Antike Säulen als Wäscheständer TürkeiLatmos-Berge an der Ägäis ein Geheimtipp für Aktivreisende

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Herakleias Stadtmauern: Von hier aus hat man Ausblick auf den Bafa-See, der Ursprünglich Teil des Latmischen Meerbusens war (oben). – Marmorsäulen: Anderswo landen sie im Museum, im türkischen Dorf Kapikiri stehen sie im Hinterhof (unten). BILDER: REBECCA RASPE Bild vergrößern

HISTORISCHES AUF SCHRITT UND TRITT: WAS DIE WILDE NATUR HIER VERBIRGT, WÜRDE MANCHES ARCHÄOLOGENHERZ HÖHER SCHLAGEN LASSEN.

VON REBECCA RASPE

Kapikiri - Mit den ersten Sonnenstrahlen brüllt ein asthmatischer Esel. Kühe muhen, Hühner stimmen ins Morgenkonzert mit ein. Eine alte Frau in bunten Stoffhosen schlurft verschlafen in ihren Hinterhof, um ihre Kleider zum Trocknen über dem geborstenen Sockel einer 2000 Jahre alten Marmorsäule aufzuhängen. Zeit, aufzustehen und die Wanderschuhe für eine Entdeckungstour zu schnüren.

Kapikiri ist ein winziges Dorf, gelegen am Ufer des Bafa-Sees, in den südwestlichen Ausläufern des mit kantigen Steinbrocken vernarbten Latmos-Gebirges. Als Atatürk die Sesshaftigkeit befahl, hat sich hier eine Handvoll Nomaden niedergelassen, um künftig als Bauer oder Fischer zu leben. Baumaterial gab es genug, denn Kapikiri ruht auf den antiken Ruinen Herakleias, einer 300 vor Christus gegründeten griechisch-hellenistischen Stadt. Wer herausfinden will, was es mit der Geschichte des Ortes auf sich hat, findet in der kleinen, familiengeführten Agora-Pension Hilfe.

Vergangener Prunk

Inhaber Orhan Serçin ist früher selber gerne durch die Schluchten und Gneisfelder des Latmos gestreift und hat daraus die Idee entwickelt, Wander- und Trekkingtouren für kleine Gruppen anzubieten. Heutzutage ist es sein Sohn Mithat, der Besucher durch die Berge führt.

Der 23-Jährige wirkt mit stolzem Bart und Bauch wie ein echter Naturbursche, und tatsächlich braucht man eine etwas robuste Kondition, um ihm über Glimmerschieferplatten und Granitblöcke zu folgen.

Den Rucksack auf, geht es bergauf, immer weiter. Irgendwann, unverhofft, öffnen sich im Olivenhain die im Ovalkreis angeordneten, grasüberwucherten Stufen des antiken Theaters von Heirakleia. Von Mithat erfahren wir: Die Stadt wurde von dem mazedonischen Heerführer Pleistarch, einem Gefolgsmann Alexander des Großen, gegründet und gehörte zum Ionischen Städtebund. Finanziert wurde der Bau vom erbeuteten Persergold.

Reste der einst mächtigen Stadtmauer ziehen sich die zerklüfteten Hänge hinauf. Einer der Wachtürme ist noch gut erhalten. Er gibt den Blick frei auf den glitzernden Bafa-See. „Bafa“ ist ein griechisches Wort und bedeutet „Unechtes Meer“. Ursprünglich war das heutige Naturreservat Teil des Latmischen Meerbusens. Doch im 4. Jahrhundert nach Christus versandete der Zugang zur Ägäis. „Das bedeutete den Untergang der Hafenstadt“, erklärt Mithat.

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Je tiefer man in den Latmos eindringt, desto widerwilliger werden die Felsformationen. Mache der gelb-beige panaschierten Felsblöcke enden abrupt, als seinen sie von Riesenhand abgeschnitten worden. Andere sehen aus wie gewaltige Eier, in deren Inneren die Sonne Schreckliches ausbrütet. Inmitten dieser unwirklichen Welt finden sich weitere Ruinen: die der Stadt Latmos. Sie ist dem Berg aus dem steinernen Gerippe geschnitten. Der natürliche Fels ersetzt ein oder zwei Wände der Häuser bis zur Höhe des Dachs. Die Siedlung wurde 1000 v. Christus von den Karern gegründet. Heute wirken ihre Überreste eher wie eine bizarre Natur-Nekropole, und genau diese Funktion hatte sie auch für die späteren Bewohner Herakleias.

Höhlen und Klöster

Doch nicht nur Karer und Griechen, sondern auch die Christen haben Spuren hinterlassen. In der byzantinischen Zeit zogen sich Mönche in die abgeschiedene Gegend zurück. In einsamen Eremitenhöhlen malten sie Fresken.

Mithat zeigt auf einen höhlenartig eingebuchteten Gesteinsüberhang. Darunter sind in verblichenem Bunt die verkratzen Abbildungen der Apostel zu sehen. 13 Klöster gibt es zudem, besonders schön ist das der Sieben Brüder. Es liegt auf dem gegenüberliegenden Bergrücken, ein Anreiz für den nächsten Tag. Denn jetzt heißt es: Absteigen.


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02.01.2010
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