Handballfrauen stürzen böse ab
Em 2010 Vorrunden-Aus der deutschen Mannschaft wird Konsequenzen haben
Harte Landung auf internationalem Parkett: Die deutsche Spielführerin und frühere Oldenburgerin Nina Wörz BILD: DPA 
von Frank Mebik
Larvik - Nach der historischen Pleite entschwebten die deutschen Handballerinnen am Wochenende in ihre Heimat: Die EM war längst noch nicht beendet, da hatte für die Deutschen die schmerzhafte Analyse nach dem erstmaligen Scheitern in der Vorrunde einer Europameisterschaft bereits begonnen.
Erst danach will Bundestrainer Rainer Osmann Konsequenzen verkünden. „Ich muss das alles erst einmal verdauen und in Ruhe analysieren“, sagte der Eisenacher. Fakt ist: Entweder der Trainer oder die enttäuschenden Routiniers werden der „Schmach von Larvik“ zum Opfer fallen. Noch steht der Deutsche Handball-Bund (DHB) zu seinem Trainer.
Doch die Zeit drängt, denn nun steht die schwierige Olympia-Qualifikation für London 2012 vor der Tür. Durch den 13. Rang im EM- Klassement findet sich die DHB-Auswahl am kommenden Sonntag bei der Auslosung der Qualifikationsspiele zur WM 2011 in Brasilien im Topf mit den schwächeren Mannschaften wieder. Damit drohen Qualifikationsspiele gegen ein europäisches Spitzenteam. Scheitern die Deutschen im Juni 2011 in der WM-Qualifikation, bedeutet dies das Olympia-Aus.
„Die EM war ein großer Rückschlag für den Frauen-Handball, doch noch ist nicht alles verloren“, meinte der stellvertretende Vorsitzende der Handball Bundesliga Frauen (HBF), Kay-Sven Hähner. Er war in Larvik Augenzeuge und bilanzierte: „Alle Experten und auch die, die nichts vom Handball verstehen, haben erkannt, dass es keine Mannschaft war. Es war nur eine Ansammlung von Individualisten.“
Hähner fordert die Verantwortlichen auf, alles zu hinterfragen, denn „mit Sicherheit hatte man die besten Einzelspieler. Doch uns haben Mannschaften geschlagen, die als Team aufgetreten sind.“ Für Hähner kann eine Aufarbeitung der Vorkommnisse nur gelingen, wenn man schonungslos Ursachenforschung betreibt. „Frauen-Mannschaften ticken anders als Männer, da gibt es immer noch andere Probleme. Diese Dinge muss man erkennen und Zusammenhänge verstehen“, betonte der 40-Jährige.
Beim EM-Team, das längst die Heimreise antrat, herrschte Ratlosigkeit und Entsetzen. „Keine hat auch nur ansatzweise ihre Form abgerufen“, klagte Spielführerin Nina Wörz. „Wir haben 60 Minuten lang wie Zombies auf dem Feld gestanden“, sagte die völlig überforderte Kreisläuferin Anja Althaus.
Auch Rekordspielerin Grit Jurack war meilenweit von ihrer Bestform entfernt. Nach der fatalen 23:33-Niederlage gegen die Ukraine hatte Osmann von „personellen Konsequenzen“ gesprochen. Ob er sich selbst oder die Routiniers Jurack, Wörz und Althaus meinte, ließ er offen.
Der DHB will jedenfalls an Osmann festhalten. „Eine Trainerdiskussion findet nicht statt. Wir sind gewillt, den bis Ende 2012 laufenden Vertrag einzuhalten. Nach Weihnachten werden wir uns in Ruhe mit der Bundesliga zusammensetzen“, sagte DHB-Vizepräsident Horst Bredemeier.
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