Jeder sechste EU-Bürger gilt als arm
SOZIALES 80 Millionen Menschen fehlt es am Nötigsten – Kampagne geplant
Brüssel - Jeder sechste Bürger in der Europäischen Union ist von Armut bedroht – so lautet das alarmierende Resultat der jüngsten Berechnungen des Europäischen Statistikamts. Alarmierend vor allem deshalb, weil sich diese Zahl seit fünf Jahren trotz aller guten Vorsätze der Politik nicht verändert hat.
Fast 80 Millionen Menschen zwischen Finnland und Malta müssen den Angaben der Europa-Statistiker zufolge finanziell mit weniger als 60 Prozent dessen auskommen, was einem typischen Nachbarn in ihrem Land zu Verfügung steht. Jeder elfte EU-Bürger könne sich nicht einmal alle zwei Tage eine vollwertige Mahlzeit mit Fleisch, Fisch oder der vegetarischen Entsprechung leisten. Jeder Zehnte habe nicht einmal das Geld, um seine Wohnung ausreichend zu heizen. Und in vielen Fällen sind es sogar Menschen mit einem Arbeitsplatz, die zu wenig Geld haben, um ihre Grundbedürfnisse zu befriedigen.
Besonders gravierend sind die Probleme im Südosten Europas. Aber auch Deutschland ist alles andere als eine Insel der Glückseligen. 15 Prozent der Bundesbürger – also fast so viele wie im EU-Schnitt (17 Prozent) – liegen unter der Armutsschwelle, das heißt, sie haben weniger als 10 600 Euro pro Jahr für ihr Leben. In Luxemburg, der Niederlande oder Österreich ist die Armen-Quote niedriger, obwohl das jährliche Nettoeinkommen, ab dem Menschen als armutsgefährdet gelten, dort sogar noch höher liegt als in Deutschland.
Auf der anderen Seite gibt es Staaten wie Rumänien, wo Männer und Frauen erst als arm gelten, wenn sie über weniger als 1900 Euro jährlich verfügen – und 23 Prozent der Gesamtbevölkerung zu dieser Gruppe gehören.
Die EU-Kommission sieht sich durch diese Zahlen bestätigt, den Kampf gegen Armut zu forcieren. Die Brüsseler Behörde hat 2010 zum Europäischen Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung erklärt und plant Informationskampagnen.
Dabei scheint es gar nicht nötig, die Europäer darauf aufmerksam machen zu müssen, dass es in ihrer Nachbarschaft Armut gibt. Denn fast drei Viertel aller EU-Bürger sagen, dass Armut in ihrem Land weit verbreitet ist. In Deutschland sind sich 72 Prozent der Einwohner bewusst, dass es vielen ihrer Mitmenschen am Nötigsten fehlt.
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