoll vertreten hatten, gab es spontan Applaus. Auch Rockappell und Parade auf der Herrlichkeit genoss der Landrat in Begleitung des Ersten Kreisrats Carsten Harings sichtlich. Die neue Majestät Björn Köhler und der neue Schaffer Thomas Seyffart standen mit den Fähnrichen auf der Empore. Der Schlagabtausch nach Vorbild des bayerischen „Derblecken“ beim Starkbieranstich traf offenbar den Geschmack des Publikums. „Es hat uns gut gefallen“, sagte Klara und Helmut Mahlstede. Und auch Anneke meinte am Ende: „Das war ganz gut.“ Aber vielleicht wollte sie auch etwas besser den Papa sehen.
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