Varel bald globale Technologieschmiede
AEROPARK Uwe Fresenborg treibt mit neuem Verein weltweites Netz und modernste Techniken voran
Eine der bemerkenswertesten Baustellen im Nordwesten: Aeropark in Varel. Links der Werksleiter von Premium Aerotec, Uwe Fresenborg. BILDER: HANS BEGEROW/PA 
Varel - Wenn man auf der Fahrt von Varel nach Jaderberg in Neuenwege rechts abbiegt und die A 29 überquert, eröffnet sich ein beeindruckendes Panorama: Eine riesige Fläche neben dem Werk des Flugzeugbau-Zulieferers Premium Aerotec, fertig planiert zur Bebauung. „Aeropark Varel", prangt der Projektname auf einem Schild.
Hier läuft eines der anspruchsvollsten Projekte des Nordwestens an: Ein Ausbildungszentrum auf nationalem Spitzenniveau, ein zukunftsträchtiges Technologiezentrum und ein Werk von Thyssen-Krupp Aerospace.
Strategisch mit am wichtigsten: Es wird ein Netzwerk für modernste Verfahren in der Zerspanungstechnik geknüpft. „Machining Innovations Network“ (Netz für innovative Zerspanungstechnologie) ist der Name des soeben gegründeten Vereins, der dies koordiniert. Und der Vorsitzende ist Uwe Fresenborg.
Der „Vice President“ von Premium Aerotec und Werkleiter in Varel will aber keinen nostalgischen Luftfahrtverein. Der athletische 44-Jährige verfolgt ehrgeizige Ziele: Er will Varel zum deutschen, ja sogar „globalen Wissens-Zentrum“ für Zerspanungstechnologien machen. Ein Schwerpunkt dabei: die Hochleistungszerspanung. Varel ist „das“ Werk für anspruchsvolle Strukturteile wie Spanten, die aus Metallblöcken (meist Aluminium) herausgefräst werden. Und diese Rolle soll es auch bei künftigen Jets – mit deutlich höheren Anteilen von Verbundwerkstoffen und Titan – spielen. Das wird aber nur gehen, wenn man bei Produktionsverfahren und Effizienz vorn ist, erläutert Fresenborg.
Er weiß, wovon er spricht. Seit 21 Jahren ist Fresenborg in der Luftfahrtbranche tätig. Er hat in Bremen Flugzeugbau studiert, 1989 als Konstrukteur bei MBB angefangen und beim Nachfolgekonzern Airbus verschiedenste Projekte im Stab, in Entwicklung und Produktion in Hamburg und Toulouse betreut, bis hin zur riesigen A 380.
Und er ist ein Kind des Nordwestens. Fresenborg stammt aus Cloppenburg. Er machte sein Abitur in Delmenhorst. Mehrere Jahre hat er mit Frau und zwei Söhnen in Ganderkesee (Kreis Oldenburg) gelebt. Er sagt: „Ich bin Norddeutscher.“
Seit Ende 2008 ist der 44-Jährige Werkleiter. „Das sind gute Leute hier", sagt er über die 1250 Mitarbeiter. „Sie packen die Dinge an." Und Fresenborg lobt das Umfeld: „Die Stadt, der Landkreis, das Land Niedersachsen, der Betriebsrat – alle ziehen mit, wollen den Standort nach vorn bringen, freut sich der Macher, über die Pläne für den Aeropark gebeugt. Ein erster Spatenstich ist bereits erfolgt – für das überbetriebliche Metall-Ausbildungszentrum, mit dessen Standards man sich nachhaltig vom Üblichen absetzen wolle. Die Azubis (zur Hälfte von Premium Aerotec) werden schon bald „gleich nebenan“ im Technologiezentrum mit gerade entwickelten Maschinen und Verfahren umgehen, die es in der Produktion noch gar nicht gibt, schwärmt Fresenborg. Das werde motivieren und auf die ganze Region ausstrahlen.
Schon jetzt herrscht, eher unsichtbar, Hochbetrieb in dem neuen Verein. Fresenborg hatte zur Vereinsgründung im Februar 28 hochkarätige Fachleute aus Hochschulen, Forschung, Firmen im In- und Ausland, sogar aus den USA und Japan, sowie Kreis und Stadt gewonnen – und einige gleich in den Vorstand geholt. Jetzt laufen die ersten sechs Forschungsprojekte an, alle im Verbund von Premium Aerotec und Partnern. Da geht es etwa darum, Aluminium durch Kohlefaser abzulösen, großflächige Maschinengruppen durch integrierte, flexible Fertigungszellen zu ersetzen oder mit fünf Fräs-Achsen gleichzeitig an Titanteilen zu arbeiten.
Unterm Strich müsse die Effizienz steigen und die Kosten sinken, erläutert Fresenborg im Werk, zwischen Spanten für die A 380, Tankwänden für die A 320-Familie und dem Lufteingang für das Eurofighter-Triebwerk – alles aus Metallblöcken gefräst, etwa 3,6 Millionen Stück pro Jahr. Für jede Gruppe müsse Varel sich neu „bewerben“, sagt der Chef ernst. Da gebe es aber gute Erfolge, wie u.a. die Aufträge für Landeklappen-Komponenten oder Tür-Torrahmen für die A 350 zeigen.
„Ein schöner Standort", sagt Fresenborg mit Blick aus dem Fenster seines Büros im ersten Stock. Die Impulse aus dem neuen Verein für innovative Zerspanungstechnologie und dem ganzen Aeropark sollen Varel dauerhaft an die Spitze von Ausbildung, Wissen und Anwendung setzen. Die Dynamik sei schon zum Start „extrem hoch“. „Wenn wir dieses Baby zum Laufen kriegen – das wäre richtig toll“, freut sich Fresenborg.
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