Hochschulförderung:
Hoffnung auf neuen „Energieschub“

Wissenschaft will bei Exzellenzinitiative letztes Wort haben

Vor zehn Jahren riefen Bund und Länder die Exzellenzinitiative für Spitzenforschung aus. Jetzt ziehen Experten Bilanz.

Berlin Zehn Jahre ist es her, seit Bund und Länder ihre Exzellenzinitiative für Spitzenforschung ausriefen. Heute weiß man: Das Milliarden-Programm hat frischen Wind an die Unis gebracht und das Image der deutschen Wissenschaft international aufpoliert. Diese Woche ziehen Experten Bilanz, sie wird positiv ausfallen.

Forschungsministerin Johanna Wanka (CDU) erhofft sich von einer Fortsetzung der Exzellenzinitiative nach 2017 „einen weiteren Energieschub für die Wissenschaftslandschaft“ in Deutschland. Wanka sagte in Berlin: „Wir wollen insbesondere die Spitzenforschung stärken, damit die deutschen Hochschulen im internationalen Wettbewerb ganz vorn mitspielen.“

Eine vom Schweizer Wissenschaftsmanager Dieter Imboden geleitete Expertenkommission stellt am Freitag ihre Bewertung der Initiative von Bund und Ländern vor. Die große Koalition will für eine dritte Runde mindestens vier Milliarden Euro von 2018 bis 2028 sowie eine Milliarde für bessere Karrierewege junger Wissenschaftler bereitstellen.

Wanka machte deutlich, dass sie ein gesundes Elite-Denken bevorzugt gegenüber einer zu breiten Streuung der Mittel. „Ich bin für Leucht­türme in der Spitzenforschung. Es hat sich seit Beginn der Exzellenzinitiative bewährt, wirklich Exzellenz zu fördern.“

Derweil warnen die Hochschulen vor zu viel politischer Einflussnahme. „Für uns ist vor allem wichtig, dass es weiter ein wissenschaftsgeleitetes Verfahren gibt, dass also die Wissenschaft das letzte Wort gegenüber allen anderen Interessen hat“, sagte der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Horst Hippler. „Für uns als Hochschulen ist auch wichtig, dass sich die Förderungsdauer von bisher fünf Jahren erhöht.“

Sollte der Zeitplan für den mehrstufigen Wettbewerb bis zum Auslaufen der Exzellenzinitiative Ende 2017 – wie von Experten befürchtet – zu knapp werden, „wäre eine einjährige Überbrückungsfinanzierung die Lösung, keinesfalls aber Abstriche bei der Qualität des Verfahrens“, sagte der HRK-Chef am Dienstag.

Konsens in den Parteien und im Wissenschaftssystem sei, „dass man die sogenannten Exzellenz-Cluster weiter fördern sollte“, so Hippler. Konsens sei ferner, „dass die Graduiertenschulen wohl wegfallen werden, weil jede größere Einrichtung und Hochschule so etwas inzwischen hat“. Die drei Förderlinien waren bisher die auch international sichtbaren Exzellenz-Cluster, Graduiertenschulen für die Qualifizierung herausragender Doktoranden und Zukunftskonzepte für den Ausbau universitärer Spitzenforschung an Exzellenz-Unis.

Der SPD-Bildungspolitiker und stellvertretende Fraktionschef Hubertus Heil sagte: „Das Herzstück der Initiative waren und sind die Exzellenz-Cluster – es gibt gute Chancen, unter dem Stichwort Exzellenzzentren diesen Ansatz fortzuführen.“ Außerdem müssten Bund und Länder von der „Kurzatmigkeit“ bisheriger Programme wegkommen.

Die hochschulpolitische Linke-Sprecherin im Bundestag, Nicole Gohlke, setzt auf „eine ehrliche und kritische Auseinandersetzung“ mit den Ergebnissen des Programms. Künftig gehe es um einen Dialog „auch mit denjenigen Hochschulen, die bislang nicht von der Exzellenzinitiative profitiert haben“, sagte sie am Dienstag. Die Hochschulfinanzierung müsse „sich an dem Ziel orientieren, der bereits existierenden Spaltung in strukturstarke und strukturschwache Regionen und dem Auseinanderdriften der Hochschullandschaft entgegenzuwirken“.

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Hochschulförderung
Hoffnung auf neuen „Energieschub“
Vor zehn Jahren riefen Bund und Länder die Exzellenzinitiative für Spitzenforschung aus. Jetzt ziehen Experten Bilanz.
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27.01.2016
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