OLDENBURG, 1. Februar 2012


Medienschelte vor Hauptgang serviert

60. Gilde-Abend Neuer Unionsvorsitzender Ulrich Mann mit Rundumschlag bei seiner Premiere


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Aufgetischt: Mehr als 450 Gäste kamen am Montagabend zum Gilde-Abend der Gesellschaft Union. BILD: Torsten von Reeken  Bild vergrößern

Oberbürgermeister Gerd Schwandner lobte die Internationalität Oldenburgs. 450 Gäste kamen zu Grünkohl und Rotwein.

von M. Exner Und J. Rittner

Oldenburg - Alle paar Jahre bietet der Gilde-Abend seinen Gästen besonderen Gesprächsstoff. Dies war auch bei der 60. Auflage des Grünkohlessens der Gesellschaft Union am Montagabend in der Weser-Ems-Halle wieder so. Dabei stand nicht etwa der Festredner BLB-Chefanalyst Folker Hellmeyer (die NWZ  berichtete) im Mittelpunkt. Sondern der Rundumschlag des neuen Unionsvorsitzenden Ulrich Mann gegen die Medien.

Im Unterschied zu seinen Vorgängern, die sich regelmäßig mit Standortpolitik auseinandergesetzt hatten, sparte sich Ulrich Mann diesen Part und widmete sich gesellschaftlichen Fragen. Da hatte er als „wesentliche Quelle des Übels“ mangelnden Respekt vor Meinung und Lebensleistung des anderen ausgemacht und sah die Medienvertreter in der Verantwortung. Die würden nicht müde, gegenüber „Menschen mit Migrationshintergrund Respekt einzufordern“, doch „auf den Feldern, die die selbst ernannten Gralshüter der Moral für sich gepachtet zu haben meinen, sieht es leider ganz anders aus“ sprach Ulrich Mann und brach (in dieser Reihenfolge) eine Lanze für den Papst, Ex-Minister Karl-Theodor zu Guttenberg und den Bundespräsidenten.

„Wenn jene Journalisten, die von ihrer Kampagne zum Sturz des Bundespräsidenten auf Teufel komm raus nicht mehr lassen wollen oder – ein paar Nummern kleiner – sich an ihren Kampagnen zum Sturz von Vorstandsvorsitzenden und von lokalen Bürgermeistern ergötzen, wenigstens zugeben würden, dass sie dabei von ihrem beruflich bedingten Jagdfieber getrieben werden“, klagte der Unionsvorsitzende.



Dem eigenen Ego schmeichele es ungemein, wenn sich ein Chefredakteur den Skalp eines Mächtigen in der Wirtschaft oder Bundespolitik oder auch nur in der Lokalpolitik an seinen Gürtel hängen könne. Und naturgemäß sei es für diese Berufssparte das Allergrößte, erfolgreich einen Bundespräsidenten zur Strecke gebracht zu haben.

Zwar gehe es den Medien bei ihren „Kampagnen gegen Päpste, Präsidenten, Minister und Bürgermeister“ angeblich stets nur um Aufklärung und Moral. Erstaunlich sei nur, dass deren Vertreter offenbar fest davon überzeugt seien, dass sie und nur sie die Maßstäbe für richtig und falsch, für gut und böse setzten.

Unter Bezug auf die zwei im Rat gescheiterten Abwahlanträge gegen Oberbürgermeister Gerd Schwandner würdigte Mann dessen Engagement „für unsere Stadt Oldenburg“ und wünschte ihm „weiterhin ein so gutes Händchen, Anerkennung und hier und da auch eine Prise Dankbarkeit“. Die Zuhörer quittierten die Premierenrede des neuen Vorsitzenden mit eher verhaltenem Beifall.

Schwandner sagte in Anspielung auf die vor fünf Jahren an gleicher Stelle gegen ihn gerittene Attacke von Mann-Vorgänger Jörg Howaldt, es passiere ihm nicht das erste Mal, dass beim Gilde-Abend die aufeinanderfolgenden Reden nicht zueinander passten. Der Oberbürgermeister hielt es mit eigener Tradition: „Ich mache das, was ich damals gemacht habe – ich halte meine Rede.“

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Im Gegensatz zum Vorredner setzte Schwandner deutliche Akzente beim Thema Internationalität – sowohl nach außen (China/Südafrika) wie nach innen (Flüchtlinge). Bei Internationalität gehe es nicht nur ums Geschäft, sondern auch um Verständnis, Empathie, Hilfe und Unterstützung.

Harmonisch verlief die traditionelle Spendensammlung. Sie galt diesmal der Anschaffung eines Baby-Notarztwagens, die auch im Mittelpunkt der NWZ -Weihnachtsaktion steht.



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