Umweltschützer warnen vor Kohlendioxid-Leitung
KRAFTWERKE Pipeline soll mitten durchs Oldenburger Land führen – Selbst Energiekonzern räumt mögliche Gefahr ein
VON ELMAR STEPHANR/WILHELMSHAVEN/OLDENBURG
Hannove - Noch sind es nur vage Pläne, aber die Absicht des Energiekonzerns RWE, eine Kohlendioxid-Pipeline durch Niedersachsen zu bauen, alarmiert bereits jetzt Umweltschützer. Die Risiken eines solchen Vorhabens seien noch ungeklärt, betont der Sprecher des Bundes Umwelt und Naturschutz (BUND) in Niedersachsen, Stefan Ott. Nach einer Karte des Umweltschutzverbandes soll die Pipeline von Hürth bei Köln am Ruhrgebiet vorbei über Lingen und Oldenburg westlich an Hamburg vorbei nach Schleswig-Holstein führen.
Lager noch nicht gefunden
Die Leitung soll klimaschädliches Kohlendioxid (CO2) zu einer unterirdischen Endlagerstätte bringen. Laut BUND beruht die Karte auf RWE-Daten. Der Sprecher der RWE Dea AG in Hamburg, Derek Mösche, bezeichnet den Plan jedoch als „Spekulation“. Der endgültige Lagerort sei noch nicht gefunden.
Auch im niedersächsischen Landwirtschaftsministerium spricht man nur von einer „angedachten Trasse“. Sein Haus müsse die bestgeeignete Route noch erarbeiten, sagt Ministeriumssprecher Gert Hahne.
Bis 2014 sollen Kraftwerk, Pipeline und Lagerstätte fertig sein, sagt RWE-Dea-Sprecher Mösche. Anfang April hatte das Bundeskabinett grünes Licht für die unterirdische Speicherung von Kohlendioxid aus Kohlekraftwerken gegeben. Das Gesetz ist aber noch nicht in Kraft.
Die Energieversorger RWE, Vattenfall und Eon wollen in Hürth, Jänschwalde (Brandenburg) und Wilhelmshaven Kraftwerke bauen, deren Kohlendioxid-Emissionen abgespalten und unterirdisch in Gesteinsschichten gelagert werden sollen. Das Verfahren nennt sich CCS (Carbon Capture and Storage). Die Speicherung ist umstritten.
Schon die Abscheidung und Lagerung des Kohlendioxids sehen Kritiker skeptisch. „Da gibt es noch viele Fragezeichen“, sagt BUND-Energieexperte Thorben Becker. Auch RWE-Sprecher Mösche räumt ein, dass Gefahr besteht, wenn CO2 in größeren Konzentrationen freigesetzt wird.
Eon sieht kein Problem
RWE-Konkurrent Eon sieht für sein in Wilhelmshaven geplantes Steinkohlekraftwerk kein Problem mit Pipelines. „Wilhelmshaven hat einen Riesenvorteil: Wenn es Standort wird für CCS, dann ist die Stadt ganz nah an möglichen Speicherfeldern“, sagt Unternehmenssprecher Christian Drepper. Die Pläne für Kraftwerk und Speicherung seien aber noch nicht konkret, es gebe noch keinen Zeitplan.
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