Im Kalthaus von 1955 bleiben Lebensmittel frisch

GESCHICHTE Ganze Dorfgemeinschaft nutzt das Gebäude nach wie vor


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Fleisch, Gemüse und Speiseeis werden von der Dorfgemeinschaft in dem Kühlhaus gelagert. Heinrich Tietje (Bild) ist Vorsitzender der Gefriegemeinschaft in Hohne. BILD: DPA Bild vergrößern

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Hohne - Die meisten jungen Menschen runzeln ungläubig die Stirn, wenn sie nach einem Kalthaus gefragt werden. Die Älteren sind irritiert: „Gibt es das überhaupt noch?“ In Zeiten, in denen fast jeder eine Gefriertruhe zu Hause hat, gehört das von einer ganzen Dorfgemeinschaft genutzte Kühlhaus zum Einfrieren von Lebensmitteln beinahe überall in Niedersachsen der Vergangenheit an.

In Hohne im Landkreis Celle gibt es jedoch noch solch ein seltenes Exemplar. Mitten im Dorf steht ein kleines, rotes Backsteingebäude mit der Aufschrift „Kalthausgemeinschaft Hohne 1955“. Heinrich Tietje ist seit 1987 Vorsitzender des Kalthaus-Vereins und damit einer der ältesten niedersächsischen Gefriergemeinschaften. Auf einem 74 Quadratmeter großen, gepachteten Grundstück unterhält der Verein ein Kalthaus für seine rund 40 Mitglieder.

Fleisch, Gemüse, Speiseeis – ja selbst die Weihnachtsgans oder der Wildschweinbraten – werden hier in den insgesamt 90 zur Verfügung stehenden Fächern gelagert. Das Gebäude ist voll belegt, kein Fach mit einem Fassungsvermögen von 100 beziehungsweise 200 Litern ist noch frei. „Im Gegenteil, wir haben sogar eine Warteliste“, berichtet Tietje.

„Das Kalthaus besteht aus vier Räumen“, erklärt Tietje. Im Maschinenraum rattert immer noch eine alte Linde-Kühlanlage aus dem Jahr 1955. Eines der beiden Kühlaggregate wurde 2001 ausgetauscht, weil die Dichtungen nicht mehr für die modernen Kühlmittel geeignet waren. „Das zweite Aggregat läuft aber noch wie am Schnürchen“, erzählt der Vereinsvorsitzende. Für den Fall, dass das Aggregat doch einmal ausfallen sollte, habe er schon ein etwas moderneres Ersatzteil vorrätig, sagt er und deutet auf ein weiteres Kühlaggregat an der Wand.

Das Herzstück des Kalthauses ist der sogenannte Froster, der seinem Namen gerecht wird. Bei eisigen Temperaturen von minus 25 Grad werden die Nahrungsmittel dort innerhalb von zwölf Stunden komplett durchgefroren. „Das schafft keine noch so moderne Gefriertruhe. Die braucht dafür etwa einen Tag lang“, weiß Tietje. „In der Nachkriegszeit entstanden Kalthäuser in vielen Orten“, erzählt

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die Kalthauswartin Adelheid Grunert. Seit 1987 hat die nunmehr 70-Jährige die Schlüsselgewalt über die gemeinschaftlich genutzte Gefriertruhe. „Damals wurde oft mehrmals im Jahr geschlachtet, und das Fleisch konnte in Kalthäusern eingefroren und haltbar gemacht werden. Den Hausfrauen blieb so das arbeitsaufwendige Einkochen, Salzen und Pökeln erspart“, sagt sie.


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20.08.2008
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