Kette putzen ist Mädchensache
Gildefest Schmuckstück wird für den neuen Kinderschützenkönig poliert
Polierten am Freitag die Königskette auf Hochglanz: viele Mädchen, die sich bei Kinderkönig Pitt Menkens (Mitte) im Garten eingefunden haben. Ergänzt wurde sie durch seine Plakette. BILD: Mirja Zipfel 
von Mirja Zipfel
Wildeshausen - Tradition kann mitunter eine ganz schöne Last sein. Und das ist durchaus wörtlich zu nehmen. Pitt Menkens weiß, wovon er spricht. Der 13-Jährige hatte im Jahr 2010 die Ehre, die mit vielen Plaketten verzierte Kinderkönigskette zu tragen. „Zwei Kilo ist sie schwer“, erzählt er. Ein paar Gramm dürften noch hinzugekommen sein: Getreu dem Brauch der Schützengilde ergänzte der noch amtierende Regent die Kette einen Tag vor dem Kinderschützenfest um eine eigens für ihn entworfene Plakette – eine runde Medaille, auf der Name, Amtszeit und Millerntor eingraviert sind. Warum das Millerntor? „Na, wegen des Stadions. Ich bin doch St-Pauli-Fan.“
Funkelnd und von allen Seiten glänzend soll das gute Stück an diesem Sonnabend dem Nachfolger von Pitt Menkens überreicht werden. Eine Kette, bei der das Messing angelaufen ist, macht sich nicht wirklich gut. Ebenfalls Tradition geworden ist das jährliche Treffen zum Ketteputzen. Und wie es sich für einen König gehört, übernimmt er das nicht selbst – er lässt polieren: von rund 20 Mädchen im Alter von sechs bis 14 Jahren.
„Zuhause putze ich nicht so gerne“, verrät die e Katharina (9). Aber fürs Kette wienern habe sie gerne eine Ausnahme gemacht. Mit ihrer Freundin Antonia sitzt sie gemütlich im Garten und schaut sich die goldenen und silbernen Abzeichen an, deren älteste aus dem Jahr 1832 stammt. „Es könnte auch 1828 sein. Die Schrift ist schon reichlich verwittert“, sagt Gerd Tschöpe. Der Schützenbote gibt gemäß den Statuten die große Kette an den Kinderkönig aus.
„Eigentlich“, berichtet er, „wäre sie sogar noch viel schwerer, weil sie aus 86 Plaketten besteht.“ Das sei aber dem Schützennachwuchs nicht zuzumuten. Deswegen sind die restlichen in Vitrinenkästen im Rathaus ausgestellt. Auch ein anderer König hat das prunkvolle Schmuckstück etwas genauer unter die Lupe genommen: „Ich könnte nicht sagen, welche schöner ist“, lautet die diplomatische Auskunft von Gildekönig Björn Köhler. Bei einer Sache ist er sich aber sicher: „Meine ist nicht schöner, aber mit knapp fünf Kilo deutlich schwerer.“
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