Alltagstaugliche Lösungen finden
Alterszahnheilkunde Funktionalität meistens wichtiger als die Optik
Der Oldenburger Zahnarzt Axel Zahn behandelt seine Patienten seit knapp 20 Jahren, wenn nötig, auch direkt im Alten- oder Pflegeheim. BILD: Klaus Hilkmann 
von Klaus Hilkmann
Oldenburg - „Wer nicht mehr richtig zubeißen kann, kaut und zerkleinert die Nahrung nicht mehr ausreichend oder verzichtet ganz auf lebensnotwendige Lebensmittel“, erklärt Axel Zahn, Zahnarzt für Implantologie, Paradontologie und Alterszahnheilkunde mit Praxis in Oldenburg. Die Folge seien neben mitunter jahrelangen Schmerzen und einer mangelhaften Ernährung häufig auch Schwierigkeiten mit der Verdauung sowie zum Beispiel schwere Erkrankungen des Magen- und Darmtraktes.
Vor allem ältere Frauen würden – nicht zuletzt aus Furcht vor den (Selbst)-Kosten – oftmals lange Zeit heftige Beschwerden ertragen, bevor sie Hilfe bei einem Zahnarzt suchen. Um unnötige Leidenszeiten zu vermeiden, sollte man sich bei Problemen mit maroden Zähnen oder einer nicht mehr sitzenden Prothese möglichst frühzeitig von einem Zahnarzt des Vertrauens bzw. seiner Krankenkasse über im Einzellfall sinnvolle und machbare Therapiemöglichkeiten beraten lassen.
Substanz erhalten
Für die Behandlung seiner älteren Patienten nimmt sich Axel Zahn aus einem einfachen Grund in der Regel besonders viel Zeit für das Vorgespräch: „Entscheidend ist stets, den Menschen die Angst vor der Behandlung zu nehmen und herauszufinden, worauf es dem jeweiligen Patienten ankommt.“ So sei vielen älteren Menschen der Erhalt der noch bestehenden Substanz wichtiger als die Optik. „Wer 80 Jahre und älter ist, legt in der Regel mehr Wert auf eine alltagstaugliche Lösung, als auf ein jugendliches Aussehen.“
Axel Zahn behandelt nicht nur in seiner eigenen Praxis viele ältere Patienten. Seit fast 20 Jahren hilft er zudem mit einer, in einem kleinen Koffer untergebrachten „Mobilpraxis“ regelmäßig im Altenheim lebenden Patienten, bei denen die Zahnbehandlung in einer „normalen“ Praxis nicht möglich ist. Neben sehr alten Menschen behandelt er unter anderem auch demenzkranke oder behinderte (Zahn)-Patienten.
Neben der Unterstützung durch die Pfleger und die Angehörigen vor Ort sei dabei mitunter auch die Absprache mit dem behandelnden Allgemein- oder Facharzt notwendig. So müsse er von Fall zu Fall entscheiden, ob eine mobile Versorgung am Pflege- bzw. Krankenbett möglich sei, so Axel Zahn: „Bei schwer kranken Menschen ist mitunter die Überweisung in eine Klinik für die Zahnbehandlung die bessere Lösung, weil man dann bei möglichen Komplikationen auf der sicheren Seite ist.“ Mitunter komme es auch vor, dass er die Behandlung – um den Patienten zu schonen – auf das Notwendigste beschränke oder ganz davon abrate.
Wenn der Allgemeinzustand der Patienten vergleichsweise gut ist, sei die Zahnarztbehandlung für die Herstellung des richtigen „Bisses“ ebenso gut vor Ort im Altenheim wie in der Praxis möglich. Auch bei älteren Menschen sei längst nicht immer ein Totalersatz erforderlich. Viele könnten lebenslang im wesentlichen mit ihren eigenen Zähnen auskommen, so Axel Zahn. Für ein funktionsfähiges eigenes Gebiss benötige man etwa 20 der ursprünglich 32 Zähne. Im Ober- und Unterkiefer seien auf jeder Seite jeweils fünf belastbare Zähne notwendig, um vom Apfel bis zum Zanderfilet alle (über)lebenswichtigen Nahrungsmittel ausreichend verarbeiten zu können.
Vernünftige Zahnpflege
Wenn das Gebiss bereits zu viele Lücken aufweise, könne man den Patienten mit verschiedenen Lösungen für einen funktionalen Zahnersatz helfen. Auch wegen der im Vergleich zu Implantaten geringeren Kosten würden sich die meisten Patienten im Fall der Fälle für eine Prothese entscheiden. Für diesen vom Zahnarzt angepassten Ersatz sei es wichtig, wie viele Zähne noch erhalten seien und als „Stütze“ genutzt werden könnten. Gut für einen sicheren Halt der Prothese ist vor allem, wenn Eck- oder Backenzähne noch intakt sind, berichtet Axel Zahn: „Diese besonders kräftigen Zähne können dann wie ein Anker genutzt werden.“
Damit es erst gar nicht zum Zahnersatz in jüngeren Jahren oder im Alter komme, sollte man schon ab der Kindheit auf eine vernünftige Zahnpflege achten. Neben der täglichen Mundhygiene mit Bürsten und Zahnseide sei dafür auch ein regelmäßiger Zahnarztbesuch erforderlich, um zum Beispiel Zahnzwischenräume säubern zu können, die man mit herkömmlichen Zahnbürsten kaum erreichen könne.
steigt mit zunehmenden Jahren an. Zudem verändern sich mit dem Alter in Folge von Atrophie (Knochenabbau) oftmals die Kieferknochen. Weil sie dann einfach nicht mehr mit dem veränderten Knochengerüst übereinstimmt, ist eine mit 40 oder 50 noch tadellos passende Prothese im Alter in vielen Fällen nicht mehr funktionsfähig und muss erneuert werden, so der Oldenburger Zahnarzt Axel Zahn. Dessen ungeachtet ist auch die Haltbarkeit der besten Zahnprothese begrenzt.
Das Risiko, an Wurzel- oder Sekundärkaries zu erkranken, ist bei Menschen ab 55 besonders groß. Diese besonders zahnschädigenden Formen der Zivilisationskrankheit Karies können durch eine gezielte Prophylaxe deutlich reduziert werden, betont die Bundeszahnärztekammer. Wurzelkaries entsteht vor allem in Folge eines Rückgang des Zahnfleisches. Dann liegen Zahnwurzelflächen frei und können vermehrt von Bakterien angegriffen werden. Sekundärkaries entsteht vor allem im Randbereich von bereits befallenen Zähnen.
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