Warum das Getöse?

PROTEST GEGEN GENERAL MOTORS


VON RÜDIGER ZU KLAMPEN

Man sollte sich einmal ausmalen, wie es amerikanischen Politikern, Investoren oder auch dem einfachen US-Bürger auf der Straße – Mr. Smith aus dem Mittleren Westen – ergeht, wenn sie in diesen Tagen einen TV-Beitrag über die Vorgänge rund um Opel erleben.

Deutsche Politiker und Belegschaftsvertreter haben den US-Autoriesen General Motor (GM) vor laufenden Kameras quasi zum Feindbild aufgebaut, teils beleidigt und mit übermäßigen Forderungen für seine künftige Unternehmenspolitik überschüttet. Gewerkschafter häufen „Bedingungen“ für Gespräche auf – die in Wahrheit doch unausweichlich kommen müssen. Denn so wie bisher kann es bei GM und Opel nicht weitergehen.

Warum das extreme Getöse um einen Autobauer, der rote Zahlen schreibt? Es drängt sich der Verdacht auf, dass die Akteure dieser Tage von blamablen eigenen Fehlern bei Opel ablenken wollen. Mancher hatte sich zum Arbeiterführer aufgeschwungen und viel versprochen – zu viel, wie sich herausstellte.

Landesfürsten und Bundesregierung hatten sich auch viel zu früh auf eine der Varianten für Opel festgelegt: für den Zulieferer Magna. Dabei haben sie sich maßlos überschätzt und den Menschen im Lande etwas vorgegaukelt – auch, dass sie selbst die Dinge maßgeblich in der Hand haben.

Tatsächlich aber fallen die Entscheidungen zu Opel weiter bei der bisherigen (und künftigen) Konzernmutter General Motors in Detroit, die blitzschnell aus der Insolvenz wieder aufstieg. Sie hat den zuweilen naiven deutschen Politikern ihre Grenzen aufgezeigt. Sicher, auch GM will Geld vom Staat, um die Werke zu restrukturieren. Und dafür sollte man Gegenleistungen verlangen. Das kann aber in sachlicher Atmosphäre geschehen.

Deutsche Spitzenpolitiker in Berlin, aber auch in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Rheinland-Pfalz sollten ihre Rolle überdenken. Wenn es um Opel geht, heizen sie die Atmosphäre seit Monaten unerträglich auf. Was sollen die vielen Mittelständler dazu sagen, um die sich kaum einer der großen Selbstdarsteller wirklich kümmert?

Den Autor erreichen Sie unter zu.klampen@infoautor.de

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06.11.2009
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