Große Klassen sorgen für große Proteste

SCHÜLERDEMONSTRATION Tausende gehen auf die Straße Kritik an Turbo-Abi und Lehrplan-Stress


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Großdemonstration: Tausende Schülerinnen und Schüler protestierten gegen die Schulpolitik. BILD: TORSTEN VON REEKEN Bild vergrößern

VON THOMAS HUSMANN

OLDENBURG - Überdruck sucht ein Ventil: Ihrem Ärger über die Niedersächsische Schulpolitik machten am Donnerstag nach Angaben der Veranstalter rund 7000 Schülerinnen und Schüler auf einer Großdemonstration durch die Innenstadt Luft. Die Polizei sprach von 5000 Teilnehmern.

„Der Druck, der auf uns ausgeübt wird, ist riesig“, weiß Schülersprecher Paul Pistorius. Turbo-Abitur nach zwölf Jahren, Leistungsdruck in allen Schulformen, schlechtes Lernklima in den Klassen und Kursen, schilderte der 18 Jahre alte Schüler des Alten Gymnasiums die Situation. Neun Unterrichtsstunden am Tag, nachmittags auch in den Hauptfächern, 40 Jugendliche in einem Kurs, die gemeinsam Spanisch lernen sollen, Klassen mit mehr als 30 Schülern – das sei die Realität.

Das Abitur nach zwölf Jahren hat gravierende Auswirkungen auf den jetzigen neunten und zehnten Jahrgang, die gemeinsam ihr Abitur machen, studieren und auf den Arbeitsmarkt drängen.

Die Demonstration hatte sich auf dem Bahnhofsvorplatz formiert und war über Pferdemarkt, Peterstraße und Theaterwall zum Schlossplatz gezogen. Auf der Abschlusskundgebung bezeichnete GEW-Bezirksvorsitzender Dieter Knutz die als Reformen angekündigten Veränderungen im Schulsystem als verkappte Sparmaßnahmen. Bildung verkomme zu einer Ware, von der benachteiligte Familien ausgeschlossen würden. Leistungsdruck, Arbeitsverdichtung und künstlich geschürtes Konkurrenzdenken seien nicht zielführend. „Wir brauchen mehr Zeit für Pädagogik“, forderte Knutz. Erforderlich seien Schulen, die Perspektiven für das weitere Leben böten. In Niedersachsen müssten 2000 Lehrkrafte eingestellt werden, um Chancengleichheit und soziale Gerechtigkeit herzustellen.

Während der Demo kam es rund um den Wallring zu erheblichen Verkehrsbehinderungen, auch die Busse der VWG und Weser-Ems-Bus hatten Verspätung. Polizeieinsatzleiter Norbert Münch zog eine positive Bilanz, es sei zu keinerlei Zwischenfällen gekommen, die Schülerinnen und Schüler hätten sich sehr diszipliniert verhalten.

In einigen Schulen hatten laut Pistorius Direktoren massiv Druck ausgeübt, um die Teilnahme am Schulstreik zu unterbinden – mit geringem Erfolg, wie sich zeigte.



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    13.06.2008
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