Denkmal des ungedruckten Artikels
MEDIEN Unveröffentlichte Geschichten von Journalisten werden auf nicht-erschienen.de gesammelt
VON MAIK NOLTE
Oldenburg - Auch dies gehört zum Beruf eines Journalisten: Eine fertige Geschichte, aufwendig recherchiert, korrigiert und redigiert, landet trotz bester Qualität in der sogannten Rundablage – dem Papierkorb. Gründe dafür gibt es viele: Das Thema wurde von der Redaktion verworfen, die Geschichte von aktuellen Ereignisnsen überholt oder sie fiel der allgegenwärtigen Platznot zum Opfer. Diesen Artikeln hat die Münchner Journalistin Tanja Schwarzenbach eine digitale Heimat geschaffen: Auf der Seite nicht-erschienen.de finden die Texte nicht nur ihre letzte Ruhe, sondern vor allem doch noch den einen oder anderen Leser.
Verloren gegangene Artikel
Eigene Erfahrungen gaben den Anlass für die Idee, erzählt Schwarzenbach, die für mehrere Tageszeitungen und Magazine schreibt. „Ich hatte einen Text zu einer Ausstellung in New York verfasst, die in der Redaktion allerdings untergegangen ist“, erinnert sich die 33-Jährige. Als die Ausstellung schließlich endete, wurde die Geschichte obsolet. Zwar erhielt Schwarzenbach ein Ausfallhonorar, fand es aber „schade um den Text, den ich eigentlich ganz gelungen fand“. Dies war die Geburtsstunde des virtuellen Artikelfriedhofs.
Um die Seite schnell mit Inhalten zu füllen, steuerten befreundete Kollegen eigene nicht erschienene Texte bei. Mittlerweile reichen Journalisten aus ganz Deutschland ihre Arbeiten ein – Tanja Schwarzenbach und ihre Mitstreiterin Ines Alms haben gut mit der Betreuung der Seite zu tun.
Die Geschichten, die hier dann doch noch erscheinen, haben gemeinsam, dass sie nicht etwa aufgrund mangelnder Qualität unberücksichtigt geblieben sind. Die Gründe, weshalb sie ihr Schattendasein fristen mussten, sind jeweils angegeben: In einem Fall wurden irrtümlich zwei Journalisten auf dasselbe Thema angesetzt – gedruckt wurde indes nur eine Geschichte.
In anderen Fällen schafften es aus einem langen Interview nur wenige Sätze in den fertigen Artikel; das restliche Gespräch lässt sich nun immerhin online nachlesen.
Weihnachts-Würste
Und eine Fotogalerie, die die Weihnachtsgeschichte mit Würsten darstellte, war von der Redaktion gekippt worden, da man den Unmut der Leser fürchtete. Gleichwohl kommt es auch bei nicht-erschienen.de vor, dass Artikel es nicht auf die Seite schaffen. „Zumeist liegt das daran, dass die eingereichten Texte viel zu lang sind“, erklärt Schwarzenbach: „Die zu redigieren übersteigt unsere Kapazitäten.“ Bei 15 000 Zeichen sollte Schluss sein. Auch Artikel, die sich mit „zu speziellen Themen“ – etwa auf lokaler Ebene – befassen, fallen in der Regel durchs Raster.
Von den Verlagen und Redaktionen bekomme sie positives Feedback, sagt Schwarzenbach – und von den Autoren sowieso, die sich dank der Seite die Mühe des Artikelschreibens nicht ganz umsonst gemacht haben. Dies sei im besten Fall auch wörtlich zu verstehen: Manche Texte auf nicht-erschienen.de konnten nachträglich doch noch verkauft werden.
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